+
Playmobil will in China mitspielen.

Spielwarenmesse

Keine Rezession im Kinderzimmer

Die Spielwarenbranche wächst - wenn auch vor allem durch Exporte. Zur Nürnberger Messe herrscht Zuversicht. Aus China kommen weniger Aussteller.Von Thomas Magenheim

München. Die Spielwarenbranche atmet ungeachtet der Rezession hörbar auf. Der beste Endspurt aller Zeiten hat ihr voriges Jahr nicht nur das Weihnachtsgeschäft sondern das gesamte Jahr gerettet. "So einen Dezember haben wir noch nicht gehabt", sagt Werner Lenzner vom Nürnberger Marktforschungsinstitut Eurotoys vor der diesjährigen Spielwarenmesse. Sechs Prozent mehr Umsatz habe der Schlussmonat gebracht, womit klar geworden sei, dass die Branche krisenresistent ist. Im Gesamtjahr stiegen die Umsätze mit Spielwaren hierzulande um ein Prozent auf 2,3 Milliarden Euro.

Ausverkauft und optimistisch präsentiert sich auch die Nürnberger Messe als Zugpferd der Branche. 2689 (Vorjahr 2676) Aussteller seien es diesmal, sagt Messechef Ernst Kick. Mehr passe nicht in die Hallen. Bei Anbietern aus China, die den globalen Spielzeugmarkt zu drei Vierteln dominieren, hat er aber einen Schwund ausgemacht. Mit 221 Firmen kommen von dort ein Fünftel weniger Aussteller.

Peking ist nicht zimperlich

Das hängt mit dem Ringen um mehr Produktsicherheit zusammen, nachdem gerade gefährliche Ware aus China zuletzt für spektakuläre Rückrufaktionen gesorgt hatte. Peking regierte nicht zimperlich. Von einmal 8000 chinesischen Spielwarenfabriken gibt es heute nur noch die Hälfte. Der Rest sei pleite gegangen oder habe von den chinesischen Machthabern keine Exportlizenz mehr bekommen, um den Ruf des Landes zu schützen, weiß Kick. Lieferprobleme erwarten die westlichen Markenfirmen gleichwohl nicht.

Experten wie Lenzner sehen in China und auch Indien sogar die Absatzmärkte der Zukunft auch für die Spielwarenindustrie. In beiden Ländern leben die Hälfte aller Kinder weltweit. Der Freunde über ein hierzulande einprozentiges Marktwachstum steht im weltweiten Maßstab 2008 ein Plus von über fünf Prozent auf 75,7 Milliarden Dollar gegenüber, was den Exporte zur eigentlich treibenden Kraft macht.

Vor allem Osteuropa sei für die heimische Marken lohnend, aber auch Russland und perspektivisch natürlich China und Indien, sagt Lenzner. Am Heimatmarkt sei mehr als ein Verteidigen des Besitzstandes gegen die Konkurrenz der elektronischen Revolution kaum drin.

Playmobil spielt in China mit

Das hat auch Playmobil als in Deutschland erfolgreichste Spielwarenmarke erkannt. Zwar seien 2008 die Umsätze zum achten Mal in Folge gewachsen, verrät Geschäftsführerin Andrea Schauer. Das achtprozentige Plus auf eine halbe Milliarde Euro ging aber nur auf Auslandsgeschäfte zurück. In Deutschland habe Playmobil vier Prozent Umsatz eingebüßt, sei mit 8,6 Prozent Marktanteil hinter Lego aber weiter die zweitstärkste Marke am Markt.

Ein Umsatzplus von 14 Prozent jenseits der deutschen Grenzen sorgten für mehr als eine Kompensation. Die Zirndorfer Firma von Alleinunternehmer Horst Brandstätter folgt Lenzners Anregung schon heute und will mit ihren kleinen Figuren Schritt für Schritt China erobern. In den großen Zentren sei man bereits präsent. Bis nennenswerte Umsätze kommen, werde es noch fünf bis sechs Jahre dauern, schätzt Schauer.

Ausgerechnet China aus dem fränkischen Playmobil-Werk mit Spielwaren zu beliefern und damit gegen die Lieferströme der Branche zu schwimmen, hält sie aber grundsätzlich für eine erfolgversprechende Strategie. Der Rezession soll Playmobil 2009 ohnehin wieder mit Zuwächsen trotzen. Für die Branche teilt Lenzner den Optimismus.

Kanzlerin eröffnet die Messe

Die Spielwarenmesse beginnt kommenden Mittwoch mit der Neuheitenschau. Abends eröffnet Bundeskanzlerin Angela Merkel die reine Fachveranstaltung. Während der sechs Messetage sollen 80 000 Besucher kommen. Gezeigt werden insgesamt eine Million Produkte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare