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Kfz-Versicherungen während Corona: Bei Stillstand Geld zurück

  • vonMechthild Henneke
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Die Kfz-Versicherungen reagieren auf coronabedingte Veränderungen: Sie belohnen Kundinnen und Kunden, um sie von einem Anbieterwechsel abzuhalten.

  • Für einen Kfz-Versicherungswechsel müssen laufende Verträge bis Ende November gekündigt werden.
  • Expert:innen raten bei einem Wechsel, sowohl Preis als auch Leistungen der Versicherungen im Blick zu haben.
  • Aufgrund der Corona-Pandemie haben viele Anbieter die Tarife für eine Autoversicherung gesenkt.

Frankfurt - Für Autobesitzer:innen ist der November ein besonderer Monat: Bis zum 30. des Monats muss der laufende Versicherungsvertrag gekündigt werden, um zu wechseln. In diesem Jahr könnte sich der Abschluss eines neuen Vertrags besonders lohnen. Einige Versicherer haben ihre Tarife gesenkt, weil wegen Corona weniger Kilometer gefahren werden und somit weniger Unfälle passieren. Beim Vergleichen der Tarife sollte man aber nicht nur auf den Preis zu achten, sondern auch auf die Leistungen. Die Frankfurter Rundschau erklärt, was Versicherungen als Minimum bieten sollten.

Die Gretchenfrage bei Kfz-Versicherungen: Voll- oder Teilkasko?

Höchstdeckungssumme: Die Haftpflichtversicherung kommt für die Schäden auf, die Autofahrerinnen und -fahrer anderen etwa durch einen Unfall zufügen. In der aktuellen Ausgabe von Finanztest raten die Experten:innen zu Höchstdeckungssummen von mindestens 100 Millionen Euro und 15 Millionen Euro pro geschädigter Person. Das klinge nach viel, und solche extrem teuren Unfälle seien auch sehr selten. Vorgeschrieben sei für Sachschäden nur eine Summe von 1,22 Millionen Euro. Aber jeder Cent, den die Unfallkosten darüber liegen, zahlten die Versicherten ansonsten selbst. Zusätzlich raten die Finanzexpert:innen zu einer sogenannten „Mallorca-Police“. Diese Erweiterung der Haftpflicht schützt, wenn Kundinnen und Kunden einen Mietwagen im Ausland steuern.

Voll- oder Teilkaskoversicherung: Was eine Kaskoversicherung kostet, ist individuell unterschiedlich und hängt von den persönlichen Umständen wie Alter, Wohnort und vom Fahrzeug ab. Finanztest nennt knapp 90 Euro im Jahr für eine Teilkasko als Durchschnittswert und rund 330 für die Vollkasko. Letztere ist eher bei neuen oder teuren gebrauchten Autos ratsam.

Die Finanzexpert:innen raten, bei Kaskoversicherungen darauf zu achten, das folgende Punkte enthalten sind: So sollte der Tarif den „Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit“ erklären. Fehlt der, kann die Versicherung die Zahlung kürzen, wenn der Verursacher grob fahrlässig gehandelt hat, etwa eine rote Ampel übersehen hat. Gut ist es, wenn Kaskoversicherungen anstelle des Zeitwertes den Neupreis eines Autos erstatten. Das gelte oftmals allerdings nur für die ersten sechs Monate. Manche Versicherungen bieten es aber bis zu drei Jahren an. Selbstbehalte können je nach Höhe die Versicherungsprämie deutlich senken. Laut ADAC liegt die Selbstbeteiligung im Schadensfall bei der Vollkasko bei rund 300 Euro und bei der Teilkasko bei etwa 150 Euro.

Der November ist ein besonderer Monat für Autofahrer:innen: Bis zum 30. des Monats muss der laufende Versicherungsvertrag gekündigt werden, um zu wechseln.

