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Ein Containerschiff verlässt die Werft in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong.

USA

Ein Konflikt ohne Gewinner

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Scheitern der Handelsgespräche zwischen China und den USA würde die ganze Welt treffen.

Noch verhandeln die USA und China. Am Donnerstagabend wurde die chinesische Handelsdelegation unter Vizepremier Liu He in Washington von dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer und US-Finanzminister Steven Mnuchin in Empfang genommen, am Freitag gingen die Gespräche weiter. Sollte es aber bei der Erhöhung von Strafzöllen auf chinesische Produkte durch die USA bleiben, würde das die Dämpfung von Welthandel sowie globalem Bruttosozialprodukt verschärfen, sagen Experten des zum Versicherungsriesen Allianz zählenden Kreditversicherers Euler Hermes voraus.

Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump die Sonderzölle auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden Dollar erhöht – von zehn auf 25 Prozent. Bleibt es dabei, so würde die globale Wirtschaftsleistung binnen zwei Jahren um 0,5 Prozentpunkte und der Welthandel sogar um zwei Prozentpunkte schrumpfen, hat Euler Hermes berechnet.

Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo befürchtet ein Schrumpfen des Welthandels, beziffert den Effekt aber nicht. Die Forscher haben weltweit 1130 Volkswirte befragt, die in allen Regionen der Welt mit Ausnahme des Mittleren Ostens und Afrika mehrheitlich eine Beeinträchtigung für ihre jeweiligen Volkswirtschaften sehen, falls die USA und China auf Konfrontationskurs bleiben. In Deutschland rechnen in dem Fall sogar mehr als 90 Prozent der befragten Experten mit konjunkturellen Eintrübungen.

Schon 2018 hätten Handelskonflikte maßgeblich dazu beigetragen, dass das Wachstum des Welthandels von 5,2 auf 3,8 Prozent geschrumpft ist, bilanziert Euler Hermes. „Die Zölle sind bisher nicht das größte Problem“, so Euler Hermes-Chefvolkswirt Ludovic Subran. Bislang sei es vor allem die Unsicherheit und mangelnde Planbarkeit gewesen, die den Welthandel gedrosselt habe.

Euler Hermes geht davon aus, dass Strafzölle den Welthandel 2018 rund 0,3 Prozentpunkte gekostet haben, die Unsicherheit mit weiteren 0,5 Prozentpunkten Abschlag jedoch noch mehr. Selbst bei einer Einigung zwischen den USA und China rechnet Euler Hermes im laufenden Jahr mit einem weiteren Abflauen beim Wachstum des Welthandels auf 3,0 Prozent und noch 2,7 Prozent 2020.

„Es ist wie ein Countdown“, sagt Euler-Hermes-Experte Ron van het Hof. Die Uhr zähle nicht Zeit, sondern globale Wachstumsraten herunter. Je zwei Monate Unsicherheit würden den Welthandel 0,1 Prozentpunkte kosten. Das globale Bruttosozialprodukt werde alle vier Monate um diese Rate vermindert, wobei Exportnationen wie Deutschland besonders stark betroffen seien.

„Es ist aber auch noch Luft nach unten“, warnt Subran. Denn falls die US-Regierung ihre Warnung wahr macht, chinesische Waren im Wert von 325 Milliarden Dollar und Automobilimporte im Wert von rund 200 Milliarden Dollar mit Strafzöllen zu belegen, wären die Folgen noch dramatischer. Das Wachstum des globalen Bruttosozialprodukts würde dann um zwei Prozentpunkte auf nahe Null gedrosselt und der Welthandel schrumpfen.

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