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Griechenland

Vor dem Kollaps

Ob Personalnot, lange Wartezeiten für Untersuchungen und OP-Termine oder defekte Rettungswagen: Griechenlands öffentliches Gesundheitssystem sah sich schon vor der Krise Anfang 2010 schlecht aus. Die Krise hat sie noch dramatisch verschärft.

Von Ferry Batzoglou

In den hellenischen Kliniken fehlt es inzwischen an Mullbinden, Gips oder Spritzen. Zudem wurden 661 Fachabteilungen einzelner Kliniken und ganze Krankenhäuser fusioniert und zusammengelegt. Obendrein ist der Anteil der unversicherten Griechen auf rund 35 Prozent geklettert. Inzwischen sind viele Eltern nicht mehr in der Lage, die Impfungen für ihre Kinder zu bezahlen. In ihrer Not suchen sie die Kliniken von Nichtregierungsorganisationen wie Ärzte der Welt auf.

Beobachter monieren: Griechenland, die Geburtsstätte von Hippokrates, ähnele in Sachen Gesundheitsversorgung immer mehr einem Dritte-Welt-Land. Trotzdem strebt die Athener Regierung im Einklang mit der Geldgeber-Troika aus EU, EZB und IWF unbeirrt eine weitere drastische Senkung der öffentlichen Gesundheitsausgaben an. Betrugen sie 2009 noch 14 Milliarden Euro, sind sie 2012 schon auf geschätzte 9,5 Milliarden Euro gefallen. Das private Gesundheitssystem kann sich das Gros der Griechen ohnehin nicht mehr leisten – das erhöht den Druck auf den schon überforderten Staatssektor. Experten warnen, dass Griechenlands Gesundheitssystem vor dem Kollaps steht.

Medikamente fehlen

Der neueste Missstand: der ausufernde Medikamentenmangel. Die aktuelle Medi-Misere ist mittlerweile so gross, dass sich jetzt sogar die einheimische Justiz eingeschaltet hat. Griechenlands oberster Staatsanwalt Jannis Tentes hat landesweit alle lokalen Staatsanwaltschaften damit beauftragt, Ermittlungen einzuleiten, ob der Straftatbestand der „unlauteren Verweigerung der Bereitstellung von Medikamenten zu Lasten Kranker“ vorliege.

Die in der Krise chronische Unterfinanzierung der Nationalen Gesundheitskasse EOPYY, die fast alle Griechen zu versorgen hat, hat bis Ende 2012 rund zwei Milliarden Euro Schulden angehäuft. Gesundheitsminister Andreas Lykourentzos bemüht sich derweil, die zuletzt oft erhitzten Gemüter zu beruhigen. Der studierte Politologe beteuert mit beissender Ironie: „Keiner wird am Medi-Mangel sterben“.

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