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Keine Hirse mehr von AfD-Müller

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Die Spreewälder Hirsemühle gehört einem AfD-Funktionär, der den menschengemachten Klimawandel leugnet. Deshalb nehmen Biomärkte Produkte des Unternehmens jetzt aus ihrem Sortiment.

Neben dem Reis-Exotic- und dem Mais-Schoko-Müsli hängt in dem Leipziger Biomarkt Bio Mare ein Hinweis der Geschäftsführung. Er trägt den Titel „Auslistung der Spreewälder Hirsemühle“. So weit ist das nichts Besonderes, doch die Erklärung hat einen politischen Hintergrund: Der Inhaber der Mühle ist AfD-Funktionär. Und damit sei er Mitglied einer Partei, die den menschengemachten Klimawandel leugne und sich damit gegen die Werte des Biomarkts und der ganzen Branche stelle.

„Wir sind als Biofachhandel die Adresse, wo Kunden erwarten, dass wir nachhaltige Lebensmittel anbieten und eine Sortierung nach nachhaltigen Kriterien erstellen“, sagte Malte Reupert, Inhaber von Bio Mare, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Lagerbestände der Hirsemühle-Produkte wurden infolgedessen verkauft, und der Biomarkt wechselte den Lieferanten. Nach Angaben des Inhabers zeigten die Kunden Verständnis und befürworteten die Auslistung.

Hirsemühle boykottiert

Bevor man Waren der Spreewälder Hirsemühle aus dem Sortiment nahm, schrieb Reupert den Mühlenbetreiber an und konfrontierte ihn mit seinem Anliegen. Den Schriftwechsel veröffentlichte Bio Mare anschließend auf seiner Webseite: Durch die AfD-Mitgliedschaft mache er sich mit den Grundsätzen der Partei gemein. Als ökologischer Unternehmer sei er damit höchst unglaubwürdig, heißt es in dem Schreiben. „Dies macht uns eine weitere Zusammenarbeit mit Ihnen unmöglich.“

Jan Plessow, Geschäftsführer der Spreewälder Hirsemühle, reagierte auf die Mail: „Ihr Schreiben ist eher ein Fall für den öffentlichen Pranger und/oder den Verfassungsschutz, als dass darauf noch reagiert werden sollte. Ich versuche es trotzdem, in der Hoffnung auf ein Fünkchen demokratisch-freiheitlichen Restverstandes ihrerseits.“

Das Ganze war vor zwei Monaten. Doch noch heute hängt das Schild an gleicher Stelle. „Um auf die Debatte aufmerksam zu machen“, so der Bio-Mare-Inhaber. Doch die Geschichte schlägt nun neue Wellen, denn sie ist ein gefundenes Fressen für den Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Christian Lüth. Über seinen Kanal twitterte er ein Bild der Warnung und spottete über die Auslistung ironisch: „Ökos! Wehrt euch! Kauft nicht bei AfDlern!“

„Klimaleugner nicht tragbar“

Damit kippte er Öl ins Feuer der Populisten. Schnell entbrannte im Netz eine Debatte. Vergleiche zum Dritten Reich inklusive. „Früher hieß es: Kauft nicht bei den Juden“, erklärte ein AfD-Anhänger den anderen die Anspielung des AfD-Sprechers. Ein weiterer sekundierte: „Merkel hat uns zusammen mit den Grünen wieder die Hitler-Zeit aufleben lassen“).

Geschäftsführer Plessow hat für die Auslistung kein Verständnis. Er ist Beisitzer im AfD-Kreisvorstand Spree-Neiße und fühlt sich in seiner Meinungsfreiheit in „totalitärer Manier“ unterdrückt. Dem RND sagte Plessow: „Was hat mein parteipolitisches Engagement mit dem regionalen Produkt zu tun?“ Der AfD-Kreisvorsitzende Steffen Kubitzki, kann die Reaktion des Bioladens ebenfalls nicht nachvollziehen. Es sei „eine Schweinerei“ und gefährde nun die Existenz des Parteikollegen. Fraktionssprecher Lüth teilte dem RND mit, dass man nach Möglichkeiten suche, wie man Plessow finanziell unterstützen könne.

Denn nicht nur Bio Mare, sondern auch die Berliner Biosupermarktkette Bio Company sowie Biohändler Alnatura haben Produkte der Mühle aus dem Sortiment genommen. „Ein Unternehmen in unseren Biomärkten, das die Klimakrise leugnet, ist für uns nicht tragbar“, sagt Stefanie Neumann, Sprecherin von Alnatura.

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