+
Dazuverdienen neben der Rente? Das geht, aber nur in einem genau festgelegten Rahmen.

Rente

Klug arbeiten im Rentenalter

  • schließen

Wer vorzeitig in den Ruhestand geht, darf hinzuverdienen ? aber mit Einschränkungen.

Der Übergang vom Arbeitsleben in die Rente fällt vielen Menschen schwer. Gestern noch voll eingespannt, muss die Zeit ab sofort selbstständig gestaltet werden. Viele Senioren fühlen sich noch fit und möchten sich gern weiter in der Arbeitswelt einbringen. Das ist besonders dann der Fall, wenn sie frühzeitig in Rente gegangen sind, also zum Beispiel mit 63 Jahren. Mit einem Mini-Job können sie ihren Tag strukturieren, oft besteht aber auch einfach die Notwendigkeit, die kleine Rente aufzubessern. Mini-Jobs gibt es in vielen Branchen und für die verschiedensten Qualifikationen. Aber Vorsicht: Besonders wer vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheidet, muss einiges beachten, denn der Zuverdienst neben der Rente ist genau geregelt – und hat nach oben einen Deckel. 

Der Gesetzgeber hat im vergangenen Jahr neu festgelegt, wie viel hinzuverdient werden darf und er hat dabei auch einige Einschränkungen vorgenommen. Es darf nicht zu viel erarbeitet werden. Schließlich soll die Rente der Versorgung dienen. Wer die Grenze überschreitet, muss – vor Erreichen der gesetzlichen Rentenaltersgrenze – mit gravierenden Abzügen rechnen. Die FR erklärt, was zu beachten ist.

Vorgezogene Altersrente: Das Rentenalter beträgt zurzeit 65 Jahre und sieben Monate. Das heißt, wer im März 1953 geboren wurde, erreicht im November dieses Jahres die reguläre Altersgrenze. Ein Renteneintritt mit 63 Jahren ist für alle möglich, die mindestens 35 Jahre anrechenbare Zeiten in der Rentenversicherung zurückgelegt haben. Der frühere Renteneintritt führt jedoch zu einer Minderung der Rente um 0,3 Prozent pro vorgezogenem Monat.

Hinzuverdienst bei vorgezogener Altersrente: Personen, die vorgezogene Rente beziehen, können 6300 Euro brutto im Kalenderjahr hinzuverdienen, ohne dass dies auf die Rente angerechnet wird. „Die Summe 6300 Euro basiert auf dem Verdienst beim Mini-Job“, sagt Gundula Sennewald, Referentin bei der Deutschen Rentenversicherung. Die 6300 Euro errechnen sich aus der alten Hinzuverdienstgrenze von zwölf mal 450 Euro plus zwei zusätzliche Gehälter à 450 Euro. Sie entsprächen einem monatlichen Hinzuverdienst von 525 Euro.
Aus dem Minijob-Gehalt werden Rentenversicherungsbeiträge gezahlt, die den Mini-Jobbern auch zu einer kleinen Aufbesserung der Rente mit Erreichen der regulären Altersgrenze verhelfen. Der Zugewinn bei einem Mini-Job beträgt laut einem Berechnungsbeispiel der Rentenversicherung knapp fünf Euro pro Jahr.

Verdienst oberhalb von 6300 Euro im Jahr: Wer mehr als 6300 Euro brutto im Jahr hinzuverdient, muss Einbußen bei seiner Rente in Kauf nehmen. Würde ein Rentner 600 Euro brutto im Monat hinzuverdienen, würde sich diese Summe auf 7200 Euro im Jahr summieren. 6300 Euro darf er verdienen, ohne dass sich das auf seine Rentenbezüge auswirkt. Bleiben 900 Euro übrig. Diese werden auf den Monat umgeschlagen. Das ergibt 75 Euro. 40 Prozent dieser Summe – in diesem Fall also 30 Euro – zieht die Rentenversicherung von der Rente ab. Bekäme der Rentner ursprünglich brutto 1200 Euro Rente im Monat, wären es dann also nur noch 1170 Euro. Er hätte aber zusätzlich 600 Euro brutto aus dem Zusatzverdienst zur Verfügung. 

Obergrenze für den Zuverdienst: Die Möglichkeiten, Geld hinzuzuverdienen, sind darüber hinaus nach oben begrenzt. Der Staat hat einen sogenannten Hinzuverdienstdeckel eingeführt. Diese Obergrenze wird individuell berechnet. „Hier wird der Verdienst in den 15 Jahren vor der vorgezogenen Altersrente betrachtet“, sagt Sennewald. Maßgebend ist das Jahr mit den meisten Entgeltpunkten. Wer zum Beispiel in den Jahren vor Eintritt in die Rente maximal 3100 Euro monatlich verdiente und 1200 Euro Rente erhält, könnte theoretisch 1900 Euro monatlich hinzuverdienen. Was darüber hinausginge, würde zu 100 Prozent von der Rente abgezogen. 

Teilrente: Eine Variante der vorgezogenen Rente ist die Teilrente. Dabei verzichtet der Rentner auf einen Teil seiner Bezüge. „Das kann der Fall sein, wenn man halbtags weiterarbeiten möchte“, sagt Sennewald. Hätte unser fiktiver Rentner sich zum Beispiel für eine Teilrente von 50 Prozent, also für 600 Euro entschieden, so hätte dies auch einen Vorteil: Die „ruhende“ Hälfte der Rente wäre nicht von der Minderung betroffen. Wie viel Zuverdienst anrechnungsfrei möglich ist, wird bei einer Teilrente immer individuell errechnet.

Hinzuverdienst durch freiberufliche oder selbstständige Tätigkeit: Wer bei vorgezogener Altersrente freiberuflich beziehungsweise selbstständig tätig sein möchte, muss ebenfalls die Obergrenze von 6300 Euro und die weiteren Regelungen beachten. Maßgebend ist der aktuelle Steuerbescheid. Um zu ermitteln, wie hoch der Zuverdienst ist, kann auch eine Gewinn-Verlust-Rechnung vorgelegt werden.

Zuverdienst bei erreichter Altersgrenze: Ist die reguläre Altersgrenze für die Rentnerin oder den Rentner erreicht, fallen alle Schranken. „Dann können Sie so viel hinzuverdienen, wie sie möchten. Die Rente bleibt davon unberührt“, sagt Sennewald. In jedem Fall empfiehlt sie, sich zum Thema Hinzuverdienst und Teilrente in einer der bundesweiten Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung beraten zu lassen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare