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Rinn-Steine auf der Frankfurter Zeil: „Wir können nicht alleine die Welt retten, aber wir können unseren Bereich voranbringen.“
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Rinn-Steine auf der Frankfurter Zeil: „Wir können nicht alleine die Welt retten, aber wir können unseren Bereich voranbringen.“

Nachhaltigkeit

Klimaschutz in Beton gegossen

  • Daniel Baumann
    VonDaniel Baumann
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Der hessische Stein-Fabrikant Rinn ist eine der nachhaltigsten Firmen Deutschlands. Die Geschäfte gehen gut.

Strandurlauber kennen sie, Shopping-Verrückte und Blumen-Liebhaber ebenfalls, und auch Bahn-Reisende sind ihnen schon begegnet. Die meisten dürften allerdings kaum einen Gedanken an sie verloren haben, sondern sind einfach über sie hinweggegangen. Denn bei den Produkten, die der hessische Mittelständler Rinn herstellt, handelt es sich um Betonsteine. Sie schmücken die Promenade auf Westerland, die Einkaufsmeile Zeil in Frankfurt, das Gelände der Bundesgartenschau in Potsdam oder auch den Hamburger Hauptbahnhof – und natürlich unzählige Gärten und Häuser im ganzen Land.

Tausende Steine verlassen täglich die Werke in Heuchelheim bei Gießen, in Steinbach im Taunus und in Stadtroda in Thüringen: breite Steine, lange Steine, hohe Steine; Steine in grau, in macchiato oder schwarz; für Terrassen, Treppen oder Fußgängerzonen. Sie werden in großen Maschinen gepresst, getrocknet, geschliffen und schließlich auf Lastwagen geladen und ausgeliefert – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Luxemburg, Belgien, Frankreich oder Kroation.

Über das Steine-Imperium wacht Christian Rinn, ein jovialer Mann, nicht besonders hoch gewachsen, mit breitem Lachen und Halbglatze. Er leitet den Betrieb mit 470 Mitarbeitern gemeinsam mit zwei Geschäftsführer-Kollegen in vierter Generation. Vor 116 Jahren hatte alles mit der Produktion von Rinnen für den Kuhstall begonnen. Seither wurde die Firma immer größer.

Die Geschäfte laufen gut. Die Einnahmen betrugen im vergangenen Jahr rund 70 Millionen Euro, deutlich mehr als noch im Jahr 2000, als 43,4 Millionen Euro in die Kasse kamen. Ein Beweis dafür, dass eine umwelt- und sozialverträgliche Unternehmensführung dem wirtschaftlichen Erfolg nicht im Weg steht.

Denn Rinn gilt als eine der nachhaltigsten Firmen Deutschlands. Beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis kam sie 2015 in der Kategorie der mittelgroßen Unternehmen unter die ersten drei. Darauf ist Christian Rinn stolz. Er spricht mit großer Begeisterung und Überzeugungskraft darüber, welche gesellschaftliche Verantwortung den Unternehmern zukommt und wie er ihr gerecht werden will. Seit 2012 verfolgt der Betonstein-Fabrikant eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie.

„Wir sehen uns in der Verantwortung, nicht auf die Entscheidungen der Politik zu warten“, sagt Rinn. Er will „zeigen, dass es geht, nachhaltig zu wirtschaften“ und fühlt sich „motiviert durch den G7-Gipfel und den Klimagipfel in Paris“. Rinn zitiert einen Satz von US-Präsident Barack Obama, der als einer der zentralen Sätze des Klimagipfels in Erinnerung geblieben ist. „Wir sind die erste Generation, die die Folgen des Klimawandels spürt. Und wir sind die letzte, die etwas dagegen tun kann.“

Etwas dagegen tun. Christian Rinn und seine Kollegen haben sich da einiges einfallen lassen. Seit dem Jahr 2014 ist die Produktion des Unternehmens komplett CO2-neutral. Das ist für die energieintensive Baustoffbranche alles andere als selbstverständlich. Das Unternehmen setzt auf werkseigene Fotovoltaik und Geothermie, auf Wärmerückgewinnung und auf die Kompensation jener CO2-Emissionen, die sich trotz aller Bemühungen nicht verhindern lassen. So hat Rinn in Guatemala und Indonesien freiwillig Emissionsrechte aufgekauft und diese stilllegen lassen.

Der Trinkwasser-Verbrauch wurde in drei Jahren um 40 Prozent verringert. „Unsere Vision ist es, eines Tages auf Frischwasser zu verzichten“, sagt Rinn. Verwendet würde dann nur noch Regenwasser. Auch Baustoffe sollen recycelt werden. Den ersten Schritt hat die Firma in diesem Jahr gemacht. Es hat einen Pflasterstein auf den Markt gebracht, der zu 40 Prozent aus Recycling-Beton besteht. Ebenfalls neu sind sogenannte Hydropor-Steine, die Niederschläge zu 100 Prozent an den Untergrund weitergeben. Damit kann der Versiegelung von Flächen entgegengewirkt werden und der natürliche Wasserkreislauf sowie die Lebensräume von Pflanzen und Tieren können erhalten werden. Die erhöhte Verdunstung von Regenwasser und die geringere Erwärmung verbessern das Kleinklima.

Und die Bemühungen des Unternehmens, um mehr Klimaschutz gehen weiter. „Wir würden gerne noch mehr Dächer mit Fotovoltaik ausrüsten“, sagt Rinns Geschäftsführer-Kollege Alfred Metz. „Aber das ist im Moment ganz unwirtschaftlich geworden.“ Metz spielt auf die Entscheidungen der Bundesregierung an, die die Fotovoltaik weniger attraktiv machen. In diesem Winter wird stattdessen erneut gebohrt, um die Geothermie auszubauen. Bis zum Jahresende soll der Anteil der Erneuerbaren Energien im Betrieb auf 70 bis 75 Prozent steigen, zuletzt war man bei 58 Prozent. Auch beim Warentransport möchte Rinn umweltfreundlicher werden, das fällt dem Unternehmen allerdings schwer, weil entsprechende Lastwagen fehlen. „Da stellt uns die Industrie zu wenig praxistaugliche Fahrzeuge zur Verfügung“, so Metz.

Warum geht die Rechnung bei Rinn auch ökonomisch auf, während andere Unternehmen jeden Versuch, die Lebensgrundlagen der Menschheit zu schützen, als wirtschaftliche Bedrohung empfinden? Christian Rinn hält diese Klagen für „völligen Quatsch“. Es komme aber darauf an, Klimaschutzvorhaben im Unternehmen klug umzusetzen, sie zum Beispiel bei Bauvorhaben mitzudenken. „Wenn sie von vornherein diese Standards einplanen, funktioniert das“, so Rinn. Außerdem müsse sich nicht alles gleich bezahlt machen. Für ein langfristig denkendes Familienunternehmen sei es auch in Ordnung, wenn sich eine Investition erst nach zwanzig bis dreißig Jahren rechne. Manche Maßnahme zahlt sich aber auch schnell aus. „Die Umstellung auf LED-Beleuchtung hat sich binnen zwei Jahren gerechnet.“

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