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Klimawandel: Die offene Flanke der Banken

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Von: Nina Luttmer

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„Die Erde zuerst“, fordert Greenpeace im vergangenen Jahr bei einer Demonstration vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
„Die Erde zuerst“, fordert Greenpeace im vergangenen Jahr bei einer Demonstration vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. © imago images/Hannes P. Albert

Wie gut sind die Banken auf den Klimawandel vorbereitet? Ein Stresstest der Europäischen Zentralbank will die Frage beantworten. Das Ergebnis: wenig erfreulich.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren ersten Klimastresstest der Banken abgeschlossen. Eines haben die Resultate klar offenbart: Die Wirtschaft insgesamt hat die vergangenen Jahre verschlafen. Nicht nur die Banken, auch alle anderen Unternehmen haben das Thema Klimawandel offenbar beiseite geschoben und weitgehend ignoriert. So schnitten 65 Prozent der überprüften Banken in dem Stresstest, dessen Ergebnisse die EZB am Freitag veröffentlichte, auf einer Notenskala von eins (also quasi sehr gut) bis vier (quasi mangelhaft) mit drei oder vier ab.

An dem Stresstest teilgenommen haben insgesamt 104 von der EZB beaufsichtigte Banken aus dem Euroraum. Sie mussten etwa darlegen, inwiefern sie Klimarisiken schon in ihre Risikosysteme einbeziehen und wie stark sie in Branchen investiert sind, die viel CO2 ausstoßen und daher durch politische Regulierung wohl vor großen Veränderungen stehen dürften.

Zudem mussten 41 Banken durchspielen, was verschiedene Zukunftsszenarien für Auswirkungen auf ihre Kreditbücher haben würden. Ein Szenario etwa beinhaltete die fast komplette klimapolitische Untätigkeit der Regierungen, eine ungebremste Klimaerwärmung und damit einhergehend viele Naturkatastrophen. Ein anderes Szenario dagegen ging davon aus, dass klimapolitische Maßnahmen frühzeitig eingeführt und schrittweise mit Erfolg umgesetzt werden.

Ein wenig erfreuliches Ergebnis des Tests: Nur wenige der 104 überprüften Banken beachten Klimafragen in ihren Risikomodellen - die ja eigentlich wiedergeben sollten, welche Probleme der Bank in Zukunft etwa durch zahlungsunfähige Kunden drohen könnten. Nur 20 Prozent der Institute bewerten Klimafragen als relevanten Faktor, wenn sie Kredite vergeben.

Die Datenlage ist schlecht

Das scheint jedoch nicht nur Fahrlässigkeit der Banken zu sein. In Wirtschaftsunternehmen insgesamt fehlen offenbar Daten über die aus dem Klimawandel entstehenden Risiken für die eigene Bilanz. So machte der Stresstest deutlich, dass nur wenige Banken Informationen darüber haben, wo genau von ihnen finanzierte Firmen ihre Fabriken stehen haben. Das wiederum wäre aber relevant um beurteilen zu können, ob diese sich etwa in einem potenziellen Hochwassergebiet befinden. Die Banken haben auch nur selten Daten, wie CO2-intensiv von ihnen finanzierte Unternehmen arbeiten. Teils mag es das daran liegen, dass die Banken die Daten bei den Kreditnehmern gar nicht abfragen. Teils dürften diese Daten in den Firmen aber auch nicht vorhanden sein - was zeigt: Erst langsam kommen sie in Sachen Klimawandel in die Gänge.

Das dürfte sich ändern - es ist absehbar, dass das Klimabewusstsein einer Firma irgendwann relevant sein wird bei der Entscheidung der Bank, ob sie einen Kredit bekommt oder nicht. Um die Fragen des Klimastresstests zu beantworten, arbeiteten die Banken nun aber vor allem mit Schätzungen.

Eine weitere Erkenntnis der Übung: Fast zwei Drittel (65,2 Prozent) der Erträge der Banken im Geschäft mit nicht-finanziellen Unternehmenskunden stammen aus Branchen, in denen viele Treibhausgase entstehen. Das können zum Beispiel Firmen sein, deren Produktion von fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Erdgas abhängig ist. Zu hoffen ist, dass die Banken künftig stärker die Energiewende finanzieren.

Bei dem Klimastresstest gab es kein „Bestanden“ oder „Durchgefallen“. „Es war eine sehr bedeutende Übung für die Banken und die Aufseher“, sagte der Vizechef der EZB-Bankenaufsicht, Frank Elderson, am Freitag. Er forderte die Geldhäuser auf, ihre Kommunikation und den Datenaustausch mit ihren Unternehmenskunden sowie ihre Risikomodelle zu verbessern.

Zwar müssen Banken, die im Stresstest schlecht abgeschnitten haben - Einzelergebnisse wurden allerdings nicht veröffentlicht - nicht mit unmittelbar daraus folgenden Kapitalzuschlägen rechnen. Die EZB schaut sich aber an, wie gut Banken auf den Test vorbereitet waren, ob sie qualitativ gute Daten lieferten und offen in der Kommunikation sind - und das wiederum könnte sich in der jährlichen Risikoevaluierung und möglichen Kapitalaufschlägen niederschlagen. Zudem ließ Elderson durchblicken, dass dies nicht der letzte Klimastresstest durch die EZB war und künftige durchaus Kapitalzuschläge nach sich ziehen könnten.

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