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Vor allem in Süddeutschland müssen mehr Windräder gebaut werden.
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Vor allem in Süddeutschland müssen mehr Windräder gebaut werden.

Studie

CO2-Emissionen in Deutschland: „2030 nur noch Öko-Energie“

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Ein Thinktank hält eine schnelle Umstellung des Energiesystems in Deutschland für möglich. Um den CO2-Ausstoß zu reduzieren, müssten viele Windräder gebaut werden.

Die Bundesregierung will die „Netto-Null“ beim CO2-Ausstoß bis 2045 erreichen. Vor dem Klima-Urteil des Bundesverfassungsgerichts hatte sie 2050 dafür angepeilt. Verglichen mit solchen Zielmarken erscheint es utopisch, bereits bis 2030 ein Energiesystem aufbauen zu wollen, das zu hundert Prozent mit „Erneuerbaren“ funktioniert. Der Berliner Thinktank „Energy Watch Group“ (EWG) hält das jedoch für nötig – und machbar. Allerdings müsste die Energiewende dafür wirklich einen Turbo bekommen, besonders beim Ausbau der Photovoltaik und von Strom- und Wärmespeichern.

Hintergrund der Studie ist: Deutschland müsste eigentlich schon binnen zehn Jahren klimaneutral sein, um den Paris-Klimavertrag zu erfüllen. Laut dem Umwelt-Sachverständigenrat der Bundesregierung (SRU) verfügte die Bundesrepublik 2020 nur noch über ein Rest-Budget von 6,7 Milliarden Tonnen CO2, das bei einem nicht radikal sinkenden Ausstoß 2030 schon fast aufgebraucht sein würde.

Klimawandel: Mehr Windräder in Bayern

Laut den EWG-Fachleuten müssen für das 2030-Projekt vor allem die Investitionen in Solarenergie, Windkraft, Bioenergien, Geothermie und Wasserkraft sowie in Speicher, Wärmepumpen und elektrische Antriebe im Verkehr hochgefahren werden. Wesentlich sei ein dezentraler Ausbau aller Technologien im ganzen Land, insbesondere auch der Windkraft in den südlichen Bundesländern. Damit könne ein zusätzlicher Ausbau von Stromautobahnen von Nord nach Süd vermieden werden, der lange dauert und sehr teuer ist.

Die Ausbauraten für die Technologien müssen dafür zum Teil um das bis zu zwanzigfache gegenüber dem jetzigen Niveau erhöht werden. Für die Fotovoltaik sieht das Konzept zum Beispiel die jährliche Installation von Anlagen mit 85 Gigawatt (GW) Leistung vor. Zum Vergleich: 2020 wurden gut 4,8 GW neu installiert, das bisherige Maximum war 2012 mit 7,6 GW erreicht worden. Weiter wichtiger Punkt im EWG-Konzept ist eine höhere Energieeffizienz. So wird darin die Wärmesanierung der Häuser stark beschleunigt, die Sanierungsrate steigt von derzeit einem auf sechs Prozent der Bestandsgebäude pro Jahr.

Emissionen: Umbau in kürzester Zeit

Der nun geforderte Umbau erscheine immens, räumt der Thinktank ein. Er sei aber „durchaus machbar“. EWG-Präsident Hans-Josef Fell kommentierte, die nötige Transformation habe einen „Man-to-the-Moon“-Charakter. „Solche exponentiellen Wachstumsgeschwindigkeiten ähneln denen, wie sie in bisherigen Technik-Revolutionen der Weltgeschichte oftmals in nur einer Dekade realisiert wurden: Mondlandung, PC, Internet und Mobilfunk.“ Fell, früherer Grünen-Bundestagsabgeordneter, war einer der „Erfinder“ des 2000 eingeführten EEG-Fördersystems.

Der Thinktank betont, das Energie-Szenario sei „technologisch und ökonomisch umsetzbar“. Die Energiegestehungskosten lägen „auf ähnlichem Niveau“ wie 2018. Sorge vor Blackouts müsse man nicht haben. Das Konzept sichere „volle Bedarfsdeckung auch in winterlichen Dunkelflauten stundengenau“ – also, wenn keine Sonne scheint und wenig Wind weht.

Klimaneutralität: Was in Deutschland möglich ist

Fragen der Akzeptanz des vorgeschlagenen rasanten Zubaus wurden in der Studie nicht behandelt. Es sei zuerst einmal um die technische und ökonomische Realisierbarkeit gegangen, hieß es dazu auf Anfrage.

Bei einer Umsetzung des Konzepts werde Deutschland im Innovationswettbewerb um die Klimaneutralität als Industrieland weltweit führend, so die Fachleute, „noch vor den USA und China“. „Wir können uns angesichts des Klimanotstandes nicht aussuchen, ob wir handeln wollen oder nicht“, sagt der Leitautor der Studie, Thure Traber. Es seien regulatorische, politische und infrastrukturelle Hindernisse, die den zügigen Aufbau eines emissionsfreien Energiesystems in Deutschland verhinderten. Diese könnten beseitigt werden.

Der Thinktank kritisiert, Deutschland habe die in den 2000er Jahren erreichte globalen Technologieführerschaft bei Wind- und Solarenergie durch die politische Vernachlässigung dieser Energieformen im letzten Jahrzehnt verloren. Dadurch seien zusammen rund 140 000 Arbeitsplätze abgebaut worden.

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