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Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Der Weg bis zur erfolgreichen Sanierung dürfte noch weit und steinig sein.
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Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Der Weg bis zur erfolgreichen Sanierung dürfte noch weit und steinig sein.

Job-Abbau

Knof verkündet Milliardenverlust

  • vonRolf Obertreis
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Der Weg bis zur Sanierung des Geldhauses wird für den neuen Chef noch steinig werden. Aus der Politik kommt heftige Kritik am geplanten Stellenkahlschlag.

Von solchen Zustimmungswerten wird der seit Jahresanfang agierende Commerzbank-Chef Manfred Knof vermutlich noch eine Zeit lang weit entfernt bleiben. 90 Prozent der Beschäftigten stünden hinter der eingeschlagenen Strategie, berichtete am Donnerstag Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank und bis Mitte vergangenen Jahres Chef auch von Ex-Deutschbanker Knof.

Auch beim Umbau und bei den Zahlen klafft die Lücke weit auseinander. 624 Millionen Euro Gewinn im vergangenen Jahr an der Taunusanlage, fast 2,9 Milliarden Verlust beim „gelben“ Institut am Kaiserplatz. Selbst im eigentlichen Bankgeschäft verbucht die Commerzbank einen Verlust von 233 Millionen Euro, wie Knof am Mittwochnachmittag in der bis in den späten Abend dauernden Sondersitzung dem Aufsichtsrat gestehen musste. 2019 hatte unter dem Strich noch ein Gewinn von fast 1,3 Milliarden Euro gestanden.

Die Deutsche Bank ist weit vorangekommen bei der tiefgreifenden Sanierung und hat die jahrelang Verlustphase hinter sich gelassen. Die Commerzbank steht nicht einmal in der Mitte. Analysten rechnen auch in diesem Jahr mit einem Netto-Verlust von rund 80 Millionen Euro. Frühestens 2022 ist wieder ein Gewinn drin.

10 000 Vollzeiten-Stellen wird die zweitgrößte deutsche Geschäftsbank streichen, 340 ihrer derzeit noch 790 Filialen dichtmachen. Wen es trifft und welche Ableger keine Zukunft mehr haben, will Knof möglichst zügig klären, um die ohnehin große Unruhe in der Bank nicht noch größer werden zu lassen. Dazu wurde eine „Regelungsabrede“ mit dem Gesamtbetriebsrat geschlossen. Bis zur Hauptversammlung Anfang Mai soll es Klarheit geben. Ob die geplanten Einschnitte reichen werden, ist freilich unklar. „Das Jahr 2021 wird eine große Herausforderung für den deutschen Bankensektor. Die Auswirkungen der Pandemie auf die Bankbilanzen werden sich erst im Laufe des Jahres zeigen“, sagt Banken-Professor Volker Brühl von der Universität Frankfurt.

Die Kritik aus der Politik am von Knof verordneten Kahlschlag ist zum Teil heftig, weil die Commerzbank seit der Finanzkrise 2009 immer noch zu knapp 16 Prozent dem Bund gehört. „Wofür wurde die Commerzbank gerettet? Damit die Arbeitsplätze doch verloren gehen?“, poltert Linke-Parteichef Bernd Riexinger. „Nicht die Besitzer der Unternehmen müssen gerettet werden, sondern die Arbeitsplätze und der Nutzen des Unternehmens für die Allgemeinheit.“ Auch aus der SPD wird die soziale Verantwortung des Vorstandes und damit auch von Parteimitglied und Finanzminister Olaf Scholz angemahnt.

Die Beschäftigten der Bank und ihre Vertreter:innen freilich wissen um die bedrohliche Lage. Im Aufsichtsrat opponierten sie dem Vernehmen nach nicht gegen die Pläne. Für Aufsichtsratsmitglied und Verdi-Vertreter Stefan Wittmann ist schon lange klar, dass es einen Umbau geben würde. Allerdings ärgert er sich über die kurzfristig geplante Umsetzung. So etwas habe in der Bank noch nie schnell funktioniert. Jetzt drohten Überlastung und sinkende Qualität. Wittmann lehnt betriebsbedingte Kündigungen vehement ab. Auch Knof betont, er wolle das vermeiden. Sehr realistisch scheint das nicht, wenn rund jede dritte Vollzeitstelle wegfallen soll. Froh sind jedenfalls die Beschäftigten, wie ein Betroffener berichtet, die im vergangenen Jahr Angebote zur Altersteilzeit angenommen haben.

Auch in der Strategie vollzieht Knof einen Schwenk. Weil die Bank mit der Digitalisierung der Geschäfte, wie aus der Zentrale zu hören ist, offenbar bislang nicht weit gekommen, soll die erfolgreiche Online-Marke Comdirect nicht verschwinden, sondern die Bank insgesamt stärken.

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