Screenshot aus einem heimlich aufgenommenen Film von Tierschützern aus einer Legebatterie in der Ukraine.

Interview

„Klassische Käfigeier“

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Der Verbandspräsident der Geflügelwirtschaft Friedrich-Otto Ripke über Hühnerhaltung in Deutschland und warum wir weiter Eier aus Drittstaaten essen.

Friedrich-Otto Ripke (66) ist Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). 

Herr Ripke, Deutschland ist einer der größten Eierproduzenten Europas, hier werden rund 45 Millionen Legehennen gehalten. Dass hier vor zehn Jahren Käfig-Eier verboten wurden, hat der Branche also nicht geschadet, richtig?

Wir stehen gut da, die Erlöse im Vergleich zu anderen Tierarten sind gut. Auch in der Lebensmittelsicherheit, also der Vermeidung von Rückständen und Keimen, sind wir im internationalen Vergleich sehr gut. Eindeutig eine Spitzenposition haben wir in der Nachhaltigkeit beim Futter, bei Energie- und Wasserverbrauch und im Tierschutz. Der Ausstieg aus der Käfighaltung war dabei ein wichtiger Schritt, den wir aus Überzeugung mitgegangen sind.

Deutschland ist heute mit Abstand das EU-Land mit den meisten Hennen in Freiland- und Biohaltung. Ein Grund zur Freude?

Friedrich-Otto Ripke

Die deutschen Eiererzeuger haben sich auf die Nachfrage eingestellt – es gibt hier fast keine Käfighaltung mehr, nur noch sechs Prozent der Tiere stehen im „ausgestalteten Käfig“, der in der EU noch zulässig ist. In Frankreich stehen dagegen 60 Prozent in diesen Käfigen, in Polen und in Spanien bis zu 82 Prozent. Bei uns hat die Umstellung Millionen gekostet. Hinzu kommen die Erhöhung der Transparenz, Auflagen für Emissionen und im Baurecht, das Lohnniveau – in der Summe sind viele Betriebe schwer unter Druck. Vor weiteren Schritten brauchen wir eine Verschnaufpause.

Die Abschaffung der Legebatterie war sicher ein großer Schritt – aber was ist seither im Tierschutz geschehen?

Ein großes Thema ist das Schnabelkürzen, bei der die Schnäbel der Hennen mit Infrarot entschärft werden, damit sie einander weniger verletzen. Aus Tierschutzgründen verzichten die Legehennenhalter in Deutschland auf Grundlage einer freiwilligen Vereinbarung mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft schon seit Anfang 2017 darauf – auch damit gehen wir weltweit voran. Großbritannien plant das erst für 2025, Kanada ab 2030. In den USA fängt die Debatte gerade erst an. Zieljahr für den Ausstieg aus der Käfighaltung ist da 2050.

Gibt es bei Frischeprodukten wie Eiern denn Konkurrenz mit ausländischen Firmen?

Und ob. Bei der Eierproduktion haben wir nur einen Selbstversorgungsgrad von rund 69 Prozent. Wir können die hiesige Nachfrage aus deutscher Produktion gar nicht decken. Und wenn zum Beispiel die Polen geringere Standards haben, auch beim Mindestlohn, können sie uns ihre Billig-Eier auf den Markt drücken. Das sorgt uns – zum einen, weil wir mindestens neun Cent für ein Ei nehmen müssen, um wirtschaftlich zu sein, beim Bio-Ei auch zwölf Cent. In Polen und der Ukraine kostet ein Ei schätzungsweise vier bis sechs Cent. Zum anderen bringt es Nachteile für Tierschutz und Lebensmittelsicherheit. Als 2018 das Insektengift Fipronil in Eiern nachgewiesen wurde, kamen die allesamt aus dem Ausland.

Flüssig-Ei und Ei-Pulver für verarbeitete Produkten wie Gebäck oder Nudeln stammt sogar fast komplett aus dem Ausland. Was bedeutet das?

Ja, dieses Ei stammt aus Drittländern wie der Ukraine und zum Teil auch den USA – und dort sind es dann klassische Käfigeier, wie sie in Deutschland schon jahrelang gar nicht mehr im Einzelhandel gelistet sind und die etliche EU-Standards unterlaufen. Das Problem: Der Verbraucher kann das gar nicht erkennen. Weder beim Keks, noch bei Nudeln oder Gebäck erscheint eine Kennzeichnung der Haltungsform der enthaltenen Eier. Wir möchten, dass Käfigeier immer gekennzeichnet werden, auch in den Produkten – damit die Verbraucher diese Ei-Produkte nach Möglichkeit meiden.

Interview: J. Göbel und S. Geyer

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