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Die zusätzlichen Aufträge für Handwerker und Bauindustrie für den Wiederaufbau des Ahrtals werden vermutlich einen preistreibenden Effekt haben.
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Die zusätzlichen Aufträge für Handwerker und Bauindustrie für den Wiederaufbau des Ahrtals werden vermutlich einen preistreibenden Effekt haben.

Höhere Preise durch Extremwetter

Klimawandel treibt die Inflation

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Eine aktuelle Studie hebt hervor, dass etwa durch Dürren die Lebensmittelpreise steigen. Die Fachleute fordern, dass die Europäische Zentralbank Klimathemen mehr Gewicht gibt.

Die Inflationsraten im Euro-Raum steigen. Mit einer Preissteigerung von 3,9 Prozent im August wurde in Deutschland der höchste Anstieg seit 1993 verzeichnet. Die meisten Ökonominnen und Ökonomen gehen zwar davon aus, dass sich die Inflationsrate 2022 wieder zwischen zwei und drei Prozent einpendelt. Ob das wirklich so kommt, ist aber ungewiss. Kaum auf dem Schirm haben die Expert:innen allerdings ein weiteres, langfristiges Inflationsrisiko: den Klimawandel.

Die fortschreitende Erderwärmung bedeute „eine akute Gefahr für die Preisstabilität und damit auch für das Kernmandat der Europäischen Zentralbank (EZB)“. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie der Umweltorganisation Greenpeace, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der SOAS University of London. Die Studie analysiert die Folgen von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Dürren und schweren Stürmen auf die Preisentwicklung im Euroraum. Deren Häufigkeit und Schwere hat, bedingt durch den Klimawandel, im letzten Vierteljahrhundert deutlich zugenommen - betrachtet wurden die Extremereignisse in Europa von 1996 bis 2021.

Laut der Analyse lassen sich Einflüsse von Naturkatastrophen auf die Inflation bereits nachweisen. Insgesamt sei der Effekt zwar noch moderat, in bestimmten Sektoren allerdings bereits deutlich nachweisbar. Beispiel sind die Preise von Nahrungsmitteln und Getränken, die etwa aufgrund von Hitzewellen ansteigen.

Die Ökonom:innen warnen, dass sich diese Entwicklung angesichts zunehmender Extremwetter-Ereignisse, mit denen in Zukunft zu rechnen sei, noch verstärken wird. Gleichzeitig sorgten aber auch die Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise wie beispielsweise die CO2-Bepreisung für zusätzlichen Preisdruck.

DIW-Ökonomin Jana Wittich kommentiert: „Die Studie macht klar, dass die klimabedingte Zunahme von verheerenden Extremwetterereignissen wie jüngst im Ahrtal und an der Erft nicht nur Leib und Leben gefährden, sondern auch die Preisstabilität.“

Die Schäden, die durch die Mega-Flut vom Juli verursacht wurden, werden auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Es wird erwartet, dass die zusätzlichen Aufträge für Handwerker und Bauindustrie für den Wiederaufbau einen preistreibenden Effekt haben werden. Die EZB müsse in ihrem ureigenen Interesse an der Dekarbonisierung der Wirtschaft mitwirken, so Wittich, die Co-Autorin der Studie ist.

Die Ökonom:innen halten es für notwendig, dass die EZB ihre geldpolitischen Operationen so ausrichtet, dass sie dem Ziel der Klimaneutralität dienen. Sie schlagen dazu mehrere Schritte vor. So müsse die EZB die Auswirkungen aller geldpolitischen Instrumente auf das Klima bestimmen („Klima-Fußabdruck“).

Zudem müsse sie zukünftig die Klimaschädlichkeit von Unternehmen, deren Anleihen sie kauft oder als Sicherheit akzeptiert, verpflichtend offenlegen. Weiter bedürfe es „neuer Schlüsselprinzipien für die Gestaltung der Geldpolitik, die im Gegensatz zur Marktneutralität mit dem Ziel der Klimaneutralität übereinstimmen“. Außerdem seien aufsichtsrechtliche Vorschriften für Banken im Sinne der Klimaneutralität erforderlich.

Greenpeace-Finanzexperte Mauricio Vargas sagte: „Ökonomische Stabilität kann es ohne ökologische Stabilität nicht geben – das gilt auch für das EZB-Mandat der Preisstabilität“. Wer bei der EZB einen Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und der Wahrung von Preisstabilität vermute, verkenne ökonomische Fakten.

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