Windkraft

Kein Zurück bei Enercon

Der Windanlagenbauer hält trotz Intervention der Politik an Abbau von bis zu 3000 Jobs fest. Windkraft wird zu einem Problem für Deutschland.

Der Windanlagenbauer Enercon hält auch nach einem Krisentreffen mit Politikern aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt am angekündigten Abbau von bis zu 3000 Stellen fest. „Letztendlich müssen wir jetzt für uns ganz klar festhalten, dass an dem Schritt, den wir am Freitag angekündigt haben, kein Weg vorbeigeht“, sagte Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig am Mittwoch in der Staatskanzlei in Hannover. Ein wesentlicher Grund sei, dass in Deutschland in letzter Zeit kaum noch neue Windkraftanlagen errichtet worden seien. „Es bricht etwas weg, was wir nicht auffangen können.“

Mögliche Schritte der Bundesregierung zur Wiederbelebung der Windenergie könnten den Jobabbau nicht mehr verhindern. „Die Maßnahmen, die wohlwissend jetzt angepackt werden können und die kurz- und mittelfristiger Natur sind, kommen jetzt zu spät“, sagte Kettwig. „Die Messe ist gelesen.“

Zuvor hatte der Enercon-Chef sich unter anderem mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) und Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) getroffen. Weil hatte vor dem Gespräch angekündigt, für die Jobs in der Branche zu kämpfen. Ohne Windenergie seien Deutschlands Klimaziele nicht zu erreichen. „Wir brauchen einen Neustart bei der Energiewende mit praktikablen Lösungen, um dort, wo Windenergie möglich ist, auch tatsächlich Windenergie zu gewinnen“, so Weil. Enercon hatte am Freitag angekündigt, wegen der schlechten Marktlage Stellen abzubauen und die Energiepolitik der Bundesregierung mitverantwortlich gemacht.

Der Chef der Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, beklagte, die Lage der Windkraftbranche in Deutschland passe nicht zur Energiewende. Neben Enercon hat auch die Siemens-Tochter Gamesa den Abbau Tausender Arbeitsplätze angekündigt, der Windanlagenbauer Senvion meldete im April Insolvenz an.

Die Bundesregierung will bis 2030 den Ökostromanteil beim Stromverbrauch auf 65 Prozent steigern. In den ersten neun Monaten lag er bei rund 43 Prozent. Doch die Zeiten, in denen Deutschland der größte Markt für Windkraftanlagen in Europa war, sind vorbei. Im ersten Halbjahr kam der Ausbau der Windkraft an Land fast zum Erliegen. Als Hauptgründe der Branchenkrise gelten wenige Flächen, lange Genehmigungsverfahren und Klagen von Bürgerinitiativen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) verteidigte am Mittwoch im Bundestag den umstrittenen geplanten Mindestabstand von 1000 Metern zwischen Windrädern und Wohnsiedlungen. Die Länder sollten die Möglichkeit erhalten, bei geringeren Abständen zu bleiben, sagte er.

Das Hauptproblem derzeit sei, dass es nicht genügend genehmigte Standorte für Windräder gebe, so Altmaier. Die Genehmigungsverfahren dauerten oft Jahre. Es gehe darum, zusammen mit den Ländern Verfahren zu beschleunigen. Dazu müssten die Länder genügend Mitarbeiter in Behörden zur Verfügung stellen, die über Anträge entschieden. Man arbeite mit Hochdruck daran, ein Maßnahmenpaket umzusetzen. (dpa)

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