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Pipe assembly is pictured aboard the Nord Strem 2 pipe laying vessel Audacia close to Ruegen island in the Baltic Sea

Pipeline

Kompromiss für Nord Stream 2

Auch das EU-Parlament trägt die Einigung zur Gasrichtlinie mit. Pipeline-Betreiber Gazprom muss jetzt mit Auflagen rechnen.

Das seit Jahren umstrittene Pipelineprojekt Nord Stream 2 muss sich auf neue EU-Vorschriften einstellen, kann aber voraussichtlich weiter gebaut und betrieben werden. Dies ist Ergebnis eines Kompromisses, den Vertreter der EU-Länder, des EU-Parlaments und der EU-Kommission in der Nacht zum Mittwoch erzielten. Die Bundesregierung kann sich als Erfolg anrechnen, den Stopp des Milliardenprojekts verhindert zu haben. Dessen Gegner sehen sich jedoch einen Schritt weiter: Erstmals bekommt die EU einen Hebel gegen Nord Stream 2 in die Hand.

Die Leitung des russischen Staatskonzerns Gazprom durch die Ostsee von Russland nach Deutschland entzweit seit Jahren nicht nur Europa. Auch US-Präsident Trump zieht alle Register und droht mit Sanktionen gegen Beteiligte an dem Milliardenprojekt. Trotzdem wurde seit vorigen Sommer bereits rund ein Drittel der 1200 Kilometer langen Pipeline gebaut.

Die Leitung soll künftig jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland nach Deutschland transportieren – noch einmal so viel wie die seit Jahren betriebene Schwesterpipeline Nord Stream. Kritiker monieren, Europa mache sich noch abhängiger von russischem Gas. Die Ukraine fürchtet zudem, als Transitland ausgebremst zu werden und milliardenschwere Durchleitungsgebühren einzubüßen.

Weil auch Polen und die baltischen Staaten das Projekt vehement ablehnen, versuchte die EU-Kommission seit Jahren, Nord Stream 2 zu reglementieren. Die Bundesregierung blockierte das mit Mitstreitern im Rat der EU-Länder, bis sie vorige Woche nach Druck aus Paris beidrehen musste.

Die EU-Kommission ist nun nach eigener Darstellung am Ziel: Erstmals gelten künftig EU-Energieregeln auch für Pipelines, die aus anderen Staaten in die EU führen. Demnach darf zum Beispiel die Produktion von Erdgas und der Betrieb der Pipeline nicht in einer Hand liegen - anders als bei Gazprom. Ein Betreiber muss Konkurrenten die Nutzung der Leitung gegen Gebühr erlauben. Die Regeln sollen den Wettbewerb ankurbeln und Monopolpreise vermeiden. „Das ist ein großer Fortschritt hin zu einem integrierten Gas-Binnenmarkt“, kommentierte EU-Kommissar Miguel Arias Cañete die in der Nacht zum Mittwoch erzielte Einigung.

Im Umkehrschluss können solche Auflagen Profite schmälern und Betreibern das Leben so schwer machen, dass Projekte wie Nord Stream 2 theoretisch unrentabel werden könnten. Das hat die Bundesregierung wohl erfolgreich verhindert: Der Kompromiss der EU-Unterhändler sieht Ausnahmen und Sonderregeln vor, die die Folgen abmildern dürften.

Wie sich diese genau auswirken, trauten sich aber auch Beteiligte am Mittwoch noch nicht zu bewerten. Die Einigung sei sehr frisch, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Man müsse zunächst die fertigen Texte genau prüfen, sagte die SPD-Europaabgeordnete Martina Werner. Die formale Zustimmung des EU-Rats und des EU-Parlaments steht auch noch aus.

Vereinbart ist nach Angaben des EU-Parlaments, dass die neuen Regeln nur auf EU-Territorium gelten beziehungsweise in EU-Gewässern - nicht schon am Ausgangspunkt der Pipeline, also Russland. Deutschland darf im Falle von Nord Stream 2 mit Russland über Ausnahmen „auf Grundlage der EU-Regeln“ sprechen und darüber entscheiden, wie aus einer Mitteilung des EU-Parlaments hervorgeht. Allerdings heißt es dort auch: „Die Kommission wird die verbindliche Entscheidung darüber treffen, die Ausnahme zu gewähren.“

Die an den Verhandlungen beteiligte Grünen-Expertin Rebecca Harms erläuterte, letztlich müsste ein Streit zwischen Brüssel und Berlin vor dem Europäischen Gerichtshof entschieden werden. Solange würden Ausnahmen von den EU-Regeln nicht gelten. (dpa)

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