+
CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer versucht, die klimapolitische Leerstelle der Union aufzufüllen.

Klimapolitik

Ganz schnell abwracken!

  • schließen

CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer will neue Heizungen subventionieren. Das ist das falsche Signal. Sinnvoller wäre eine Förderung der Gebäudesanierung.

Eine „Abwrackprämie für Öl-Heizungen“ soll kommen. Zumindest wenn es nach CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer geht. „AKK“ versucht, die klimapolitische Leerstelle der Union aufzufüllen – durch diesen Vorschlag und andere, etwa zum massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs und zum Umbau des Energiesteuer-Systems. Nur: Während ein größeres Bus- und Bahn-Angebot sowie eine Orientierung der Energiekosten an der CO2-Intensität der jeweiligen Energieträger nach 30 Jahren Klimadebatte nun wirklich längst überfällig sind, wäre eine Subvention zum Austausch alter Ölheizungen eher kontraproduktiv.

Bei Abwrackprämie denkt man natürlich an die Auto-Abwrackrämie, mit der die Bundesregierung in der Weltwirtschaftskrise nach der Lehman-Pleite 2008 die deutsche Autoindustrie vor dem Absturz bewahrte – mit immerhin 3,5 Milliarden Euro. Alte, noch fahrfähige Autos wurden verschrottet, um den Neuwagen-Absatz anzukurbeln. Industriepolitisch ging das auf, Entlassungen wurden vermieden Für Klima und Umwelt indes brachte es wenig bis nichts. Letzteres war ja auch nicht Sinn der Übung.

Lesen Sie auch:  Toxischer Schnee: Größte Menge Mikroplastik in Bayern gemessen

Die Ölheizungs-Prämie soll nun aber vornehmlich dem Klimaschutz dienen. Auf den ersten Blick scheint da auch was dran zu sein. Rund 5,8 Millionen Gebäude hierzulande werden noch mit Öl beheizt. Tatsächlich sind viele Heizungen im deutschen Kellern überaltert und verbrauchen mehr Energie als nötig. Jede vierte Heizung ist 25 Jahre alt oder noch älter, also längst ein Modernisierungskandidat. Eine neue Anlage würde weniger CO2 ausstoßen. Der Energieverband BDEW gibt die Einsparmöglichkeiten mit 14 bis 30 Millionen Jahrestonnen CO2 an.

Eine Abwrackprämie, die nur den Austausch einer alten Ölheizung gegen eine neue oder den Umstieg auf eine - emissionsärmere - Erdgas-Heizung anreizt und einen Run auf die Subvention auslöst, wäre jedoch das falsche Signal. Knapp drei Millionen der „Öl-Häuser“ können relativ leicht ans Gasnetz angeschlossen werden, da in den Straßen schon Leitungen liegen.

Für die Energiewende im Gebäudesektor gilt aber grundsätzlich: Die Altbauten müssen energetisch so saniert werden, dass sie nahe an den modernen, hocheffizienten Passivhaus-Standard herankommen. Dann aber macht für den Restwärmebedarf eine klassische Öl- oder Gasheizung gar keinen Sinn mehr. Umgekehrt bedeutet das: Wer jetzt neue herkömmliche Kessel subventioniert, erhöht das Risiko, dass die Hausbesitzer die nötige Grundsanierung weiter hinausschieben. Das fossile Heizen wird für weitere 20, 30 Jahre zementiert - viel zu lange.

Auch das Argument, bei einer Umstellung auf Gas sei auch eine Nutzung von Biogas oder synthetischem Ökogas möglich, zieht nur bedingt. Die Mengen dieser Ökoenergien, die für eine breite Umstellung nötig wären, sind auf absehbare Zeit nicht verfügbar, außerdem sind sie deutlich teurer als Erdgas.

Die Abwrackprämien-Idee muss also möglichst schnell selbst abgewrackt werden. Das gesparte Geld sollte der Bund in die steuerliche Förderung der Rundum-Energiesanierung der Gebäude stecken, die Kramp-Karrenbauer - aufgemerkt! - ja ebenfalls in ihrem Klimaprogramm hat. Auf diese zentrale Maßnahme wartet alle Welt seit vielen Jahren. Sie wurde bisher immer von Unions- und SPD-Politikern blockiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare