Konsumforschung

Konsum und Spekulation

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Im neuen Jahr sollten zwei politische Projekte Vorrang haben: eine zeitgemäße Grundsteuerreform und eine Besteuerung des Verbrauchs von Ressourcen.

Vom „besten Weihnachtsgeschäft aller Zeiten“ ist die Rede. Nach den Prognosen des Handelsverbands Deutschland werden in diesem November und Dezember erstmals über 90 Milliarden Euro ausgegeben; 3,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Warum sind die Deutschen so in Kauflaune? Der Rekord habe mit der langen Adventszeit in diesem Jahr zu tun, heißt es. Und auch bis Neujahr bleibt fast eine ganze Woche zum Shoppen. Entscheidender als die Kalenderlage dürften allerdings die gute Beschäftigungslage und Einkommensentwicklung sein.

Konsumforscher sehen auch noch einen anderen Grund: Sparen ist derzeit keine attraktive Alternative und die Verbraucher sind eher geneigt, das Geld auszugeben. Laut GfK steigen die realen privaten Konsumausgaben in diesem Jahr um etwa zwei Prozent. Sie sind damit eine wesentliche Stütze der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, dass dies nicht zuletzt Auswirkungen der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sind. Mario Draghi darf sich bestätigt fühlen.

Vergessen sollte man jedoch nicht, dass diese Entwicklung noch nicht alle Bürger im Euroraum gleichermaßen erreicht. Die Armutsquote in Deutschland liegt laut Armuts- und Reichtumsbericht mit 15,4 Prozent anhaltend hoch. Während manch einer in diesem Jahr für Schmuck, Juwelen und Uhren mehr Geld ausgibt, haben viele Alleinerziehende und Rentner echte Geldsorgen. Für sie ist die Prognose, dass Wohnen auch 2017 teurer werden wird, kein Luxusproblem, sondern ein existenzielles. Bedingt ist dies durch zunehmende Bodenspekulation in Zeiten niedriger Zinsen. Dem Konsumrausch bei uns tut das keinen Abbruch. Dabei ist doch auch klar, dass jeder überflüssige materielle Konsum unnötige Ressourcen vergeudet.

Im neuen Jahr sollten daher begleitend zur Geldpolitik zwei steuerpolitische Projekte Vorrang haben: eine zeitgemäße Grundsteuerreform sowie eine ökologische Steuerreform. Heute finanziert sich der Staat zu fast zwei Dritteln dadurch, dass er den Faktor Arbeit belastet. Der Faktor Umwelt- beziehungsweise Ressourcenverbrauch trägt dagegen nur mit fünf Prozent zur Staatsfinanzierung bei, der Faktor Boden nicht einmal mit zwei Prozent. Die Steuer- und Abgabenlast muss dringend umgeschichtet werden.

Die Autorin ist stellvertretende Vorsitzende der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung (INWO).

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