Nicht nur Reisebüros stehen kurz vor der Pleite. Imago Images
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Nicht nur Reisebüros stehen kurz vor der Pleite. 

Hilfen

Run auf KfW-Kredite

Unternehmen hoffen auf staatliche Rettung durch die KfW-Hilfskredite. Banken und Sparkassen prüfen die Anträge.

Der Zeitdruck ist gewaltig: Die ersten KfW-Hilfskredite sind bereits in der ersten Woche des staatlichen Sonderprogramms ausgezahlt worden. Banken und Sparkassen werden geradezu überrannt von Anfragen – und sie versichern unisono: Wir tun alles, um kleinen wie großen Firmen in der Corona-Krise rasch zu helfen.

Bis Mittwochabend lagen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 195 Anträge über insgesamt 4,8 Milliarden Euro vor. „Wir erhalten Kreditanträge über alle Größenklassen verteilt, der Schwerpunkt liegt jedoch bei kleinvolumigeren Kreditanträgen bis eine Million Euro“, sagte eine KfW-Sprecherin in Frankfurt. „Die KfW ist darauf vorbereitet, auch hohe Stückzahlen von Krediten zu bearbeiten.“ KfW-Chef Günther Bräunig sagte dem „Handelsblatt“ (Freitag), er stelle sich auf bis zu 100 000 Anträge ein.

Besonders kleine Betriebe bangen um ihre Existenz. Infolge der Corona-Krise sind Aufträge und Umsätze binnen kürzester Zeit weggebrochen, Kosten wie Mieten und Strom aber müssen weiterhin bezahlt werden. Auch ganze Branchen wie Luftfahrt und Automobilindustrie trifft es hart. Seit dem 23. März können Firmen Mittel aus dem KfW-Sonderprogramm bei ihrer Hausbank beantragen. Die KfW agiert als öffentliche Hand und übernimmt den Großteil des Risikos für den Fall, dass Unternehmer das Geld nicht zurückzahlen können.

Bei Betriebsmittelkrediten und Investitionen kleiner und mittlerer Unternehmen trägt die KfW 90 Prozent des Kreditrisikos. Bei größeren Firmen sind es 80 Prozent. Für Kredite bis drei Millionen Euro pro Unternehmen verzichtet die Bank auf eine eigene Risikoprüfung. Bei Summen bis zehn Millionen Euro gibt es eine vereinfachte Prüfung. Die Zinsen liegen je nach Größe des Unternehmens zwischen 1 und 2,12 Prozent bei Krediten mit fünf Jahren Laufzeit.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte unbürokratische Bearbeitung zugesichert: „Die Auszahlung erfolgt schnellstmöglich, denn wir wissen, dass für viele Unternehmen jede Woche zählt.“ Unter anderem DIHK-Präsident Eric Schweitzer hatte zur Eile gemahnt: „Die Nerven vieler Unternehmer liegen blank, denn sie haben bereits einige Wochen Durststrecke hinter sich.“

Die Kreditwirtschaft ist bemüht, die Flut der Anträge schnell abzuarbeiten – allerdings betonen Banken und Sparkassen auch, Kreditanträge würden weiterhin sorgfältig geprüft. Banken müssten „die Risiken weiter im Blick behalten“, sagte etwa Stefan Bender, Leiter Unternehmensbank Deutschland der Deutschen Bank. Die Dauer der Prüfung hänge von den jeweiligen Kunden ab. „Und klar ist auch: Wenn der Kunde schon vor der Corona-Krise massive Probleme hatte, sein Geschäft fortzuführen, bekommt er möglicherweise keinen Förderkredit.“ Bei Deutschlands größtem Geldhaus seien in den ersten drei Tage mehr als 10 000 Kundenanfragen eingegangen. „Auch wir haben unsere Prozesse deutlich vereinfacht und konnten schon in den ersten Stunden Kreditzusagen geben“, sagte Bender.

Auch die Commerzbank bemüht sich um Tempo, verweist aber ebenfalls auf die Notwendigkeit einer genauen Prüfung der Anträge. „Die 90-prozentige Haftungsübernahme des Staates hilft natürlich bei der Bewilligung von Krediten, aber sie ersetzt nicht die individuelle Risikoprüfung“, sagte der Firmenkundenchef des Instituts, Roland Boekhout. „Eine Komplettübernahme der Haftung würde den Prozess natürlich noch beschleunigen.“

KfW-Chef Bräunig betonte indes, die bislang vorgesehene Mithaftung der Banken solle beibehalten werden. „Ich halte es für wichtig, dass bei den Banken eine Mithaftung von 10 beziehungsweise 20 Prozent verbleibt. Das erscheint mir die entscheidende Mindestgrenze zu sein“, sagte er dem „Handelsblatt“. Aus der Wirtschaft waren Forderungen laut geworden, die Bundesregierung solle die Hilfskredite zu 100 Prozent absichern, um das Geld so noch schneller an die Firmen zu bringen. Die Banken selbst betonten zuletzt immer wieder, sie sähen sich - anders als in der Finanzkrise 2008/2009 – als Teil der Lösung. dpa

Zur Sache: Hilfskredite

Das erste Geld aus dem milliardenschweren Hilfspaket soll vom 1. April an bei den Betroffenen ankommen.

Krankenhäuser: Die Hilfe soll für neue Intensivbetten mit künstlicher Beatmung und verschobene Operationen bezahlen. Zudem darf der Bund Maßnahmen zur Beschaffung von Schutzausrüstung ergreifen.

Mieterinnen und Mieter: Kündigungsschutz für Mieter, die wegen der Krise ihre Miete nicht zahlen können

Familien: Hartz IV und Kinderzuschlag sollen einfacher fließen. Eltern, die ihre Kinder wegen geschlossener Kitas und Schulen betreuen müssen, können vom Staat für zunächst sechs Wochen 67 Prozent des Lohns erhalten.

Das Paket wird mehr als 122 Milliarden Euro kosten. Aufgrund von 33,5 Milliarden weniger Steuern, rechnet Olaf Scholz (SPD) mit einer Neuverschuldung von 156 Milliarden Euro. dpa

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