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Klimawandel: Deutschland heizt wieder stärker ein

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Von: Joachim Wille

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Die Wasserdampfwolke des Kohlekraftwerks Staudinger bei Großkrotzenburg zieht sich bei Sonnenaufgang über die Main-Ebene und die Höhenzüge des Spessarts (im Hintergrund). Der Blick bot sich aus dem rund 20 Kilometer entfernt liegenden Frankfurt.
Die Wasserdampfwolke des Kohlekraftwerks Staudinger bei Großkrotzenburg zieht sich bei Sonnenaufgang über die Main-Ebene und die Höhenzüge des Spessarts (im Hintergrund). Der Blick bot sich aus dem rund 20 Kilometer entfernt liegenden Frankfurt. © Frank Rumpenhorst/dpa

Die Treibhausgasemissionen sind 2021 wieder gestiegen. Es gibt zwei Problemsektoren: Gebäude und Verkehr.

Der Corona-Effekt beim Klimaschutz ist verpufft. Anno 2020 führten die Lockdowns wegen der Pandemie noch dazu, dass Deutschland sein Klimaziel von minus 40 Prozent CO2 im Vergleich zum Basisjahr 1990 sogar übererfüllte. Doch 2021 ging die Emissionskurve wieder rasant nach oben, wie neue Daten des Umweltbundesamts (UBA) zeigen. Der CO2-Ausstoß stieg um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Reduktion gegenüber 1990 betrug damit nur noch 38,7 Prozent.

Nach den am Dienstag vorgelegten vorläufigen Zahlen wurden 2021 rund 762 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt, 33 Millionen Tonnen mehr als 2020. Die im Klimaschutzgesetz festgelegten Sektorenziele wurden von zwei Bereichen nicht erreicht, nämlich Verkehr und Gebäude. Im Gebäudesektor erfolgte die Überschreitung sogar schon zum zweiten Mal, so dass dort besonders stark nachgesteuert werden muss. Die Daten sind noch vorläufig, die endgültigen Werte werden erst zu Beginn des kommenden Jahres veröffentlicht.

Ruf nach Tempolimit

Deutschland strebt bis 2045 Klimaneutralität an und bereits bis 2030 soll der CO2-Ausstoß um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken. Laut UBA-Chef Dirk Messner müssen die Emissionen ab sofort jährlich um sechs Prozent abnehmen, um das zu schaffen.

Messner forderte, es müssten schnell mehr Solar- und Windenergieanlagen gebaut und die Gebäudeheizungen auf Wärmepumpen umgestellt werden. Zudem gelte es, die Wärmesanierung der Häuser voranzubringen. „Wir müssen zusammen alle Kraft darauf verwenden, uns unabhängig zu machen von russischer Energie und um unser Klima zu schützen.“

Der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Patrick Graichen, verwies auf das Ziel der Ampel, einen Turbo beim Ausbau der Ökoenergien einzulegen. „Wir müssen es schaffen, dreimal so viele Kapazitäten wie bisher zu installieren, um den Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung bis 2030 auf 80 Prozent zu steigern“, sagte er. Eine Hängepartie wie in den letzten Jahren dürfe es nicht mehr geben. Der Ukrainekrieg belege zudem die Notwendigkeit, unabhängiger von russischen Gas-, Öl- und Kohleimporten zu werden. Es müsse darum gehen, „jeden Stolperstein auf dem Weg zu mehr Wind- und Sonnenkraft zügig aus dem Weg zu räumen“. Dabei müsse aber die soziale Balance gewahrt werden.

Die Umweltorganisation BUND drang darauf, vor allem die Maßnahmen in den Bereichen Gebäude und Verkehr zu verschärfen. So müsse die Ampel eine umfassende Modernisierung der energetisch schlechtesten Gebäude angehen und die Mobilitätswende einläuten – mit weniger Autos und schnellerem Wechsel zu E-Autos. Als Sofortmaßnahmen forderte der BUND ein Tempolimit 100 auf Autobahnen, autofreie Sonntage und den Stopp von Kurzstreckenflügen.

Der Thinktank Agora Verkehrswende befand, die Regierung dürfe nicht nur auf Fördermaßnahmen wie die E-Auto-Prämie setzen. Es brauche auch ambitionierte CO2-Flottengrenzwerte für Autos auf EU-Ebene ab 2025 und eine Reform der Steuern, Abgaben und Subventionen – von Kfz-Steuer und Dieselprivileg bis Pendlerpauschale und Dienstwagenbesteuerung.

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