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Stabil ist anders: Die Beschäftigten der Commerzbank wissen, dass ihr Geldhaus noch nicht auf sicheren Beinen steht.

Commerzbank und Deutsche Bank

Nur eine kurze Verschnaufpause für die Banker

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Der Druck auf die beiden kriselnden Banken bleibt - die Commerzbank könnte schon bald von einem ausländischen Interessenten übernommen werden. 

Die meisten Mitarbeiter von Commerzbank und Deutscher Bank werden am Donnerstagmorgen gejubelt haben. Um kurz nach halb elf informierten die beiden Institute zeit- und wortgleich die Öffentlichkeit darüber, dass sie ihre Fusionsgespräche abbrechen. Nach gründlicher Analyse seien sie zu dem Schluss gekommen, „dass ein Zusammenschluss keinen ausreichenden Mehrwert bieten würde - auch mit Blick auf die Umsetzungsrisiken, Restrukturierungskosten und Kapitalanforderungen, die mit einer solch großen Integration einhergehen.“

Damit enden Fusionsgespräche, die von Anfang an unter keinem guten Stern standen. Vorangetrieben wurde ein Zusammenschluss von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und seinem Finanzstaatssekretär Jörg Kukies, die sich einen nationalen Bankenchampion wünschten. Auch Commerzbank-Chef Martin Zielke schien angetan von der Idee, genau wie Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

Das war es allerdings mit der Liste der Befürworter. Die Arbeitnehmer liefen Sturm gegen eine Fusion, hätte diese doch den Abbau von bis zu 30.000 Jobs bedeutet. Umfragen zeigten, dass auch die deutsche Öffentlichkeit einen Zusammenschluss negativ bewertete. Die meisten Großaktionäre der Deutschen Bank waren ebenfalls gegen das Projekt, auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing zögerte.

Und selbst unter Finanzwissenschaftlern, die bei vielen Themen unterschiedlicher Meinung sind, fanden sich keine Befürworter: Sie sahen einfach keinen wirtschaftlichen Sinn darin, zwei kränkelnde Institute zusammenzulegen. Zumal die völlig unterschiedlichen Unternehmenskulturen der beiden Institute nur schwer miteinander vereinbar gewesen wären. Sprich: Eine Fusion war öffentlich schon totgeredet worden, bevor die Gespräche überhaupt in die heiße Phase gingen.

Die Aktienmärkte reagierten am Donnerstag uneinheitlich auf die Nachrichten. Während die Commerzbank-Papiere den ganzen Tag im Minus notierten, stiegen die Deutsche-Bank-Aktien zunächst deutlich, gaben die Gewinne dann aber wieder ab.

Fusionsbefürworter und damit „Verlierer“ der nun gefällten Entscheidung, Bundesfinanzminister Scholz, gab sich am Donnerstag einsichtig: Zwar brauche die deutsche Industrie konkurrenzfähige Kreditinstitute, die sie in alle Welt begleiten könnten. Engere Kooperationen zwischen Banken machten aber nur Sinn, „wenn sie sich betriebswirtschaftlich rechnen und auf ein belastbares Geschäftsmodell zusteuern“, sagte er.

Der Druck bleibt

Die Gewerkschaft Verdi äußerte sich wenig überraschend zufrieden: Verdi begrüße den Abbruch der Gespräche „insbesondere im Hinblick darauf, dass die Nachteile einer solchen Fusion vor allem in Bezug auf die Arbeitsplätze deutlich überwogen hätten“, teilte Verdi-Chef und Deutsche-Bank-Aufsichtsratsmitglied Frank Bsirske mit. Auch das Echo aus dem Commerzbank-Betriebsrat war positiv: „Wir sind sehr erleichtert. Dieser Deal wäre für die Mitarbeiter ein Desaster gewesen“, sagte Vertreterin Gabriele Seum zu der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir fürchten aber, dass nun weitere schwierige Gespräche bezüglich Veränderungen anstehen und wir uns nicht entspannt zurücklehnen können.“

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Dem ist wohl so. Denn Commerzbank-Chef Zielke hatte erst kürzlich gegenüber Mitarbeitern – denen er die Fusion schmackhaft machen wollte - erklärt, dass die Bank unbedingt Marktanteile gewinnen müsse, um profitabel zu sein. Egal wie die Fusionsgespräche ausgingen: „Die Alternative, nichts zu tun, gibt es nicht“, erklärte er.

Angeblich interessieren sich die italienische Großbank Unicredit und die niederländische ING für die Commerzbank. Der Bund, der das Institut in der Krise gerettet hatte, hält noch mehr als 15 Prozent der Anteile. Ob er bereit ist, an eine Auslandsbank zu verkaufen, ist offen: Die nicht völlig unbegründete Sorge ist, dass die deutsche Tochter im Krisenfall stiefmütterlich behandeln werden würde. Die Übernahme durch eine Auslandsbank würde aber sicherlich weniger Arbeitsplätze kosten, als ein Zusammenschluss mit der Deutschen Bank.

Zudem ist für den Bund der niedrige Aktienkurs der Commerzbank problematisch: Um die Rettungsaktion der Bank ohne Verluste abzuschließen, müsste ein Käufer etwa 26 Euro je Papier zahlen. Illusorisch, denn derzeit notiert die Aktie bei etwa 7,60 Euro. 

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Auch die kriselnde Deutsche Bank steht nach der Absage der Fusion unter Druck. Sie muss beweisen, dass sie ihre ambitionierten Renditeziele erreichen kann – eine Fusion hätte die öffentliche Aufmerksamkeit erst einmal davon weggelenkt. Das Institut veröffentlichte am Donnerstag einige Zahlen für das erste Quartal, die detaillierten Resultate wird sie am heutigen Freitag vorlegen: Danach kommt die Bank damit voran, ihre viel zu hohen Kosten zu senken. Die Erträge sinken aber ebenfalls. Mit einem Gewinn von 200 Millionen Euro übertraf das Institut zwar die Erwartungen der Analysten deutlich. Dennoch ist klar: Super ist anders.

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