Corona wirkt sich auf Kfz-Versicherungen aus: Viele Autos standen still

Unwetterschäden und Marderangriffe: Die Teilkaskoversicherung kommt für die Schäden auf, wenn in das Auto eingebrochen oder es gestohlen wurde. Ferner sind Glasbruch aber auch diverse Unwetterschäden und Brand inbegriffen. Bei Marderbissen und Wildunfällen greift sie ebenfalls. Hier sollten die Versicherten darauf achten, dass nicht nur Haarwild wie Rehe oder Wildschweine im Vertrag stehen. Entweder „alle Tiere“ oder zumindest alle „Wirbeltiere“ sollte die Police abdecken. Bei Marderbissen sind besser auch Folgeschäden mit einem Minimum von 5000 Euro inbegriffen.

Gefahrene Kilometer: Corona führte zum Stillstand bei vielen Fahrzeugen. Im Mai ging die Zahl der beruflich zurückgelegten Wege um die Hälfte zurück, hat Finanztip.de berechnet. Auch die privaten Fahrten, etwa zum Einkauf oder zu Freizeiteinrichtungen, nahmen ab. Das macht sich auch in der Schadensbilanz der Versicherungen bemerkbar.

Manche Versicherungen wollen Ersparnisse an treue Kund:innen weitergeben

Die HUK Coburg, der größte Autoversicherer in Deutschland, erwartet für das gesamte Jahr 2020 einen Rückgang der Zahl an gemeldeten Schäden um fünf Prozent. Die HUK hat angekündigt, dass sie die Ersparnisse an die Kundinnen und Kunden weitergeben will – wenn sie ihr dafür die Treue halten. Auch die Allianz und Ergo wollen Beiträge erstatten, schreibt Finanztip.de. Andere Versicherungen wie die Hanse Merkur oder die Württembergische reagierten erst, wenn Kund:innen auf die Versicherung zugingen und eine Erstattung forderten.

Finanztip-Chef Hermann Tenhagen rät dazu, den aktuellen Kilometerstand aufzuschreiben, an die Versicherung zu senden und dabei auch um eine Empfangsbestätigung zu bitten. Steigt die Fahrleistung wieder an, müssen Verbraucher der Versicherung das aber mitteilen. Wird dies versäumt, könnte die Police im Nachhinein teurer werden, weiß Finanztip.

Versicherungsprämien: Manche Anbieter belohnen eine sichere Fahrweise

Sicheres Fahren: Eine umsichtige Fahrweise wird belohnt – wenn man sich auf eine entsprechende Dokumentation via App einlässt. Laut ADAC könnten Fahrer:innen hierbei bis zu 30 Prozent der Versicherungsprämie einsparen. Es spielt auch eine Rolle wie groß der Fahrerkreis ist. Günstiger wird es, wenn nur eine Person oder zusätzlich eine zweite Person das Auto fährt.

Versicherungswechsel: Vergleichsportale helfen, die Angebote schnell und übersichtlich zu vergleichen. Doch rät der Automobilclub von Deutschland (AvD), dass Wechselwillige mindestens zwei Portale nutzen sollten. Denn nicht immer würden die günstigsten Angebote angezeigt. Der Grund sind Vermittlungsprovisionen mancher Versicherungen für die Portale. Günstigere Angebote tauchen dann gar nicht auf.

Kfz-Versicherungen: Was beim Vergleichen wichtig ist

Wer die Konditionen bei mehreren Portalen checkt, sollte jeweils die identischen Angaben zu Fahrzeug und Versicherungsumfang eingeben. Wichtig ist der Blick auf den Leistungsumfang. Hierbei werden nämlich oft Abstriche gemacht, um günstigere Beiträge anbieten zu können.

Ist die Entscheidung für eine neue Kfz-Versicherung gefallen, kontaktieren Kund:innen vor dem Wechsel am besten noch einmal den aktuellen Versicherer und fragt nach dessen Angebot. Wer dann tatsächlich wechseln will, kann das bequem bei dem Portal tun, das das günstigste Angebot angezeigt hat.

Der neue Versicherer kann Kund:innen ebenfalls dabei helfen, den Wechsel abzuwickeln – per Telefon oder über die Homepage. Ist der neue Versicherungsvertrag unterschrieben und liegt die Police vor, ist der Wechsel erfolgt. Der neue Auto-Versicherer benachrichtigt die Zulassungsstelle. (Mechthild Henneke)

Rubriklistenbild: © Cosmosdirekt/dpa

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