Kommentar

Keine Träne

  • schließen

Zerschlagung - das ist kein schönes Wort. Es weckt böse Assoziationen. Das klingt nach Tod und Teufel, nach Verderben und verbrannter Erde. Doch bei Arcandor liegt der Fall anders. Von Frank-Thomas Wenzel

Jetzt hat´s endlich auch der Vorstandschef von Arcandor ausgesprochen. Karl-Gerhard Eick sieht keine Chance mehr, den Konzern als Ganzen zu erhalten. Das war Branchenkennern schon lange klar, spätestens als Eick die Insolvenz der Gruppe erklären musste. Doch warum warf sich der Manager noch unmittelbar nach dem Gang zum Amtsgericht für die Integrität des unternehmerischen Gebildes mit dem merkwürdigen Kunstnamen ins Zeug?

Das lässt sich als ein letzter verzweifelter Versuch lesen, die Investments der Großaktionäre um die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz und die Eigentümer der Bank Sal. Oppenheim zu retten. Womöglich wollte Eick gewissermaßen nebenbei schon mal die Verhandlungungsposition gegenüber Interessenten für Teile des Konzerns stärken. Immerhin will die Otto-Gruppe gerne die Sporthäuser übernehmen, der Metro-Konzern bemüht sich heftig um die Karstadt-Warenhäuser.

Zerschlagung - das ist kein schönes Wort. Es weckt böse Assoziationen. Das klingt nach Tod und Teufel, nach Verderben und verbrannter Erde.

Doch bei Arcandor liegt der Fall anders. Die Vor-Vorgänger von Eick haben ein Konglomerat nach dem Schnäppchenprinzip zusammengekauft. Firmen, die vermeintlich billig zu haben waren, von Investmentbankern als Sonderangebot offeriert wurden und irgendwas mit Einkaufen zu tun hatten, wurden erworben.

Es gelang nie, die Teile miteinander zu verzahnen. Ein echtes Zusammenspiel von TV-Shopping, Warenhausgeschäft und Versandhandel wurde vom Management nie ernsthaft angegangen. Im Idealfall hätte sich daraus auch ein neues Konzept für die Kaufhäuser, das größte Sorgenkind des Konzerns, entwickeln können.

Zerschlagung bedeutet Abbau von Arbeitsplätzen. Das ist bitter, aber nur ein Teil der Wahrheit. Denn auch ein kompletter Erhalt des Konzerns hätte Stellenstreichungen der heftigen Art bedeutet. Und für alle, die bleiben dürfen, können sich sogar neue Chancen auftun, wenn sie künftig Beschäftigte etwa der grundsoliden Otto-Group sind. Arcandor jedenfalls braucht man keine Träne hinterher zu weinen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare