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Die Straßen in Deutschland sind derzeit leer, die Parkplätze nicht. Wer im Homeoffice arbeitet braucht den Wagen seltener. 

Weniger Schäden

Kfz-Versicherung profitiert von Corona

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Manche Kunden können womöglich ihre Prämie drücken und auf Rückzahlungen hoffen.

Die Assekuranz zählt in manchen Bereichen zu den Gewinnern der Corona-Krise. Denn durch eingeschränkte Mobilität fallen bei Privathaftpflicht- oder Unfallpolicen aktuell weniger Schäden an. Weil viele Menschen derzeit im Homeoffice arbeiten und ständig zu Hause sind, wird auch weniger eingebrochen, was wiederum Hausratversicherungen entlastet. Besonders spürbar ist der Schadenrückgang in der Kfz-Versicherung, hat das Beratungsunternehmen Meyerthole Siems Kohlruss (MSK) in Köln errechnet. „Bis Ende April konnte die Branche so voraussichtlich mehr als eine Milliarde Euro an Schadensaufwendungen einsparen“, sagt MSK-Versicherungsmathematiker Onnen Siems. Denn die Zahl der Kfz-Unfälle seit dem Einfrieren der Wirtschaft sei um bis zur Hälfte rückläufig.

Wer vom Homeoffice aus arbeitet und nicht mehr pendelt, fährt kaum noch Auto und ist dadurch weniger in Unfälle verwickelt. Die gut eine Milliarde Euro, die MSK für Kfz-Versicherer als Ersparnis errechnet hat, könnte sich im Jahresverlauf sogar noch vervielfachen. Zum einen dürfte es mit Homeoffice vielfach noch eine Weile weitergehen. Zudem dürften dieses Jahr auch Urlaubsreisen mit dem Auto ausfallen.

Schon die jetzige Schadensminderung ist eine spürbare Entlastung für die Konzerne. Denn zuletzt haben die rund 90 in Deutschland aktiven Kfz-Versicherer nach Daten des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft pro Jahr Leistungen im Umfang von rund 24 Milliarden Euro für ihre Kunden erbracht. Schon jetzt mehr als eine Milliarde Euro weniger Schadensaufwand ist mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Von dieser Entwicklung können auch Versicherte profitieren, wenn sie bei der richtigen Gesellschaft versichert sind.

Ansatzpunkt ist das Versicherungskriterium Fahrleistung. „Kunden, die Corona-bedingt in diesem Jahr deutlich weniger als geplant fahren, erhalten bei der Allianz am Ende ihres Versicherungsjahres Geld zurück“, verspricht zum Beispiel der Chef der deutschen Allianz Versicherungs-AG, Frank Sommerfeld. Das geschieht automatisch, wenn der Konzern die tatsächlich im Jahr gefahrenen Kilometer turnusmäßig abfragt. Wer selbst aktiv wird, und jetzt eine voraussichtlich geringere Fahrleistung meldet, erhält sofort Geld zurück. Wenn jemand beispielsweise von 10 000 Jahreskilometern auf nur noch 8000 Kilometer reduziert, erhalte im Schnitt 50 Euro zurück, rechnet die Allianz vor.

Ähnlich funktioniert das auch beim heimischen Marktführer für Kfz-Policen Huk Coburg. Eigentlich wäre es gängig, dass Fahrleistungen erst für kommende Jahre nach unten angepasst werden können, erklärt MSK-Berater Jörg Vogelsang. „Doch unter Corona scheinen einige Versicherer dies auch rückwirkend für 2020 zu ermöglichen.“ Dazu kommen Kfz-Versicherer wie Friday, deren Tarife grundsätzlich nach gefahrenen Kilometern abgerechnet werden. Friday schätzt, dass seine Kfz-Kunden Ende 2020 im Schnitt acht Prozent ihres Jahresbeitrags zurückerstattet bekommen.

Unterjährige Korrekturen, die bei geminderten Fahrleistungen sofort Rückzahlungen auslösen, bieten aber nicht alle Konzerne an. So weit wie Huk geht zudem bislang keiner. Denn die Coburger stellen über Kilometer-Fahrleistungen hinaus freiwillige Rückzahlungen in Aussicht. Nur die Höhe ist noch offen. „Das Versprechen, dass wir unsere Mitglieder und Kunden finanziell an einer möglichen Kostenersparnis teilhaben lassen, die uns als Unternehmen durch weniger Schäden entsteht, geben wir aber bereits jetzt“, sagt Huk-Chef Klaus-Jürgen Heitmann.

Noch unklar ist die Höhe der Rückzahlung, weil auch auf der Straße geparkte Autos bei Versicherern spürbaren Schadensaufwand verursachen können, etwa bei Unwettern. Deshalb wird erst am Jahresende klar sein, wie viel Geld Huk dieses Jahr wirklich gespart hat und welche Rückzahlung an Kunden das auslöst.

In den USA haben mehrere Kfz-Versicherer wie Geico oder Allstate ihre Kundschaft schon entsprechend beglückt. In der Summe seien so bislang branchenweit Rückzahlungen über mehrere Milliarden Dollar geflossen und damit im Schnitt 100 bis 200 Dollar je Versichertem, sagt ein Branchenkenner. „In Deutschland hält sich die Branche da überwiegend zurück“, kritisiert er.

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