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Erderwärmung

Niederlande: 17.000 Menschen klagen gegen Shell - schwere Vorwürfe gegen Ölkonzern

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Niederländische Umweltorganisationen wollen den Ölmulti Shell verpflichten, seine Investitionspläne so zu ändern, dass sie mit den Zielen des Pariser Weltklimaabkommens im Einklang stehen.

  • Umweltschutzorganisationen fordern den Ölkonzern Shell zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens auf.
  • Ein Urteil soll Shell zu mehr und nachhaltigem Engamgement zum Schutze des Klimas verpflichten.
  • Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Themenseite Klimawandel.

Den Haag – Klima-Showdown in den Niederlanden: Ein Gericht in Den Haag befasst sich vom heutigen Dienstag (01.12.2020) an mit einer Klage von mehreren Umweltverbänden und über 17 000 Menschen gegen den niederländisch-britischen Ölmulti Shell. Der Konzern behindere mit seinem Geschäftsmodell den weltweiten Klimaschutz, so der Vorwurf. Shell soll verpflichtet werden, seine Investitionspläne so zu ändern, dass die mit den Zielen des Pariser Weltklimaabkommens im Einklang stehen.

Konkret heißt das: Der Konzern muss die CO2-Emissionen, die durch die von ihm geförderten Erdöl- und Erdgas-Mengen in die Atmosphäre gelangen, bis zum Jahr 2030 um 45 Prozent reduzieren und bis 2050 auf null senken. Der Paris-Vertrag legt fest, dass die Erwärmung der Erde bei maximal zwei, besser aber 1,5 Grad gestoppt werden soll, was im Fall von 1,5 Grad eine Halbierung des globalen Treibhausgas-Ausstoßes bereits in den nächsten zehn Jahren erfordert.

Eine Umweltaktivistin protestiert gegen die Klimapolitik von Shell.

Umweltgruppen klagen gegen Shell: Verantwortliche für den Klimawandel

Die Umweltgruppen – darunter Friends of the Earth Netherlands („Milieudefensie“), Greenpeace und Action Aid Foundation – argumentieren, Shell gehöre zu den 100 größten konventionellen Energieunternehmen, die zusammen für mehr als 70 Prozent des CO2-Ausstoßes seit 1988 verantwortlich seien. Der Multi allein habe 2,1 Prozent der weltweiten Treibhausgase verursacht. Damit sei das Unternehmen zusammen mit anderen für die schwerwiegenden Folgen des Klimawandels verantwortlich, die weltweit bereits spürbar sind.

„Milieudefensie“-Chef Donald Pols sagte vor Prozessbeginn: „Dies ist eine einzigartige Klage mit potenziell erheblichen Konsequenzen für das Klima und die fossile Brennstoffindustrie weltweit.“ Er sei zuversichtlich, dass das Urteil Shell dazu zwingen werde, die internationalen Klimaziele einzuhalten und keinen gefährlichen Klimawandel mehr zu verursachen. Shell behaupte, voll an der Energiewende beteiligt zu sein, der Löwenanteil der Investitionen fließe aber immer noch in umweltschädliche Aktivitäten. Der Konzern sei zu lange mit „Greenwashing“ davongekommen, kritisierte Pols. Der Prozess werde „allen klarmachen, dass mehr als 95 Prozent der Aktivitäten von Shell einen gefährlichen Klimawandel verursachen.“

Name: Royal Dutch ShellGesamtumsatz 2019: 344,9 Milliarden US-Dollar
Gründung: Februar 1097Mitarbeitende: Knapp 83.000
Hauptsitz: Den Haag, NiederlandeRechtsform: Public limited company
CEO: Ben van BeurdenTochtergesellschaften: Shell Energy, Shell Oil Company, Pennzoil

Kampf gegen den Klimawandel: Shell will seinen C02-Fußabdruck deutlich verringern

Shell hat in diesem Frühjahr angekündigt, bis spätestens 2050 klimaneutral zu werden. „Die Erwartungen der Gesellschaft haben sich in der Debatte um den Klimawandel sehr rasch verändert“, sagt Konzernchef Ben van Beurden dazu. Der Konzern plant damit allerdings nicht, den CO2-Ausstoß tatsächlich auf null herunterzufahren. Vielmehr soll der „CO2-Fußabdruck“ seiner Produkte bis 2035 um 30 Prozent und bis 2050 um 65 Prozent reduziert werden. Die restlichen Emissionen sollen dann kompensiert werden, etwa durch Investitionen in Aufforstung oder Klimaschutz-Projekte. Die Forderungen von Milieudefensie und Co. gehen deutlich weiter.

Ein Shell-Sprecher sagte zu der Klage: „Auch wir glauben, dass jetzt Maßnahmen gegen den Klimawandel ergriffen werden müssen.“ Eine effektive Regierungspolitik, Investitionen in klimafreundliche Technologie und ein anderes Verbraucherverhalten würden die Energiewende beschleunigen. „Aber diese Klage trägt nicht dazu bei“, meinte er.

Shell und der Klimawandel: Umweltverbände rechnen mit erfolgreicher Klage

Der Ausgang des Prozesses, zu dem nun bis 17. Dezember vier Anhörungen stattfinden, wird mit Spannung erwartet. Experten wie der Juraprofessor Elbert de Jong von der Universität Utrecht glauben, dass die Umweltverbände gute Chancen haben, den Fall zu gewinnen. Tatsächlich hat der Oberste Gerichtshof der Niederlande in einem anderen Fall im vorigen Dezember Klimaschützern Recht gegeben, die die niederländische Regierung wegen – gemessen an den Paris-Vorgaben – zu schwacher CO2-Zielen verklagt hatten.

Das Gericht verpflichtete Den Haag, deutlich mehr zur Senkung der Emissionen zu tun. Eine Berufung gegen das Urteil wurde nicht zugelassen. Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte und Umwelt, David Boyd, sprach damals von der „bislang weltweit wichtigsten Gerichtsentscheidung zum Klimawandel“. (Joachim Wille)

Rubriklistenbild: © AFP

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