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Klimastresstest für die Banken

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Von: Nina Luttmer

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107 Banken im Euroraum müssen sich dem Stresstest stellen.
107 Banken im Euroraum müssen sich dem Stresstest stellen. © Boris Roessler/dpa

107 Geldhäuser müssen der EU-Aufsicht derzeit darlegen, wie gut sie gegen die Erderwärmung gewappnet sind. Die deutschen Institute fordern einen milden Umgang mit den Resultaten.

Derzeit unterzieht die Europäische Zentralbank (EZB) 107 Banken im Euroraum erstmals einem Klimastresstest. Die Ergebnisse sollen am 8. Juli veröffentlicht werden. Nun hat der Bundesverband deutscher Banken (BdB), in dem die privaten Geldhäuser in Deutschland organisiert sind, die EZB eindringlich aufgefordert, aus den Ergebnissen dieses Tests keine Kapitalanforderungen für schlecht abschneidende Institute abzuleiten.

Die Resultate sollten den Banken dazu dienen, zu erkennen, wo sie möglicherweise umsteuern müssten, und neue Impulse zu bekommen, sagte Torsten Jäger, Leiter Nachhaltigkeit beim BdB. „Höhere Kapitalanforderungen würden der Transformation einen Bärendienst erweisen“, betonte er. Denn die Banken bräuchten Spielraum, um den Wandel hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu finanzieren.

Bislang hat die EZB allerdings auch erklärt, dass es sich bei dem Stresstest um eine „learning exercise“ handele, also um eine Art Übung, aus der man weitere Erkenntnisse ziehen will und dass sie keine direkten Kapitalanforderungen nach sich ziehen wird. Offenbar sorgen sich die Banken jedoch, dass dies sich jetzt oder in Zukunft ändern könnte.

Fehlende Daten machen es schwer

Indirekt könnte der Stresstest zudem doch Kapitalaufschläge nach sich ziehen, weiß auch der BdB. Die EZB schaue sich an, wie gut Banken auf den Test vorbereitet seien, ob sie qualitativ gute Daten lieferten und offen in der Kommunikation seien. Das – nicht aber das letztendliche Ergebnis der Klimaprüfung – könne sich in der jährlichen Risikoevaluierung einzelner Banken und möglichen Kapitalaufschlägen niederschlagen, so Jäger.

Die EZB spielt im Stresstest mehrere Szenarien durch. Dabei werden unterschiedliche Maßnahmenpakete seitens der Politik und dementsprechend auch unterschiedlich schwere Verläufe des Klimawandels für die kommenden Jahrzehnte durchgespielt. Die Banken müssen unter anderem ihre Kreditportfolien darauf scannen, wie sich möglicherweise zunehmende Dürren oder Überschwemmungen, ein steigender CO2-Preis, verändertes Konsumentenverhalten, Technologiesprünge im Umweltbereich und ein wegen des Klimawandels beeinträchtigtes Bruttoinlandsprodukt auswirken würden.

Das sei für die Banken teils sehr schwierig, sagte Jäger. So müssten sie beispielsweise wissen, ob ein Firmenkunde eine Betriebsstätte in der Nähe eines in Zukunft hochwassergefährdeten Flusses habe, oder wie viel CO2 ein finanziertes Unternehmen jetzt oder künftig ausstoße. Auch einzelne Banken hatten in den vergangenen Monaten schon erklärt, dass die Beschaffung solcher Daten aufwendig ist und noch am Anfang stehe.

EZB ist unzufrieden

Die EZB wird im Juli keine Einzelergebnisse der Banken veröffentlichen. Es gibt auch keine Bewertung wie „Bestanden“ oder „Durchgefallen“.

Der Vizechef der EZB-Bankenaufsicht, Frank Elderson, hatte erst vor wenigen Tagen seinen Unmut darüber bekundet, wie die Banken bislang mit Klimarisiken umgehen. Die EZB sehe „bei Banken noch immer wenig Fortschritte bei einem aktiveren Management von Klima- und Umweltrisiken“, sagte er. „Selbst Banken, die die große Bedeutung von solchen Risiken anerkennen, haben keine Verfahren gemeldet, um ihr Risikoniveau entweder zu senken oder zu managen.“ Er forderte die Geldhäuser dazu auf, beim Risikomanagement „das volle Spektrum“ der ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente zu nutzen, etwa indem sie ihre Portfolios „strategisch neu ausrichten“ und festlegen, wie groß ihr Risikoappetit mit Blick auf Klima- und Umweltrisiken ist.

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