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Bei einigen Unternehmen kosten Plastiktüten bereits Geld.
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Bei einigen Unternehmen kosten Plastiktüten bereits Geld.

Plastikmüll

Keine einheitliche Kostenpflicht für Tüten

  • Judith Köneke
    VonJudith Köneke
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Einige Unternehmen verlangen inzwischen Geld, doch die freiwillige Selbstverpflichtung der Branche lässt auf sich warten.

Ob sie eine Tüte möchte, fragt die Verkäuferin an der Karstadt-Kasse und legt eine Bluse zusammen. „Nein, das geht so“, sagt die Kundin und stopft das neue Kleidungsstück in ihre Handtasche. Die nächste Frau zahlt zehn Cent für eine Tüte. „Anders kann ich meine Einkäufe ja nicht transportieren“, sagt sie. Trotzdem findet sie die neue Regelung gut, „für die Umwelt“.

Seit dem 1. März verlangt Karstadt je nach Größe fünf bis 30 Cent für seine Plastiktüten. Der Textil-Discounter KiK verzichtet bereits seit Ende 2015 ganz auf Plastiktüten. Bei Media-Markt, Saturn und Tchibo muss man schon seit Jahresbeginn bezahlen. Andere Unternehmen wie H&M und C&A ziehen dieser Tage nach.

Die meisten Kunden seien verständnisvoll, sagt Karstadt-Kassiererin Gabriele Haas, doch einige reagierten sauer. „Nach dem Motto: Ich gebe hier viel Geld aus und muss nun auch noch die Tüte zahlen.“ Die Mehrzahl der Kunden hätte keine Tüte mehr genommen, sagt sie. Das ist auch das Ziel einer EU-Richtlinie, wonach der Verbrauch bis 2019 auf 90 und bis 2025 auf 40 Plastiktüten je Einwohner und Jahr reduziert werden soll. Aktuell verbrauchen die Deutschen im Jahr durchschnittlich 71 Tüten.

Ab dem 1. April sollen eigentlich durch eine Vereinbarung des Handelsverbands Deutschland (HDE) und des Bundesumweltministeriums viele Einzelhändler und große Ketten Geld für Einwegtüten aus Plastik nehmen. Der Preis bleibt jedem Unternehmen selbst überlassen. Mit der freiwilligen Initiative will der Einzelhandel eine gesetzliche Regelung vermeiden. Doch die Pläne des Einzelhandels verzögern sich; bis zum Stichtag sind nicht ausreichend Händler zusammengekommen.

„Aktuell haben uns circa 150 Unternehmen signalisiert, dass sie sich der Vereinbarung anschließen würden“, sagt HDE-Sprecher Stefan Hertel. Damit wären etwa 60 Prozent der Tüten von der Vereinbarung erfasst. Diese sieht vor, dass innerhalb von zwei Jahren 80 Prozent aller Kunststofftüten nicht mehr kostenlos abgegeben werden.

Das Umweltministerium führe derzeit noch Gespräche mit anderen Branchen, da 30 Prozent der jährlich in Deutschland ausgegebenen 6,1 Milliarden Tüten nicht über den Einzelhandel vertrieben würden, so Hertel. Sie stammen etwa aus Apotheken, Bäckereien, Tankstellen, von denen sich viele gegen die Selbstverpflichtung entschieden haben.

„Wir sind in den letzten Zügen der Gespräche“, sagt BMUB-Sprecher Stephan Haufe der FR. Der 1. April, der immer wieder als Zielmarke genannt wird, sei nie ein Datum gewesen, das das BMUB kommuniziert habe. „Unser Ziel ist eine belastbare Vereinbarung mit dem Handel.“ Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte zuletzt gesagt, dass sie, wenn die Selbstverpflichtung in dem vorgesehehen Zeitplan nicht funktioniere, eine ordnungsrechtliche Regelung vornehmen werde. Über die Ergebnisse will das BMUB im Laufe des April informieren.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert, dass die freiwillige Vereinbarung mit dem Handel voller Schlupflöcher sei. Sie fordert stattdessen die Einführung einer gesetzlichen Abgabe von mindestens 22 Cent. „Grundsätzlich wäre die Vereinbarung zwischen Handel und BMUB ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagt Rolf Buschmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der HDE hätte aber schon viel früher eigene Initiativen starten können, kritisiert er.

Sinnvoll fände Buschmann außerdem, wenn die Einnahmen der Tüten zu Teilen an Umwelt- oder soziale Organisationen gehen würden – statt in den Kassen der Einzelhändler zu landen. Den Tütenverbrauch zu verringern, sei ein Symbol, „aber auch in anderen Bereichen brauchen wir Konzepte“, von überflüssiger Verpackung bei Lebensmitteln bis hin zum Onlineversand, sagt er.

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