In Deutschland sollen mehr Windräder gebaut werden.
+
In Deutschland sollen mehr Windräder gebaut werden.

Klimaschutz

Streit um die Fläche für Windkraft: Klima-Studie zeigt eine Lösung auf

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
    schließen

Erneuerbare Energien sind gut für das Klima, benötigen aber landschaftliche Flächen. Eine Studie zeigt, dass sich der Streit über die Energie aus Windkraft an Land entschärfen lässt.

  • Erneuerbare Energien sind gut für das Klima: Für die Gewinnung braucht es aber mehr Fläche
  • Klimaschutz: Nachhaltigkeitsintitut IASS veröffentlicht Strategien für Ausbau erneuerbarer Energien
  • Der Flächenbedarf für erneuerbare Energien soll begrenzt werden

Die erneuerbaren Energien schützen das Klima, haben aber einen Nachteil: Sie „verbrauchen“ mehr Landschaft als die Nutzung von Kohle, Erdöl und Erdgas. Doch eine kluge Ausbaustrategie kann den Flächenverbrauch halbieren, ohne dass die Kosten dafür über Gebühr ansteigen. Das zeigt eine neue Untersuchung des Potsdamer Nachhaltigkeitsinstituts IASS (Institute for Advanced Sustainability Studies).

Die Windkraft an Land war bisher das Zugpferd der Energiewende, doch der Zubau ist stark eingebrochen – unter anderem wegen Klagen von Bürgern und restriktiven Abstandsregeln zu Siedlungen, wie sie etwa in Bayern und Nordrhein-Westfalen gelten. Kritik gibt es auch an großen Solarstrom-Freiflächenanlagen, die Strom inzwischen ebenfalls sehr billig produzieren. Gegner bemängeln, dass die Böden nicht mehr anderweitig genutzt werden können, und führen ästhetische Aspekte an.

Klima: Energie aus Windparks an Land und Solar-Freiflächen umstritten

Im vorigen Jahr betrug der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch in der EU rund 34,6 Prozent. Um ihn auf 100 Prozent hochzuschrauben, ist laut IASS ausgerechnet eine Kombination der beiden am meisten umstrittenen Anlagenformen – Windparks an Land und Solar-Freiflächenanlagen – die kostengünstigste Option. Um eine Ökovollversorgung zu erreichen, beträgt der Flächenbedarf laut der Studie in diesem Fall 97 000 Quadratkilometer – das entspricht rund zwei Prozent der Gesamtfläche Europas, einer Fläche so groß wie die von Portugal.

Das Nachhaltigkeitsinstitut untersuchte nun, wie die Konflikte entschärft werden können, die wegen der drohenden Veränderung des Landschaftsbildes durch Wind- und Solarparks entstehen. Besonders die Frage, ob und wie die Onshore-Windkraft beim Ausbau ersetzt werden könnte, beschäftigte dabei die Experten.

Klimaschutz und Windkraft: Erneuerbare Energien mit geringem Flächenbedarf

Ergebnis: Der Flächenbedarf des künftigen Ökostromsystems lässt sich auf etwa 48 000 Quadratkilometer begrenzen, etwa ein Prozent der Fläche Europas. Laut der Untersuchung gibt es dafür grundsätzlich drei Möglichkeiten, die auch in Kombination eingesetzt werden können: Offshore-Windkraft, große Solarparks sowie Solaranlagen, die auf Hausdächern installiert werden.

Allerdings hängen die Zusatzkosten davon ab, welche Technologie favorisiert wird. Besonders kosteneffektiv ist laut den IASS-Berechnungen die Windkraft vor den Küsten. Die Mehrkosten betrügen hier nur fünf Prozent gegenüber der günstigsten Variante, so das Institut. Wird der Zubau von Onshore-Windkraft hingegen durch große Solarparks oder Aufdach-Solaranlagen ersetzt, steigen die Mehrkosten auf maximal 20 Prozent. Die Solardachvariante, die am verträglichsten wäre und den Strom besonders verbrauchernah produziert, wäre also die – relativ – teuerste. Studienautor Tim Tröndle kommentiert: „Wir müssen uns als Gesellschaft entscheiden, wie viel uns freie Flächen an Land wert sind.“

Studie zeigt: Erneuerbare Energien mit hoher Akzeptanz

Umfragen zeigen allerdings grundsätzlich eine hohe Akzeptanz für die Umstellung auf Ökoenergien. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov ermittelte im Herbst 2019, dass neun von zehn Bürgern (89 Prozent) eine stärkere Nutzung der erneuerbaren Energien in Deutschland befürworten. Nur sechs Prozent erachteten sie als weniger beziehungsweise überhaupt nicht wichtig.

Interessanterweise kommt dabei auch die Windkraft recht gut weg. In einer Forsa-Befragung aus demselben Jahr bezeichneten 82 Prozent Nutzung und Ausbau der Windenergie als wichtig oder sehr wichtig. Auch bei den Anlagennachbarn ist danach die Akzeptanz groß. 78 Prozent der Befragten, in deren Wohnumfeld sich ein Windrad dreht, sind mit diesem einverstanden. (Von Joachim Wille)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare