Protest gegen AIG: Diese Frau würde Manager des Versicherers gern hinter Gittern sehen.
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Protest gegen AIG: Diese Frau würde Manager des Versicherers gern hinter Gittern sehen.

AIG

Kommt jetzt die Bonus-Steuer?

Millionenzahlungen an AIG-Manager sorgen in den USA für wachsende Empörung. Konzernchef Edward Liddy hat in einem internen Schreiben dazu aufgefordert, die Gelder freiwillig zurückzuzahlen.

Von DIETMAR OSTERMANN

Washington. In den USA schlägt die Empörung über Bonuszahlungen beim kriselnden Versicherungskonzern AIG immer höhere Wellen. Im US-Kongress kursieren Vorschläge, die Boni in Höhe von 165 Millionen Dollar mit einer Sondersteuer von bis zu 90 Prozent zu belegen.

Das Weiße Haus sah sich am Dienstag zu einer Erklärung veranlasst, Präsident Barack Obama habe volles Vertrauen zu Finanzminister Timothy Geithner. Der Minister war in die Kritik geraten, weil sein Haus seit Monaten von den umstrittenen Zahlungen bei dem mit rund 170 Milliarden Dollar vom Staat gestützten Konzern wusste.

Als Reaktion auf die wachsende Empörung versicherte Geithner in einem Brief an die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, das Justizministerium prüfe Möglichkeiten, die vorige Woche gezahlten Boni zurückzufordern. Außerdem habe er Konzernchef Edward Liddy aufgefordert, für 2009 geplante Bonuszahlungen auszusetzen.

In einem Beitrag in der Washington Post nannte Liddy die öffentliche Empörung am Mittwoch "verständlich". Er selbst hätte die Verträge so nicht abgeschlossen. Er sei an sie aber gebunden, da sie vor seiner Zeit bei AIG unterzeichnet worden seien, erklärte Liddy, der am Mittwoch vor dem Kongress Stellung zu der Angelegenheit nehmen sollte. In einem internen Schreiben forderte Liddy Mitarbeiter auf, die umstrittenen Gelder freiwillig zurückzuzahlen.

In der US-Bevölkerung hat der Vorgang eine lange aufgestaute Wut überschäumen lassen: Bei der AIG-Zentrale in Connecticut gehen seit Tagen wütende Anrufe und Morddrohungen ein, Polizei und Demonstranten marschierten auf. In Washington musste sich die Obama-Regierung fragen lassen, warum sie die Ausschüttung von 165 Millionen Dollar nicht verhindern konnte - obwohl sie vor wenigen Wochen weitere Hilfsmilliarden für AIG zugesagt hatte.

AIG gehört inzwischen zu 80 Prozent dem Staat. Der Konzern hatte Risiken von Banken und Investoren im Immobiliengeschäft abgesichert und sich kräftig verspekuliert. 2008 fuhr AIG mit 99 Milliarden Dollar den höchsten Verlust der US-Wirtschaftsgeschichte ein. Kollabiert der Versicherer, droht den Finanzmärkten laut Experten ein Beben in vielfacher Stärke der Lehman-Pleite.

AIG beruft sich bei den Bonuszahlungen auf Verträge, die abgeschlossen wurden, bevor der Konzern Staatshilfen in Anspruch genommen habe. Dadurch habe man Mitarbeiter halten wollen, die bei der Abwicklung der explosiven Immobilienderivate gebraucht würden - laut New Yorker Staatsanwaltschaft teils die Gleichen, die den Schlamassel angerichtet hatten. 73 AIG-Mitarbeiter erhielten demnach jetzt zwischen einer und 6,3 Millionen Dollar an Boni für das Pleitejahr 2008.

Dem US-Steuerzahler ist all das nicht mehr zu vermitteln. Politisch droht die AIG-Affäre weitere Hilfsgelder für das noch immer angeschlagene US-Finanzsystem zu gefährden. "Keine Bailouts mehr", forderte für seine Fraktion der republikanische Abgeordnete Eric Cantor.

Die Regierung macht in der Affäre keine gute Figur: Am Montag nannte Obama die AIG-Boni zwar "unverschämt" und beauftragte seinen Finanzminister, "alle möglichen Schritte" zu prüfen, die Zahlungen zu stoppen. Am Vortag aber hatte Obamas Wirtschaftsberater Lawrence Summers erklärt, man habe bereits "alles getan, was wir konnten". Die USA seien ein Rechtsstaat, man könne Verträge nicht einfach ändern.

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