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Baustelle Batteriefabrik: Tesla will in Grünheide (Brandenburg) Hunderte Jobs schaffen.
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Baustelle Batteriefabrik: Tesla will in Grünheide (Brandenburg) Hunderte Jobs schaffen.

Kosten der Energiewende

Klimaneutral zum Nulltarif?

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Wenn Deutschland bis 2045 klimaneutral werden will, kostet das zwar die gigantische Summe von sechs Billionen Euro an Investitionen. Eine Studie der Unternehmensberatung hält das aber für machbar.

Deutschland peilt die „Netto-Null“ bei den Treibhausgasen bis 2045 an. Die große Koalition zog das Ziel im Juni von 2050 um fünf Jahre nach vorne, nachdem das Bundesverfassungsgericht ihre Klimapolitik als zu schwach abgekanzelt hatte. Eine neue Untersuchung zeigt nun: Die Bundesrepublik kann das ambitionierte Ziel gesamtgesellschaftlich zu Netto-Null-Kosten erreichen. Das heißt: Die Einsparungen etwa durch sinkende fossile Energieimporte können die Kosten der „Dekarbonisierung“ im Gesamtzeitraum bis 2045 ausgleichen.

Die nötigen Investitionen, die die Studie „Net-Zero Deutschland“ der Unternehmensberatung McKinsey für die nächsten 24 Jahre ausweist, sind hoch. Sie belaufen sich auf sechs Billionen Euro, als 6000 Milliarden. Doch diese Summe verliert ihren Schrecken, wenn sie genauer aufgeschlüsselt wird.

Kosteneffiziente Erneuerung

So muss von den sechs Billionen Euro „nur“ eine Billion zusätzlich für „grüne“ Sachgüter aufgebracht werden, etwa wasserstoffbetriebene Industrieanlagen, Elektro-Fahrzeuge und Erneuerbaren-Wärmetechnik. Hinzu kommen fünf Billionen Euro an Ersatzinvestitionen, die für Erneuerung oder Instandhaltung bereits bestehender Infrastrukturen, Anlagen und Gebäude ohnehin aufgewendet werden müssen. Kosteneffizient ist es, wenn das Geld zum Zeitpunkt der ohnehin fälligen Erneuerung in klimaschonendere Güter investiert wird, zum Beispiel in ein E-Fahrzeug statt einen Verbrenner.

McKinsey rechnet vor: Die Gesamtinvestitionen von sechs Billionen Euro entsprechen jährlichen Ausgaben von im Schnitt 240 Milliarden Euro bis 2045 und damit zirka sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Davon entfallen 40 Milliarden Euro pro Jahr auf die zusätzlichen Investitionen, was etwa einem Prozent des BIP entspricht.

Kohle vor Windkraft

Als Energieträger für die Stromproduktion im ersten Halbjahr 2021 hat die Kohle die Windkraft wieder vom ersten Platz verdrängt. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der gesamten in Deutschland erzeugten Strommenge von 258,9 Milliarden Kilowattstunden stammten nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes in diesem Zeitraum aus konventionellen Quellen wie Kohle, Erdgas oder Kernenergie. Das war gut ein Fünftel (20,9 Prozent) mehr als ein Jahr zuvor. Der Anteil erneuerbarer Energien wie Wind, Solarenergie und Biogas sank dagegen zum Vorjahreszeitraum um 11,7 Prozent auf 44 Prozent.

Wegen des windarmen Frühjahrs sei der Anteil der Windenergie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut ein Fünftel (21 Prozent) gesunken, so das Statistische Bundesamt. Dadurch sank der Anteil der Windkraft an der ins Netz eingespeisten Menge von 29,1 Prozent auf 22,1 Prozent. Die Einspeisung von 57,1 Milliarden Kilowattstunden Windstrom war der niedrigste Wert für ein erstes Halbjahr seit 2018.

Gefüllt wurde die Lücke vor allem durch eine höhere Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken. Sie steuerten mit 70,2 Milliarden Kilowattstunden gut ein Drittel (35,5 Prozent) mehr bei als vor Jahresfrist. Kohle machte in den ersten sechs Monaten 27,1 Prozent der eingespeisten Strommenge aus, nach 20,8 Prozent ein Jahr zuvor. Nach Kohle und Windkraft war Erdgas im ersten Halbjahr des laufenden Jahres mit einem Anteil von 14,4 Prozent kurz vor der Kernenergie (12,4 Prozent) der drittwichtigste Energieträger in Deutschland. dpa

Die Ökonomen betonen, dass der ökologische Umbau nun einen Turbo braucht. Voraussetzung sei „der konsequente Umstieg auf grüne Technologien in allen Wirtschaftssektoren und Lebensbereichen sowie schnelles Handeln bereits in den nächsten zehn Jahren“. Das bisherige Tempo beim Klimaschutz – etwa beim Ausbau der Öko-Energien – müsse sich im Vergleich mit den letzten 30 Jahren verdreifachen, in manchen Sektoren sogar verzehnfachen. Allerdings eröffne der Umstieg auf grüne Technologien dann auch neue Märkte und Wachstumschancen.

Durch die Zusatzinvestitionen in neue Technologien können laut der Studie in vielen Bereichen die laufenden Kosten reduziert werden, zum Beispiel die Energiekosten von Gebäuden oder die Kraftstoff- und Wartungskosten bei Fahrzeugen. So brauchen gut gedämmte Häuser weniger Heizenergie, und die Inspektionen von Autos mit E-Motoren sind weniger aufwendig.

Technologieführerschaft in kritischen Exportsektoren

Deutschland kann laut McKinsey durch den grünen Umbau „von einer gestärkten Position als Industriestandort sowie von neu geschaffenen Arbeitsplätzen“ profitieren. McKinsey-Autorin Ruth Heuss sagte bei der Präsentation der Studie: „Gelingt die Transformation rechtzeitig und erfolgreich, kann Deutschland die Technologieführerschaft in kritischen Exportsektoren aufrechterhalten und deren Beitrag zu Beschäftigung und Wohlstand absichern.“

Allerdings wird es eine Verschiebung von Arbeitsplätzen geben, zum Beispiel von fossilen Kraftwerken hin zur Wasserstoffproduktion oder vom Bau von Verbrennungsmotoren zur Batterieproduktion. Unter dem Strich ist laut dem Report allerdings ein Zuwachs an Beschäftigung zu erwarten. Neue Jobs entstehen zum Beispiel im Gebäudesektor durch mehr Hausrenovierungen, die Installation von Wärmepumpen als Ersatz für Öl- und Gasheizungen sowie im Energiesektor durch die Herstellung und Installation von Solar- und Windkraftanlagen.

„Die Klimawende kann gelingen und ist trotz aller Herausforderungen für unsere Industrie eine Wachstumschance“, sagte Heuss weiter. „Die nächsten zehn Jahre sind entscheidend und wir müssen unsere Anstrengungen deutlich beschleunigen, um die Ziele zu erreichen.“ Ihr Kollege Stefan Helmcke ergänzte, alle Unternehmen in Deutschland müssten dazu „Nachhaltigkeit als zentralen Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie begreifen“.

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