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Beim Crowdinvesting investieren viele Kleinanleger kleinere Beträge - am Ende entsteht ein größeres Investment.

Crowdinvesting

Kleine Summen für große Projekte

Beim Crowdinvesting finanzieren viele Kleinanleger gemeinsam ein größeres Investment. Das kann riskant sein, aber auch sehr chancenreich.

Von Jörg Wimalasena

Anleihen und das Sparbuch bringen kaum noch Zinsen, Aktien und Fonds gelten als riskant: Ein Grund, warum das so genannte Crowdinvesting immer beliebter wird. Viele Kleinanleger (Crowd bedeutet Menge) investieren kleinere Beträge die gemeinsam ein größeres Investment finanzieren. Das können Anteile an Start-ups, Privatkredite oder auch Immobiliendeals sein. Im Gegensatz zum eher gemeinnützigen Crowdfunding steht beim Crowdinvesting jedoch die Rendite im Vordergrund. In der wachsenden Branche gibt es eine Vielzahl von Anbietern.

Die 2007 gegründete Online-Plattform Auxmoney bietet Kleinanlegern zum Beispiel die Möglichkeit, sich an Privatkrediten zu beteiligen. Meist geht es dabei um Summen von wenigen tausend Euro. Private Kreditnehmer finanzieren mithilfe der Plattform Schnellkredite verschiedenster Art. Die Kreditnehmer der Plattform hoffen auf die Finanzierung von Umzügen oder den Ausbau des eigenen Hauses. Ein Auszubildender möchte seiner Mutter einen Urlaub in Vietnam finanzieren.

Auxmoney überprüft die Kreditwürdigkeit des Antragstellers und vergibt wie eine Rating-Agentur Noten von AA bis E. Entsprechend des Risikos berechnet die Plattform die Rendite für Anleger. Sobald das Angebot online geht können Investoren sich am Kredit beteiligen. Der Mindesteinsatz beträgt 25 Euro. Das Investment erhält der Anleger dann in monatlichen Raten inklusive Zinsertrag zurück.

Das Düsseldorfer Unternehmen verspricht eine transparente Kreditvergabe und will den Banken mit ihrer Strategie das Kreditgeschäft entreißen. Die volle Transparenz betrifft aber auch die Kreditnehmer, deren finanzielle Situation – zwar anonymisiert, aber für jeden sichtbar – auf der Seite zur Schau gestellt wird. Sie laden beispielsweise Familienfotos auf der Plattform hoch und müssen sich in einem öffentlichen Messageboard den Fragen der Anleger stellen. Bei Banken funktioniert die Kreditvergabe diskreter.

Auxmoney gibt auf seiner Homepage eine Kredit-Ausfallquote von drei Prozent an. Zum Vergleich: Die Ausfallquote bei Ratenkrediten von Banken betrug laut Auskunftei Schufa 2015 etwa 2,4 Prozent. Eine Einlagensicherung gibt es beim Crowdinvesting nicht, dafür sind die Renditen höher als bei Anlagen bei Geschäftsbanken. Zudem können Plattformen wie Auxmoney für sich einen gewissen Hippness-Faktor verbuchen: Auf den bunt gestalteten Seiten der Anbieter wirken die Anlageangebote modern und kommen weniger verstaubt daher als die Angebote klassischer Banken. In vielen Fällen können Investoren online nachverfolgen, wie sich ihr Investment entwickelt.

Mit dem Motto „Einfach in Immobilien anlegen“ lockt IFundedInvestoren an. Die Crowd finanziert von IFunded vermittelte Immobilienprojekte mit. Das Berliner Unternehmen setzt nicht auf Masse, sondern bietet Anlegern stets nur eine Handvoll Angebote an. IFunded finanziert Immobilienprojekte nicht allein, sondern übernimmt nur einen kleinen Teil der Finanzierungssumme während ein potenter Investor den Löwenanteil beisteuert.

Ein aktuell ausgeschriebenes Investment betrifft zum Beispiel die Modernisierung eines Mehrfamilienhauses in der Calvinstraße in Berlin-Moabit. Bei einer Mindestanlagesumme von 500 Euro hoffen die IFunded-Macher auf ein Darlehensvolumen von 500 000 Euro. Den Anlegern wird fünf Prozent jährliche Rendite geboten.

Investment in Start-Ups

Allerdings handelt es sich bei der Anlage um ein Nachrangdarlehen. Das heißt: Im Falle einer Insolvenz des Unternehmens steht die Forderung der Anleger hinter anderen Forderungen gegenüber dem Unternehmen zurück. Das Ausfallrisiko bewertet IFunded mithilfe eines standardisierten Verfahrens, bei dem die Höhe des Eigenkapitals des Projektentwicklers berücksichtigt wird. Die Anfang 2015 ins Leben gerufene Plattform hat nach eigenen Angaben drei Projekte finanziert.

Bei Companisto investieren Anleger direkt in Start-ups und Wachstumsunternehmen, eine Mindesthöhe für Investments gibt es auf der Plattform nicht. Die kreditsuchenden Start-ups kommen aus unterschiedlichen Branchen. Der Online-Craft-Bier-Händler Bier Deluxe ist genauso auf der Plattform vertreten wie ein Hersteller von Elektrorollern und ein Bewertungsportal für Strände. Auf die erworbenen Unternehmens-Anteile gibt es einmal jährlich eine Gewinnausschüttung. Die Plattform Companisto erhält davon zehn Prozent.

Allerdings sind auch bei Companisto Investments mit Risiken verbunden. Insgesamt haben in den vergangenen drei Jahren fünf von 38 auf Companisto finanzierten Start-ups Insolvenz angemeldet. Das entspricht etwa 5,5 Prozent des gesamten Investitionsvolumens der Plattform. Im Gegenzug sind aber wegen des oft schnellen Wachstums der kleinen Jungunternehmen auch hohe Gewinne möglich. Die durchschnittliche jährliche Wertsteigerung der Beteiligungen liegt nach Angaben der Plattform bei 8,5 Prozent.

Alle Anlagen des Crowdinvesting haben eines gemeinsam. Die Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers und damit der Verlust des eigenen Geldes ist immer möglich. In hellgrau auf weiß schreibt IFunded in kleinen Lettern unter das Angebot in der Calvinstraße zum Beispiel: „Auch bei einer niedrigen Risikoeinstufung besteht ein Verlustrisiko bis hin zum Totalverlust.“ Nach Angaben des Anbieters gab es aber seit Bestehen der Plattform noch keinen solchen Ausfall. Trotzdem besteht gerade bei Start-ups ein wesentlich größeres Pleite-Risiko als bei etablierten Unternehmen. Das hängt auch damit zusammen, dass Start-ups oft nur auf ein Produkt oder eine Dienstleistung setzen und Verluste deshalb nicht von anderen Unternehmenssparten aufgefangen werden können.

Alles in allem sind Crowdinvesting-Projekte eine interessante Anlage-Alternative. Weil aber ein frühzeitiger Ausstieg nur schwer möglich ist und es auch kein Mitspracherecht für Anleger gibt, droht im schlimmsten Fall der Totalverlust des Kapitals. Interessenten sollten deshalb nur einen geringen Teil ihres Vermögens für Crowdinvestments einsetzen.

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