+
350 Millionen Euro hat Endesa kürzlich in Kohlekraftwerke investiert. Nun werden sie stillgelegt.

Klimaschutz in Spanien

Spanien: Kohle lohnt sich nicht

  • schließen

Klimakonferenz-Gastgeber Spanien kam im Kampf gegen die Treibhausgase jahrelang nicht voran. Warum sich das nun ändert

Wirklich glücklich wirkte José Bogas nicht, als er vergangene Woche die bemerkenswerte Nachricht verkündete: Bis spätestens 2022 machen As Pontes und Litoral dicht, die beiden größten Kohlekraftwerke Spaniens. Das war so nicht vorgesehen. Endesa, Spaniens größter Stromversorger, dem Bogas vorsteht, hatte gerade noch 350 Millionen Euro investiert, um strengere Abgasvorschriften bei der Kohleverfeuerung einzuhalten. Doch im Laufe dieses Jahres hat sich herausgestellt: Strom aus Kohle ist kein lohnendes Geschäft mehr. Endesa wird stattdessen kräftig in erneuerbare Energien investieren, wofür die Aktionäre auf einen Teil ihrer gewohnten Dividende verzichten sollen. Die Zukunft kostet.

Lange herrschte Stillstand

Aus Spanien, dem diesjährigen Gastgeber des seit Montag laufenden UN-Klimagipfels, war in Sachen Klimakampf in letzter Zeit nichts Gutes zu hören. Bis zum Jahr 2013 war der jährliche Ausstoß an Treibhausgasen kontinuierlich um insgesamt mehr als ein Viertel im Vergleich zum Spitzenjahr 2007 zurückgegangen, doch danach herrschte Stillstand, lediglich mit kleineren Ausschlägen nach oben oder unten. Im vergangenen Jahr lagen die Emissionen noch immer leicht über denen von 2013. Spanien war wieder, wie zu Beginn des Jahrtausends, ein klimapolitischer Versager.

Das ändert sich gerade. Es zeigt sich, dass Politik doch etwas bewirken kann. Das war schon während der vorigen Phase abnehmender Treibhausgase so. Ein Teil der Wahrheit ist, dass jener Rückgang mit der schweren Wirtschaftskrise jener Jahre zusammenfiel, der andere Teil der Wahrheit ist, dass die damalige sozialistische Zapatero-Regierung die erneuerbaren Energien förderte. Als Ende 2011 der Konservative Mariano Rajoy an die Regierung kam, strich er alle Subventionen und führte eine „Sonnensteuer“ ein: Wer auf seinem eigenen Dach Solaranlagen installieren wollte, musste eine Abgabe dafür zahlen, dass er im Fall der Fälle immer noch auf Strom aus dem allgemeinen Netz zurückgreifen konnte. Der Bau neuer Windkraft- und Solaranlagen kam fast komplett zum Erliegen.

Seit anderthalb Jahren regiert in Spanien wieder ein Sozialist, Pedro Sánchez. Im Oktober vor einem Jahr schaffte seine Regierung die „Sonnensteuer“ ab, und vor wenigen Tagen setzte sie die von Rajoy gestrichenen Subventionen für ältere Solar- und Windkraftanlagen wieder ein, vornehmlich mit dem Ziel, die internationalen Anleger zu besänftigen, die sich um versprochene Einnahmen geprellt gefühlt und Spanien deswegen verklagt hatten.

Spanischer Strom bald sauber

Nun nimmt der Ausbau der erneuerbaren Energie langsam wieder Fahrt auf: In den ersten zehn Monaten dieses Jahres stieg die installierte Windenergieleistung um knapp 1,2 Gigawatt und die der Sonnenenergie um gut 1,8 Gigawatt, beides seit bald zehn Jahren nicht mehr erreichte Werte. Spanien ist ein dünn besiedeltes Land, in dem ordentlich Wind weht und ordentlich die Sonne scheint, hat also gute Voraussetzungen, seinen Strombedarf aus diesen beiden Quellen decken zu können. Noch ist das südeuropäische Land aber weit weg davon. Der Anteil aller erneuerbarer Energien an der Stromproduktion schwankt seit Jahren zwischen 35 und 40 Prozent, wobei die Schwankungen vom Wetter abhängen: In regenreichen Jahren wie dem vergangenen sorgt die Wasserkraft für einen Schub an erneuerbarer Energie, in regenarmen Jahren wie dem jetzigen werden wieder mehr Öl und Gas verbrannt. Und auch noch Kohle. Aber die immer weniger.

Dass in Spanien der Abschied von der Kohle bald bevorsteht – nach jetzigen Plänen werden auf dem spanischen Festland von zurzeit 15 Kraftwerken nach 2022 nur noch zwei mittelgroße mit einer Gesamtleistung von gut einem Gigawatt in Betrieb bleiben –, ist dem EU-Emissionshandel zu verdanken. Die für den Betrieb der Kraftwerke vorgeschriebenen Emissionszertifikate sind nach kürzlicher Verschärfung der Regeln teuer geworden. Im August 2017 kostete eine Tonne CO2 gut 6 Euro, heute sind es 25 Euro. Weil Kohlekraftwerke besonders viel CO2 ausstoßen – fast dreimal mehr als Gaskraftwerke –, sind sie zumindest in Spanien nicht mehr wettbewerbsfähig. Auch der Kohleabbau ist in Spanien fast zum Erliegen gekommen, nachdem die Regierungen die Subventionen Stück für Stück zurückgefahren haben.

Die Stromproduktion wird in Spanien also eher früher als später sauber sein. Doch um das Ziel der „Klimaneutralität“ bis 2050 zu erreichen, ist auf anderen Feldern in Wirtschaft und Gesellschaft viel zu tun. Ein Viertel aller klimaschädlichen Gase kommen aus den Auspuffen der Autos, 19 Prozent aus Industrieschornsteinen, und erst danach, mit 17 Prozent, aus den Kraftwerken – gefolgt von Landwirtschaft (12 Prozent) und Haushalten und Gewerbe (9 Prozent). Die Energiewende hat gerade erst begonnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare