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150 Kleinanleger fühlen sich vom Verkaufsprospekt der Telekom getäuscht.

Telekom

Kleinanleger prozessieren gegen Telekom

Rund 150 enttäuschte Kleinanleger des Telekom klagen vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt. Sie verlangen zusammen 10 Millionen Euro Schadensersatz für ihre Verluste mit der T-Aktie. In der vorherigen Instanz mussten die Anleger eine Niederlage einstecken.

Von Karin Billanitsch

Vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt hat heute ein neuer Prozess enttäuschter Kleinaktionäre gegen die Deutsche Telekom begonnen. Rund 150 private Investoren verlangen zusammen etwa 10 Millionen Euro Schadensersatz für ihre Verluste mit der T-Aktie. Ihre Klage fußt auf der Begründung, dass sie sich vom Verkaufsprospekt der Telekom getäuscht fühlen. Es geht konkret um den zweiten Börsengang aus dem Jahr 1999.

Ähnlich gelagert war ein Mammut-Prozess, der im Mai vergangenen Jahres nach mehreren Jahren Verhandlungszeit von demselben, für Musterverfahren in kapitalmarktrechtlichen Streitigkeiten zuständigen, OLG-Senat entschieden wurde. Auch damals ging es um den Prospekt zum dritten Börsengang im Jahr 2000, zu dem unter anderem die frühere Telekom-Bosse Ron Sommer sowie Kai-Uwe Ricke als Zeuge vernommen worden war. Bei diesem bisher größten deutschen Anlegerprozess hatten die Kleinanleger indes eine Niederlage erlitten. Der Fall um die dritte Emission T-Aktie liegt nun in Karlsruhe beim Bundesgerichtshof. Die Anlegerkanzlei Tilp hatte den Musterkläger in Frankfurt vertreten. Auch in dem neuen Verfahren vor den Oberlandesgericht Frankfurt vertritt sie den ausgewählten Musterkläger.

Telekom-Konzern zuversichtlich

Während des quälend lange andauernden Prozess haben sich die OLG-Richter bereits intensiv mit allen Facetten des Telekom-Falls beschäftigt und keine ernsthaften Prospektfehler aufgespürt. Der Streit drehte sich zentral um die Frage, ob die Bewertung der Immobilien im Besitz der Telekom korrekt dargestellt wurde. Doch dass mehrere tausend Immobilien nicht einzeln, sondern in einem Pauschalverfahren bewertet wurden, billigten die Richter und auch die Tatsache, dass darauf im Prospekt nicht hingewiesen wurde. Die Telekom verweist auf das erste Urteil und sieht für den heute beginnenden Prozess gute Aussichten: "Wir halten unseren Prospekt für richtig und vollständig", sagt ein Konzernsprecher.

Der Anwalt des Musterklägers, Andreas Tilp, geht davon aus, dass der Fall vor den Bundesgerichtshof gehen wird. Auch wenn es um die selben Dinge gehe, sei die neue Klage formal völlig unabhängig, sagte er der "Computerwoche."

Beim zweiten Börsengang der Deutschen Telekom wurden rund 280,9 Millionen Aktien platziert, die rund 10,6 Milliarden Euro in die Kassen des Bonner Telekommunikationskonzerns spülten. Eine groß angelegte Werbekampagne mit Anzeigen in sieben Sprachen hatte um Kleinanleger für die T-Aktie geworben. Der offizielle Emissionspreis betrug 39,50 Euro. Auf ihren Höhenflügen der New-Economy-Ära stand die T-Aktie im März 2000 bei über 100 Euro. Nach dem Platzen der Internet-Blase in 2001 stürzte die einstige Volksaktie gemeinsam mit der ganzen Branche steil ab und hat sich nicht mehr substanziell erholt. Das war allerdings beim dritten Börsengang im Juni 2000 für tausende Privatanleger noch nicht abzusehen, die für die Aktie einen Ausgabepreis von 66,50 hinblätterten. Heute dümpelt die T-Aktie bei acht Euro.

Musterklagen nicht bewährt

"Mit dem Instrument der Musterklagen hat man damals eine Lex Telekom geschaffen", meint Jürgen Kurz von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Aus seiner Sicht habe sich das Instrument aber nicht bewährt. Sie sei an sehr enge Voraussetzungen gebunden und "greift nur, wenn die Rechtsfrage für alle Kläger identisch ist". In Punkto Schnelligkeit hat das Gesetz dem Anleger nicht gebracht, so Kurz.

Im komplexen Telekom-Fall sei nach Einschätzung des DSW - der nicht bei Telekom-Musterfahren beteiligt ist - die Beweisführung sehr schwer. Daher sei es auch schwer, die Erfolgsaussichten der Verfahren einzuschätzen. Exemplarisch zeige sich aber gerade in den Telekom-Prozessen, dass "der Anlegerschutz in Deutschland noch nicht so weit ist, wie er sein könnte."

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