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Irischer Billigflieger Ryanair: Vorbild für den Rest Europas?
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Irischer Billigflieger Ryanair: Vorbild für den Rest Europas?

Irland

(K)eine irische Erfolgsgeschichte

  • VonStephan Kaufmann
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Irlands Wirtschaftsleistung legte 2017 um sieben Prozent zu. Dahinter stecken vor allem Steuerdumping und andere fragwürdige Praktiken.

Irland ist weiter der Wachstumsstar der Euro-Zone. Im vergangenen Jahr legte die Wirtschaftsleistung um sieben Prozent zu, meldet die irische Zentralbank. Dieses Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,4 Prozent wachsen. Bereits vor Jahren lobte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Land als Beispiel, wie „harte Reformen zum Erfolg führen“. Doch so einfach ist die Sache nicht. Irlands Wachstumszahlen sind statistisch aufgebläht. Und sein Erfolg basiert wesentlich auf seinem Status als Steueroase.

Irlands Wirtschaftsmodell beruht darauf, ausländische Unternehmen und Investoren ins Land zu locken. Seit Jahrzehnten wirbt eine eigene Staats-Agentur um Kapital aus aller Welt, unter anderem mit einem Unternehmenssteuersatz, der mit 12,5 Prozent konkurrenzlos niedrig liegt.

Diese Politik ist als Steuerdumping in die Kritik geraten. Andere EU-Staaten oder auch die USA beschweren sich, bei ihnen erbrachte Wirtschaftsleistung komme dem irischen Fiskus zu Gute. Irlands Regierung pocht jedoch darauf, dass laut EU-Regeln jedes Land seine Steuersätze selbst festlegen darf.

Tatsächlich ist Irland zum Magnet für multinationale Konzerne aus der Hightech-, Pharma- und Luftfahrtindustrie geworden. Sie haben oftmals zwar nicht ihre Produktionsstätten, aber ihre Firmensitze auf die Insel verlegt, um ihre globalen Einnahmen dort steuerlich zu deklarieren und darüber Milliarden an Steuern zu sparen. Das führte auf dem Papier zu einem drastisch steigenden BIP. An ihm gemessen erreichte das Wirtschaftswachstum vor zwei Jahren 26 Prozent, allein die Nettoexporte verdoppelten sich.

Da diese Zahlen lediglich die Buchungstricks multinationaler Konzerne widerspiegelten und nicht die reale Produktion in Irland, startete das irische Statistikamt den Versuch, die Verzerrungen aus den Statistiken herauszurechnen und ein neues Wachstumsmaß zu etablieren: Realitätsnäher als das BIP misst nun das Bruttonationaleinkommen (BNE) die Wirtschaftsleistung – und das BNE ist etwa ein Fünftel kleiner als das BIP. Gemessen am BNE ist Irlands Produktion vergangenes Jahr auch nicht um sieben Prozent gestiegen, sondern nur um sechs Prozent. Dieses Jahr sollen es 3,8 Prozent werden.

Damit sind Irlands Wachstumsraten auch nach der statischen Bereinigung zwar noch immer relativ hoch. Dennoch bietet das Land kein Modell, dem die anderen Euro-Staaten nacheifern könnten. Denn Irlands Erfolg basiert weiter auf den extrem niedrigen Steuersätzen, also auf der Tatsache, dass die Steuern in anderen Ländern höher sind. Bei allem Optimismus warnt daher die irische Zentralbank in ihrem jüngsten Ausblick vor Abwärtsrisiken – und zu denen gehören neben dem EU-Austritt Großbritanniens vor allem „die Unsicherheit über das weltweite steuerliche Umfeld“. Im Klartext: Sollten andere Länder ihre Steuern senken oder die Kritik an Irlands Förderpolitik wachsen, ist das Modell Irland gefährdet.

Problematisch an diesem Modell ist aber nicht nur die Tatsache, dass es Steuereinnahmen aus anderen Ländern abzieht. Sondern auch, dass Irlands Ökonomie wesentlich auf dem Export beruht, also auf der Nutzung der Kaufkraft anderer Länder. Der Anteil der Exporte beträgt 120 Prozent des BIP. Selbst ein Land wie Deutschland kommt nur auf etwa 45 Prozent, im wegen seiner Exportstärke viel kritisierten China sind es 20 Prozent.

Irland verkauft aber nicht nur viel ans Ausland, es bezieht auch deutlich weniger von dort. Der Überschuss im Außenhandel betrug vergangenes Jahr – statistisch unbereinigt – laut irischer Zentralbank fast 30 Prozent des BIP. Die Leistungsbilanz – in der neben dem Güterhandel noch weitere Zahlungsströme eingerechnet werden – schloss mit einem Plus von fast zehn Prozent des BIP. Zum Vergleich: Deutschland wird wegen seines Überschusses von acht Prozent scharf kritisiert.

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