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Ein Roboter baut eine Batterie in einen Mercedes-Benz ein. Digitale Helfer wie Roboter und Drohnen werden zunehmend in der Logistik- und der Autobranche eingesetzt.

Digitalisierung

Keine Logistik ohne Drohnen

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Versandhandel und Speditionen werden in Zukunft nicht mehr ohne moderne Informationstechnik auskommen. Prozesse von Anfang bis Ende zu digitalisieren, wird allerdings schwierig.

Das mit der Inventur im Lagerhaus erledigen die Drohnen in Eigenregie. Transport-Roboter stellen für den Versandhändler die Sendungen zusammen und verpacken sie. Motorhauben von Autos tauschen mit Achsen und Windschutzscheiben permanent Daten aus, um zu entscheiden, in welcher Fabrik sie sich treffen, um zu einem Auto zusammengebaut zu werden.

So sieht die Logistik der Zukunft aus. Science-Fiction? Nein, meint Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Hightech-Verbandes Bitkom. „In den kommenden Jahren werden wir in der Logistik geradezu revolutionäre Veränderungen durch die Digitalisierung erleben.“ 

Was einst durch viele Hände ging, um es von einem Ort zum anderen zu bringen, und mit viel Papier und vielen Stempeln organisiert und bescheinigt werden musste, soll künftig wie von Zauberhand geschehen. Kaum eine Branche ist so prädestiniert für den Einsatz von Informationstechnik wie die Logistik. Es geht längst um mehr, als nur das Geschäft des Spediteurs effizienter zu machen.

Darüber diskutieren 120 Redner und 3000 Besucher mehr als 65 Stunden auf dem 34. Deutsche Logistik-Kongress vom 25. bis 27. Oktober in Berlin. Das Motto: „Neues denken – Digitales leben“. Neue Produkte und Produktivitätsfortschritte gleich zusätzlicher Wohlstand. Auf diese Formel bringt es Raimund Klinkner, Vorstandschef der Bundesvereinigung Logistik, die den Großkongress organisiert. 

Die Firma Amazon dürfte in einigen Vorträgen erwähnt werden. Der Konzern betreibt nicht nur das größte Internetkaufhaus der Welt. Er ist auch einer der größten Logistiker und technologisch weit vorne. In den Auslieferungszentren sind schon mehr als 30 000 Roboter im Einsatz.

Das Unternehmen drücke damit seine operativen Kosten um 20 Prozent, sagt Amazon-Manager Dave Clark. Andere Konzerne reagieren. Die Deutsche-Post-Tochter DHL oder der weltgrößte Einzelhändler Walmart wollen ihre Logistikzentren ebenfalls mit fahrenden Robotern bevölkern. 

Bei Amazon spielt sich indes im Hintergrund noch erheblich mehr ab: Der Konzern sammelt und analysiert die Daten seiner Kunden permanent. Daraus lassen sich Vorhersagen über das Verhalten der Konsumenten destillieren. 

Das hat den Vorteil, dass die Produkte schon frühzeitig in die Amazon-Lager gebracht werden, um sie schnell auszuliefern. Und Konzernchef Jeff Bezos macht mächtig Druck, um die Lieferung am selben Tag für immer mehr Produkte zu ermöglichen. Auch mit Drohnen. Zahlreiche Pilotprojekte laufen. 

Die Logistik wird nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Gartner denn auch eines der wichtigsten Einsatzgebiete für kommerziell eingesetzte Drohnen, mit denen deren Hersteller 2020 insgesamt rund elf Milliarden Dollar Umsatz machen würden, fast doppelt so viel wie in diesem Jahr. 

Wer überleben will, muss es Amazon gleichtun

Amazon macht dem klassischen stationären Handel jedenfalls schon jetzt das Leben sehr schwer. In den USA haben die Pleiten von Einzelhändlern neue Rekordstände erreicht. Auch hierzulande haben viele Unternehmen heftig zu kämpfen.

So heißt es in einer Studie des Forschungs- und Beratungsinstituts EHI zum Thema „Handelslogistik 2025“, dass Unternehmen derzeit zwar Kundendaten generierten, diese aber nur unzulänglich nutzten. „In der Zukunft wird von einer starken Entwicklung von Advanced Analytics ausgegangen – mit oder ohne Handel“, heißt es in dem Papier.

Mit anderen Worten: Wer überleben will, muss es Amazon gleichtun und anspruchsvolle Software einsetzen, die Kundenwünsche vorwegnimmt. Zumal zahlreiche Untersuchungen belegen, dass sich Fertigung von Konsumgütern und damit auch die Logistik grundlegend wandeln wird – von der Massenproduktion zu einem Käufermarkt mit individualisierten Produkten.

"Durchgängige Supply-Chain ist Wundschdenken"

Adidas macht dies bereits mit maßgeschneiderten Laufschuhen vor. Für solche Produkte brauche es aber komplett neue Konzepte, heißt es in einem Leitfaden des Bitkom, der von der Digitalen Supply Chain spricht. 

Der Idealfall sieht für die Autobranche in etwa so aus: Motorhauben und viele andere Komponenten eines Autos sind allesamt mit Etiketten versehen, die eigentlich kleine Computer sind. Die Minicomputer an den Bauteilen funken ständig Daten. Algorithmen sollen es anhand dieser Daten eines Tages möglich machen, dass die Komponenten gerade rechtzeitig genau in das Autowerk geschickt werden, wo sie gebraucht werden. 

Allerdings: „Die durchgängige digitale Supply-Chain ist Wunschdenken“, heißt es ernüchternd in dem Bitkom-Papier. Der Hauptgrund: So etwas funktioniert nur, wenn alle Beteiligten bereit sind, ihre Informationen wechselseitig zur Verfügung zu stellen. Doch beim Thema Datenteilung/ -hoheit seien die Firmen sehr zurückhaltend, heißt es im Bitkom-Leitfaden. 

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