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Was kommt auf Karstadt zu? Dass sechs Filialen geschlossen werden, ist bereits bekannt.

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Was kommt auf Karstadt zu?

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Filialschließungen, Personalabbau, Lohnverzicht: Auf die Beschäftigten von Karstadt kommen harte Zeiten zu. Der Aufsichtsrat des Unternehmens beschloss schmerzhafte Einschnitte: Sechs Filialen sollen bereits im kommenden Jahr geschlossen werden, weitere könnten folgen. Ein Überblick.

Welche Karstadt-Filialen stehen vor dem Aus?

Wie das Unternehmen mitteilte, sollen die Warenhäuser in Hamburg-Billstedt und Stuttgart nur noch bis zum 30. Juni 2015 betrieben werden. Auch zwei so genannte „Schnäppchencenter“ werden geschlossen – und zwar in Frankfurt (Oder) am 30. April und in Paderborn am 30. September 2015. Karstadt gibt überdies die beiden „K-Town“-Filialen in Köln und Göttingen auf. Das sind Geschäfte, die bisher vor allem auf ein jüngeres Publikum zielten. Sie schließen beide am 30. Juni 2015. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi arbeiten an den genannten Standorten insgesamt bis zu 240 Beschäftigte, die nun größtenteils ihre Jobs verlieren dürften. Karstadt-Betriebsratschef Hellmut Patzelt sprach von einem „dunklen Tag“ für die Belegschaft. Nach Darstellung des Managements Unternehmens sind die Filialschließungen notwendig, um das Überleben des gesamten Unternehmens zu sichern.

Sind damit wenigstens die übrigen Karstadt-Häuser gerettet?

Keineswegs. Die Schließung der sechs Filialen ist wahrscheinlich erst der Anfang. Insgesamt betreibt das Unternehmen in Deutschland 83 Häuser. Mehr als 20 gelten als gefährdet. Der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl sprach in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem Handelsblatt davon, dass „weitere acht bis zehn Filialen“ unmittelbar auf der Kippe stünden. Einige Niederlassungen schrieben „dunkelrote Zahlen“. Karstadt hat noch rund 17.000 Mitarbeiter. Zusätzlich zu den Filialschließungen ist nach Betriebsrats-Angaben der Abbau von 2.000 Stellen geplant – in den Warenhäusern und in der Essener Konzernzentrale. Karstadt-Chef Fanderl war bei der Aufsichtsratssitzung offiziell zum neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt worden. Er saß bisher dem Kontrollgremium vor. Verdi-Vertreter Arno Peukes sagte, der Betriebsrat und die Gewerkschaft würden alles daran setzen, die gefährdeten Häuser zu erhalten.

Was kommt noch auf die Beschäftigten zu?

Fanderl will, dass die Mitarbeiter einen weiteren finanziellen Beitrag zur Sanierung des Unternehmens leisten. „Wir müssen über Einsparungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld sprechen und darüber, die Tarifpause über 2015 hinaus zu verlängern“, sagte er.

Ist inzwischen klar, wie sich die Kaufhauskette neu im Markt positionieren will?

Nein. Das Karstadt-Management hat zwar nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem neuen Eigentümer der Kette, dem österreichischen Immobilienunternehmer René Benko, ein Zukunftskonzept erarbeitet. Wie das genau aussieht, ist aber bislang nicht bekannt. In einer Mitteilung wird Vorstandschef Fanderl mit dem Satz zitiert, dass „nach erfolgreicher Sanierung“ das Unternehmen strategisch neu ausgerichtet werden solle. Die Konzernleitung will die Kosten drücken und gleichzeitig Umsätze und Gewinne in den verbleibenden Filialen erhöhen. Bereits im Frühjahr/Sommer des kommenden Jahres sollten einzelne neue Warenhaus-Formate an den Start gehen. Der neue Aufsichtsrats-Vorsitzende Wolfram Keil sagte: „Wir stehen erst am Anfang eines langen Prozesses.“ Karstadt stehe  vor einem tiefgreifenden und umfassenden Wandel; Sanierung und Zukunftskonzept bedingten sich gegenseitig.

Warum ist Karstadt überhaupt in der Krise?

Das Konzept des klassischen Innenstadt-Kaufhauses passt nur noch bedingt in die Zeit. Durch neue Einkaufszentren in den Innenstädten mit vielen Ketten und Boutiquen sowie durch großflächige Fachmärkte auf der grünen Wiese sind die traditionellen Warenhäuser immer stärker unter Druck geraten. Sie können bislang auch nur bedingt vom boomenden Online-Handel profitieren. Karstadt ist ein Gemischtwarenladen ohne klare Zielgruppe. Hinzu kamen in der Vergangenheit schwere Management-Fehler: Der einstige Eigentümer Nicolas Berggruen, der das Unternehmen 2010 aus der Insolvenz heraus übernommen hatte, investierte viel zu wenig Geld, um die Attraktivität der Häuser zu steigern. Das gerade abgeschlossene Geschäftsjahr 2013/2014 gehörte nach Darstellung von Finanzchef Miguel Müllenbach „mit zu den schwierigsten in der Geschichte von Karstadt“. In den beiden Geschäftsjahren zuvor hatte das Unternehmen 300 Millionen Euro Verlust angehäuft.

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