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Es wird höchste Zeit, was zu tun.

Analyse

Was ist uns der Klimaschutz wert?

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Wer den Kampf gegen die Erderwärmung allein ökonomisch begründet, sieht Mensch und Natur nur als Ressourcen des Wachstums. Mehr ist nicht drin.

CDU-Politiker Wolfgang Schäuble warb kürzlich für eine Reduktion der CO2-Emissionen mit den Worten: „So teuer Klimaschutz auch sein kann, kein Klimaschutz ist immer teurer.“ Jenen, die Klimaschutz für zu kostspielig halten, hielt er also entgegen, dass die Alternative noch kostspieliger wäre. Das mag richtig sein. Allerdings hat die Argumentation mit ökonomischen Kosten ihre Tücken.

Das Kostenargument nachhaltig in der Debatte verankert hat bereits 2007 der Ex-Weltbank-Vizepräsident Nicholas Stern. Laut seinem Stern-Report ist der Klimawandel „das größte Versagen des Marktes, das es je gegeben hat“. Denn mit dem Tempo der globalen Erwärmung nähmen die volkswirtschaftlichen Schäden zu: Steige die globale Durchschnittstemperatur um zwei bis drei Grad Celsius, so könnten bis zu drei Prozent der globalen Produktionsleistung dauerhaft verloren gehen. Bei einer Erwärmung um fünf bis sechs Grad Celsius betrage der Verlust sogar durchschnittlich bis zu zehn Prozent.

Die jährlichen Kosten des nötigen Klimaschutzes lägen dagegen deutlich niedriger. Stern schätzte sie auf etwa ein Prozent des BIP bis 2050. „Dies ist signifikant, steht aber völlig im Einklang mit fortgesetztem Wachstum, im Gegensatz zu einem ungebremsten Klimawandel, der das Wachstum irgendwann erheblich bedrohen wird.“

Natürlich bleibt die Frage, ob sich die Vorhersagen als zutreffend erweisen – schließlich ist es für Ökonomen schon schwierig, das Wirtschaftswachstum im laufenden Quartal zu prognostizieren. Umso schwieriger ist eine Prognose über Jahrzehnte hinweg unter Katastrophenbedingungen. Davon abgesehen jedoch ist die ökonomische Betrachtungsweise bereits folgenreich.

In ihr gilt Naturzerstörung zum einen nicht länger als logisches Ergebnis der betrieblichen Produktion und Kalkulation, sondern als marktwirtschaftlich ineffizient. Unterstellt wird damit, Kapitalismus und Klimaschutz bildeten eigentlich ein harmonisches Ganzes und bedingten einander. Zum anderen bedeutet die ökonomische Betrachtung der Umwelt: Natur und Mensch sind nur schützenswert, weil ihre Zerstörung Kosten verursacht, die dem Wirtschaftswachstum schaden. Daraus folgen drei Bedingungen, wann und inwiefern das Klima überhaupt geschützt wird.

Erstens ist die Reduktion des CO2-Ausstoßes erst dann rational, wenn ihre Kosten unter denen der globalen Erwärmung liegen. Wo Klimaschutz zu teuer ist, unterbleibt er. Zweitens werden nur jene Teile der Natur geschützt, die ökonomisch verwertbar sind und deren Schädigung daher Kosten verursacht. Welche Kosten für den Klimaschutz akzeptabel sind, hängt also vom wirtschaftlichen Wert der durch den Klimawandel bedrohten Menschen, Arten und Ökosysteme ab.

Man kennt das von Unwetterschäden: Große Stürme in armen Ländern verursachen geringere Kosten als kleine Stürme in reichen Ländern, sind ökonomisch also weniger problematisch, obwohl sie mehr Menschenleben fordern. Für all jene, die als schützenswert anerkannt werden, beginnt drittens aber nicht das gute Leben. Denn geschätzt und geschützt werden sie nur als verwertbare Teile belebter Natur. Denn Ziel des Klimaschutzes unter Kostengesichtspunkten ist es lediglich, die Existenz von Mensch und Umwelt als Ressource des Wachstums zu sichern. Mehr ist nicht drin.

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