+
Jede Ministerin muss mit ihrem Ressort einen Beitrag leisten.

CO2

Klimaneutral bis 2050

  • schließen

EU will CO2-Ausstoß auf Netto-Null reduzieren.

Die Europäische Union strebt bis 2050 „Klimaneutralität“ an, um die Ziele des Pariser Weltklima-Abkommens umzusetzen. Das sieht der letzte Entwurf der Abschlusserklärung des EU-Gipfels in Brüssel vor, der am Donnerstag bekannt wurde. Vor dem Treffen war das Datum, bis zu dem die „Netto-Null“ bei den Emissionen erreicht werden muss, unter den 28 Staaten umstritten gewesen. Zuletzt war die Zustimmung für 2050 allerdings deutlich gewachsen, nur einige osteuropäische Staaten hatten sich quergestellt.

Klimaneutralität bedeutet nicht, dass keine Emissionen mehr ausgestoßen werden dürfen. Der CO2-Ausstoß müsste zwar radikal gesenkt werden. Die nicht vermeidbare Treibhausgase etwa aus der Landwirtschaft oder der Zement-, Eisen-, Stahl- und Chemieproduktion müssen dann aber zusätzlich kompensiert oder „endgelagert“ werden. Möglich ist das zum Beispiel durch Aufforstungsmaßnahmen, die CO2 aus der Atmosphäre holen, oder die Verpressung des bei den Industrieprozessen aufgefangenen Gases in tiefe Erdschichten, die so genannte CCS-Technologie. Das Datum 2050 ist dabei nicht willkürlich gewählt. Der Weltklimarat hat in seinem jüngsten Gutachten festgestellt, dass nur dann noch eine 50:50-Chance besteht, die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen.

Die EU-Gremien sollen laut dem Gipfel-Text eine Entscheidung vorbereiten, „wie ein Übergang zu einer klimaneutralen EU bis 2050 gewährleistet werden kann“. Die dazu nötigen Maßnahmen sollten „gerecht und sozial ausgewogen“ sein, außerdem müsse die europäische Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben – wie auch das Recht der Mitgliedstaaten, über ihren eigenen Energiemix zu entscheiden. Letzteres sollte offenbar den Ost-Ländern, die nur langsam aus der Kohle aussteigen wollen, ihre Zustimmung erleichtern.

Beim letzten offiziellen EU-Gipfel im März im rumänischen Sibiu hatten sich erst acht Länder für die Netto-Null 2050 ausgesprochen, darunter neben Frankreich auch Spanien und Schweden. Bis kurz vor dem aktuellen Treffen unterstützten laut der Umweltorganisation Greenpeace mindestens 22 Mitgliedstaaten dieses Ziel. Die Umweltstiftung WWF hatte Anfang der Woche Polen, Tschechien und Bulgarien als „strikt dagegen“ eingestuft, auch Ungarn und Rumänien waren danach ablehnend, „aber möglicherweise zu einer Vereinbarung bereit“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb in Brüssel für das 2050er Limit, nach dem sie es im März noch abgelehnt hatte, der dafür von Frankreich und den Niederlanden gestarteten Initiative beizutreten. Sie unterstütze das Ziel ausdrücklich, sagte sie nun. Insgesamt hoffe sie, dass beim Klimaschutz ambitionierte Vorgaben Realität werden. Dafür müssten Deutschland und andere Länder zusätzliche Anstrengungen leisten, etwa um die Ziele für 2030 zu erreichen.

Beschlusslage der EU ist es, die Emissionen bis 2030 um 40 Prozent gegenüber 1990 senken. Umweltschützer fordern allerdings, das Ziel auf 60 Prozent hochzuschrauben. Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte in einem kürzlich bekanntgewordenen Brief den Druck auf die EU erhöht, hier ambitionierter zu sein. „Eine Ankündigung, in der die Europäische Union ihre Klimaziele 2030 verschärft, würde ein starkes Signal des Vorangehens im Rahmen des Pariser Weltklima-Abkommens senden“, schrieb er. EU-Klimakommissar Miguel Arias Canete hatte sich in vorigen Jahr für eine Verschärfung ausgesprochen, war damit aber gescheitert – unter anderem am Widerstand Deutschlands.

Greenpeace forderte die EU auf, Klimaneutralität bereits bis 2040 zu erreichen und dazu die Emissionen viel schneller als geplant zu senken. Nur eine solche Strategie entspreche den Vorgaben der Wissenschaft und verhindere eine „ausgewachsene Klimakrise“. Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold, sagte, „ein Wischiwaschi-Ziel zur Klimaneutralität“ sei nicht ausreichend. Für den Klimaschutz brauche es harte und verbindliche Ziele nicht erst für das Jahr 2050.

Keine Festlegung auf neues Klimaziel 2050

Am Donnerstagabend ist die verbindliche Festlegung auf ein neues Klimaziel bis 2050 gescheitert. Das Datum für den Umbau zur „klimaneutralen“ Wirtschaft wurde nach stundenlangen Verhandlungen aus der Gipfelerklärung gestrichen und in eine Fußnote verbannt, wie zwei Diplomaten am Donnerstagabend bestätigten. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare