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Containertransport im Hafen von Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong. Die Weltwirtschaft kommt wieder in Schwung.
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Containertransport im Hafen von Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong. Die Weltwirtschaft kommt wieder in Schwung.

Corona-Pandemie

Konjunktur erholt sich trotz Delta-Mutante: Infektionen koppeln sich von Wirtschaft ab

  • VonStephan Kaufmann
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Wirtschaftsfachleute gehen davon aus, dass sich die Ökonomien zunehmend vom Corona-Infektionsgeschehen abkoppeln – eine hohe Impfbereitschaft vorausgesetzt.

Berlin – Delta kommt: In Indien und anderen Ländern des globalen Südens hat die Corona-Mutante zu einer verheerenden Infektionswelle geführt, in Europa breitet sie sich aus. Für den Herbst wird auch in Deutschland eine neue Pandemiewelle erwartet. Zudem wird durch Delta deutlich, dass Corona wohl auch in Zukunft nicht verschwinden wird. Die Börsenkurse belastet dies derzeit jedoch nicht, hier werden neue Rekorde vorausgesagt. Denn Ökonomen erwarten, dass sich Konjunktur und Unternehmensgewinne zunehmend vom Infektionsgeschehen abkoppeln.

Die steigenden Infektionszahlen zeigen, dass die Corona-Pandemie nicht überstanden ist. In Europa dürfte das warme Wetter die Ansteckungen in den nächsten Monaten noch bremsen. Danach jedoch ist mit steigenden Inzidenzen zu rechnen, auch weil Delta besonders ansteckend ist. Und nach der Delta-Mutante kommt voraussichtlich die nächste. Corona wird endemisch. „Das Virus bleibt uns – vermutlich für alle Zukunft – erhalten und stellt vor allem in seinen Mutationen eine stets genau zu beobachtende Gefahr dar“, so die Ökonomen von der DZ Bank.

Corona-Pandemie: Ökonomen beruhigt wegen Impfkampagne

Doch weder die Aussicht auf vermehrte Ansteckungen noch der Übergang von der Pandemie zu Endemie macht den Konjunkturprognostikern derzeit allzu große Sorgen. Sie halten an ihrer Erwartung fest, dass das Wachstum auch in der zweiten Jahreshälfte stark wird. Denn, so die Commerzbank, es gibt einige Faktoren, die Hoffnung machen, dass die nächste Corona-Welle nicht so hoch werden wird wie die gerade ausgelaufene.

Beruhigend wirken auf die Ökonomen zum einen die verwendeten Impfstoffe. So wird in Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern vor allem das Vakzin von Biontech/Pfizer eingesetzt, und dieses Vakzin – ebenso wie das von Moderna – erweist sich als besonders wirksam auch gegen die Delta-Variante. Zweiter und wichtigster Grund sind jedoch die vermehrten Impfungen. Laut Commerzbank dürften im Herbst 80 Prozent aller deutschen Erwachsenen einen vollen Impfschutz haben – eine hohe Impfbereitschaft der Bevölkerung vorausgesetzt. „Diese Faktoren werden zwar wohl nicht ausreichen, um einen Anstieg der Infektionszahlen spätestens im Herbst ganz zu verhindern“, so die Commerzbank. „Sie sprechen aber dafür, dass die Welle kleiner wird als die beiden Wellen im Winter und im Frühjahr.“

Konsumlaune steigt

Die Stimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher hat sich auch im Juli aufgrund sinkender Infektionszahlen und bundesweiter Öffnungsschritte weiter verbessert. Das geht aus dem Konsumbarometer des Handelsverbands Deutschland (HDE) hervor. Der Juli war der fünfte Monat in Folge mit einem ansteigenden Wert. Das Konsumbarometer erreichte den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren.

Für das Konsumbarometer befragt der HDE monatlich 2000 Bürgerinnen und Bürger zur Anschaffungsneigung, Sparneigung, finanziellen Situation und anderen konsumrelevanten Faktoren. Das Barometer bildet die erwartete Stimmung in den kommenden drei Monaten ab.

Die Anschaffungsneigung der Verbraucher:innen hatte im Juni noch abgenommen, im Juli legte dieser Wert jedoch wieder zu. Mit Blick auf die bundesweiten Öffnungsschritte sei in den nächsten Wochen mit einer Zunahme des privaten Konsums zu rechnen. (afp)

Da die Impfstoffe zwar nicht eine Ansteckung mit Corona verhindern, dafür aber die Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufs erheblich senken, wird mit einer geringeren Belastung des Gesundheitssystems gerechnet. Weniger Menschen müssen auf die Intensivstationen, die Krankenhäuser können die Last bewältigen. Und daher „dürfte die Politik auf den spätestens für den Herbst zu erwartenden neuerlichen Anstieg der Infektionszahlen im Inland deutlich moderater reagieren als bei den bisherigen Infektionswellen“.

Das bedeutet: Kaum Einschränkungen des öffentlichen Lebens, Büros und Läden bleiben offen, kein Schaden für das Wirtschaftswachstum. Diese Hoffnung der Ökonomen nährte am vergangenen Wochenende auch der CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zeigte er sich offen für die Idee, statt der Inzidenzen als Maßstab die Erkrankten und die Belastung des Gesundheitssystems – insbesondere der Intensivstationen – als Richtwert zu nehmen. Damit wäre die Konjunktur voraussichtlich weitgehend immunisiert.

Wirtschaft von Corona-Infektionen entkoppelt

Insgesamt erwartet Holger Schmieding von der Berenberg Bank daher, dass sich die Wirtschaft weiter vom Infektionstrend entkoppelt. „Sollte sich die Situation nicht dramatisch verschlechtern, bleiben die politischen Hürden für ökonomische Einschränkungen sehr hoch.“ Vorausgesetzt hierbei ist zwar eine hohe Impfbereitschaft der Bevölkerung. Allerdings werde es bei zunehmenden Impfangeboten für Impfskeptiker eng. „Jene, die ein Angebot ablehnen, würden dies auf ihr eigenes Risiko tun“, so Schmieding.

Die Forderung nach Lockdowns zu ihrem Schutz verlöre an Kraft. In Großbritannien ist dies bereits zu erkennen: Trotz der um sich greifenden Delta-Variante will die Regierung die Corona-Maßnahmen weiter lockern. Sie setzt laut eigener Aussage auf „die Eigenverantwortung der Bürger“.

Die Bankökonom:innen halten daher an ihren optimistischen Prognosen vorerst fest. Und auch an den Börsen wird mit weiteren Rekorden gerechnet. Denn durch die Erholung verdienen die Aktiengesellschaften gut. Bei den 600 Unternehmen aus dem europäischen Stoxx-Aktienindex gehen die Fachleute in den ersten beiden Quartalen von einer Verdopplung der Gewinne im Vergleich zum Vorjahr aus, die Folgequartale sollen immerhin Zuwächse von einem Drittel und einem Viertel bringen. „Wir sehen weiter die Impferfolge und die Öffnung der Wirtschaft als die treibende Kraft hinter den verbesserten Aussichten und damit letztlich hinter den Aktienkursgewinnen“, sagte Marija Veitmane vom Vermögensverwalter State Street Global Markets der Finanzagentur Bloomberg. (Stephan Kaufmann)

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