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Klimafreundlich pendeln: Berliner Denkfabrik zeigt Wege für Verkehrswende auf

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Von: Joachim Wille

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Rund 16 Kilometer pendeln Beschäftigte im Schnitt.
Rund 16 Kilometer pendeln Beschäftigte im Schnitt. © imago images/Jochen Tack

Viele Menschen fahren mit dem Auto zu Arbeit – und die Wege werden länger. Der Thinktank Agora hat einen Plan zum Umsteuern.

Berlin – Viele Deutsche müssen pendeln, um zur Arbeit zu kommen – zumeist mit dem Auto. Daher ist die Verkehrswende ohne Veränderungen beim Berufspendeln nicht zu schaffen. Der Thinktank Agora Verkehrswende hat dafür Vorschläge gemacht, um „Wege aus Spritpreisfalle und Ölabhängigkeit im Berufsverkehr“ aufzuzeigen. Die Bundesregierung müsse umsteuern, statt im Zweifel immer nur die Pendlerpauschale zu erhöhen, fordert die Denkfabrik.

Der Trend in den vergangenen Jahrzehnten belastet Umwelt, Klima, Infrastruktur: Fast 20 Millionen Menschen arbeiten inzwischen hierzulande auswärts – und diese Zahl hat sich seit dem Jahr 2000 um mehr als 30 Prozent erhöht. Die mittlere Pendlerdistanz beträgt inzwischen 16 Kilometer, doppelt so viel wie vor 50 Jahren. Dabei ist der Autoanteil besonders hoch. Im Jahr 2020 nutzten Pendlerinnen und Pendler zu 68 Prozent den Pkw, anno 2019, vor Corona, waren es 63 Prozent gewesen. Dabei fahren sie fast immer allein; im Schnitt sitzen nur 1,075 Personen im Fahrzeug.

Das Pendeln der Zukunft: Infrastruktur verbessern, Recht auf Homeoffice beibehalten

Laut der Agora-Untersuchung müsste die Bundesregierung die Rahmenbedingungen für den Berufsverkehr neu setzen – von einem Recht auf Homeoffice bis zur besseren Planung und Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur. Auf dieser Grundlage könnten Kommunen den Pendelverkehr fairer und klimagerechter gestalten. Der Thinktank betont, es müssten dabei die Alternativen zum Auto gestärkt und „überholte Privilegien des Autoverkehrs“ abgebaut werden.

Dem Bund schlägt die Denkfabrik unter anderem die Einführung einer verursachergerechten Straßennutzungsgebühr vor, um Investitionen in die Straßenerhaltung besser abzusichern und klimaneutrale Mobilität zu finanzieren. Auch brauche es „ein klares Signal für den Ausstieg aus Verbrennerfahrzeugen bis 2035, vor allem durch deutlich schärfere CO2-Flottengrenzwerte ab 2025“. Zudem solle das Verkehrsrecht an Zielen wie Sicherheit und Klimaschutz orientiert werden, damit Kommunen zum Beispiel leichter Tempo 30 anordnen und Parkgebühren erheben können.

Verbesserungen für Pendler:innen – Kommunen müssen Mobilitätsmanagement voranbringen

Zu den Instrumenten, die die Kommunen ergreifen sollten, gehören laut der vom Dortmunder Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) erarbeiteten Studie der Ausbau der Infrastruktur von Bussen und Bahnen, besonders außerhalb der Städte, passgenaue Tarifmodelle in Kooperation mit Arbeitgebern, bessere Bedingungen für den schnellen Radverkehr und eine Stärkung des Mobilitätsmanagements in Kommunen und Betrieben. Parallel müssten Privilegien des Autoverkehrs abgebaut werden, damit Fortschritte bei der Verkehrsverlagerung nicht durch zusätzlichen Pkw-Verkehr aufgehoben würden.

Beispiele hierfür: Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit, Gebühren für die Nutzung von Parkraum und eigene Fahrspuren für Schnellbusse auf den wichtigsten Straßen.

Der Thinktank sieht bei der Ampel-Regierung von SPD, Grünen und FDP durchaus positive Ansätze in dem Bereich, die ausgebaut werden sollten. Er verweist auf die in dieser Legislaturperiode geplante Neuordnung der Entfernungspauschale, mit der die ökologischen und sozialen Belange der Mobilität besser berücksichtigt werden sollen. Das Konzept, ein allgemeines Mobilitätsgeld einzuführen, gehe in die richtige Richtung, weil davon vor allem Haushalte mit niedrigerem Einkommen profitierten. (Joachim Wille)

Transparenzhinweis: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, dass sich die Zahl der Pendler:innen seit dem Jahr 2020 um 30 Prozent erhöht habe. Der Vergleich bezieht sich allerdings auf das Jahr 2000.

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