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Kniefall vor dem Geld

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Die NBA galt oft als Musterbeispiel dafür, Werte hochzuhalten. Ein Tweet hat jetzt das Verhältnis der Basketballliga mit China erschüttert und die NBA entlarvt, genauso nur ans Business zu denken, wie Politiker, Sportverbände und Klubs. Der Kommentar.

Als Footballspieler Colin Kaepernick aus Protest gegen Rassismus bei der US-amerikanischen Nationalhymne auf die Knie fiel, bekam der damalige Superstar der San Francisco 49ers eine Menge Unterstützung aus der NBA. Adam Silver, der Commissioner der National Basketball Association, betonte. dass die Athleten „das Recht auf eine freie Meinungsäußerungen“ haben. Damit nahm er vor zwei Jahren eine Kontra-Meinung zu den Bossen der National Football League (NFL) ein, die Kaepernick harsch kritisierten und in der Konsequenz den Quarterback arbeitslos machten.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung gesteht Silver zwar auch Daryl Morey zu, aber Silvers Handlungen sind lauter als seine Worte. Morey ist General Manager der Houston Rockets und hat vergangenen Freitag mit einem Tweet für Empörung in China gesorgt: „Kämpfe für die Freiheit. Stehe mit Hongkong“, schrieb er. Die Chinesen strichen als Konsequenz die Live-Übertragung von zwei NBA-Vorbereitungsspielen. Und ob die Los Angeles Lakers gegen die Brooklyn Nets in Schanghai und Schenzhen wirklich zwei Testspiele bestreiten werden, ist offen.

Die sofortige Entschuldigung der NBA auf ihrer Homepage, das Löschen des Tweets von Morey und einem reumütigen Sorry sowie Moreys öffentlicher Zurechtweisung durch den Rockets-Besitzer Tilman Fertitta zeigt nur, dass selbst auferlegte Prinzipien im Business nichts zählen, wenn es um einen riesigen Absatzmarkt wie China geht. Die NBA, aber auch andere Sportligen, Sportverbände und Fußballklubs sprechen genauso wie Politiker solange über Menschenrechte, bis sie sich abhängig von einem Geldgeber gemacht haben, in dessen Land sie mit Füßen getreten werden.

Deswegen reist der FC Bayern München nach Katar ins Trainingslager, obwohl es ein offenes Geheimnis ist, dass die Arbeiter dort wie Sklaven behandelt werden. Deshalb liefert Deutschland Waffen nach Saudi-Arabien und deutsche Firmen wie Siemens bekommen riesige Aufträge in China, weil ihr Chef Joe Kaeser davor warnt, die Führung des Landes zu kritisieren.

Die NBA galt oft als Musterbeispiel dafür, Werte hochzuhalten. So wurde Donald Sterling als Besitzer der Los Angeles Clippers 2014 zum Rücktritt gedrängt, als rassistische Kommentare öffentlich wurden. Der NBA nahm 2017 Charlotte das Allstar-Spiel weg, weil der US-Bundesstaat North Carolina ein diskriminierendes Gesetz gegen Homosexuelle und Transsexuelle verabschiedet hatte. 2019 bekam Charlotte dann doch sein Allstar-Spiel, weil das Gesetz geändert wurde – auf Drängen der NBA. Jetzt ist die NBA wieder auf die Knie gefallen - vor dem Geld aus China.

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