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Interview

„Kein Kreditberater hat gestern noch Rheumadecken verkauft“

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Geschäftsführer Christian Nau über die Kritik am Kreditvergleich von Check 24, die Bedeutung von Provisionen und den Nachteil von Bankfilialen.

Die Check-24-Werbung ist allgegenwärtig. Besonders offensiv wirbt das Vergleichsportal derzeit für günstige Darlehen per Mausklick. Verbraucher, die darauf zugreifen möchten, erwarten eine Plattform, die verschiedene Angebote neutral darstellt. Doch das sei häufig nicht der Fall, bemängeln Verbraucherschützer. Hinzu kommt, dass das Vergleichsportal kürzlich bei der Bundesfinanzaufsicht eine Banklizenz beantragt hat. Christian Nau, Chef des Check-24-Kreditvergleichs, reagiert im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau auf die Kritik und erklärt, welche Ziele das Unternehmen verfolgt.

Herr Nau, lassen Sie uns gleich zur Sache kommen: Check 24 wird immer wieder vorgeworfen, dass es sein Versprechen „hier check ich alles“ nicht erfülle, weil der Vergleich eben nicht den kompletten Kreditmarkt abbildet, sondern nur ausgewählte Banken. Warum?
Die Kunden kommen zu uns, um sich ihren Kreditwunsch zu erfüllen. Wir müssen also sicherstellen, dass der Kreditprozess mit der jeweiligen Bank reibungslos funktioniert und das Geld wirklich ausgezahlt wird. Das können wir für die Banken gewährleisten, mit denen wir kooperieren. Andere Banken listen wir zwar auf, wir können aber nicht garantieren, ob zum Beispiel der beworbene Zins auch tatsächlich angeboten wird, wie schnell er ausgezahlt wird und ob es Fußangeln oder Fallstricke gibt. Deshalb sind im Kreditvergleich zunächst einmal nur die von uns geprüften Angebote dargestellt. Und das sind ja nicht wenige. Wenn man den Anteil betrachtet, den diese Banken am Kreditvolumen in Deutschland haben, erreichen wir mit unseren Partnerbanken eine sehr hohe Marktabdeckung. Daher kann ich die Kritik der Verbraucherschützer nicht nachvollziehen – und unsere Kunden offenbar ebenso wenig. Mir sind jedenfalls keine Beschwerden bekannt. Für unsere Kunden zählt, zu welchem Zins sie ein Darlehen erhalten können und wie schnell das Geld auf ihrem Konto ist.

Check 24 ist eine 1999 gegründete Unternehmensgruppe mit Sitz in München, die seit 2008 ein Preisvergleichsportal für die Bereiche Versicherungen, Finanzen, Energie, Telekommunikation, Reisen sowie Shopping betreibt und dabei als Makler und als Versicherungsvertreter tätig ist.

Da sind wir schon beim nächsten Punkt: Sie stellen eine Zinsspanne dar, bei der der niedrigste mögliche Zins fett gedruckt ist, während das teure Ende der Spanne nur klein darunter steht. Und die Information, welchen Zins zwei Drittel aller Kunden erhalten, die muss man suchen.
Die Darstellung folgt dem Interesse des Kunden. Wir haben über viele Jahre hinweg festgestellt, dass im Kreditbereich der niedrigste effektive Jahreszins eindeutig die wichtigste Information für den Kunden ist. Wer will, kann seine Angebote im Vergleich auch nach dem sogenannten „Zweidrittelzins“ sortiert anzeigen lassen.

Aber der Zins, den Sie darstellen, ist ja in der Regel gar nicht der, den die Kunden am Ende angeboten bekommen. Den erhalten nur Verbraucher mit der allerbesten Bonität – und die brauchen meist gar keinen Kredit.
Der am Ende tatsächlich vergebene Zins liegt immer in der im Vergleich angezeigten Zinsspanne. Wie hoch er am Ende ist, entscheidet die Bank nach weiterer Dateneingabe und der Kreditprüfung, diesen Zins zeigen wir dem Kunden dann natürlich auch an. Wenn der Kunde unseren Kreditvergleich allerdings zum ersten Mal aufruft, kennen weder wir noch die Banken ohne weitere Daten seine persönliche Situation und daher auch nicht den exakten Zinssatz, den er von den Banken erhalten wird. Deshalb versuchen wir zunächst, die Kreditangebote der Banken in einer objektiv richtigen, generischen Reihenfolge anzuzeigen und dem Kunden damit auch bereits einen guten Überblick über das Angebot am Markt zu geben. Da ist, wie bereits gesagt, das günstigste Zinsangebot auch das wichtigste Kriterium. Es gibt auch andere Faktoren und die kann man natürlich so sortieren, wie man möchte. Welche Bank dann ganz oben steht, hat nur mit diesem Faktor zu tun.

Nicht auch mit der Höhe der Provision, die Sie von den Banken erhalten?
Nein, das würden wir niemals tun, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Das würde unsere Glaubwürdigkeit als objektives, verbraucherorientiertes Vergleichsportal infrage stellen und das kann nicht in unserem Interesse sein.

Wie geht es dann für den Kunden weiter?
Seine Daten gehen an die von ihm gewählte Bank und die macht ihm in der Regel auch ein Angebot. Unsere Angebotsoptimierung bietet dem Kunden dann noch einige sinnvolle Alternativen an. Und wir geben ihm die Freiheit, mit einem Klick die Angebote beliebig vieler anderer Banken hinzuzufügen. Erst dann entsteht der Vergleich, der in der Praxis der wesentlich entscheidendere ist: mit den konkreten Kreditangeboten, die die Banken dem jeweiligen Kunden persönlich machen. Da gibt es dann auch keine Zinsspanne mehr, sondern nur einen Zins, nämlich den, der für den Kunden berechnet wurde. Und die Ergebnisse sortieren wir in der bekannten Weise: das günstigste zuerst. Sie sehen also, entscheidender als die Anfangsliste ist das, was danach passiert. Leider hören aber viele Untersuchungen von Kreditportalen schon nach dem ersten generischen Vergleich auf.

Unverkennbar TV-Werbung von Check 24: Hinter der Figur Paul (sitzend) steckt der britische Schauspieler Simon Hibbs. Die Spots folgen immer dem gleichen Schema: Familienvater Paul hat verglichen und dabei viel Geld gespart.

Was ist, wenn der Kunde auf Probleme stößt oder Fragen hat?
Nachfragen werden persönlich von unseren mehr als 300 Kreditberatern beantwortet.

Das ist nicht automatisiert?
Nein, bei uns kommuniziert keiner mit einem Computer. Und die nötige Kompetenz ist auch vorhanden. Alle Kollegen sind ausgewiesene Kreditexperten, die meisten davon Bankkaufleute und keine Kräfte, die gestern noch eine Rheumadecke verkauft haben.

Warum sollte dann überhaupt noch jemand zu einer Bank gehen?
Die Filialen haben sicher auch noch ihre Berechtigung. Die wird allerdings schwächer. Was aus unserer Sicht tatsächlich für das Internet und Check 24 spricht, ist die Tatsache, dass man in einer Filiale nur ein Angebot sieht und durch die persönliche Beziehung zu dem Bankmitarbeiter oft ein Kaufdruck entsteht. Und natürlich, dass die durchschnittlich in den Filialen vergebenen Zinsen grundsätzlich höher sind als die Angebote im Internet.

Warum ist das so?
Für die Banken ist dieser Onlinevertriebsweg häufig günstiger. Das hat was mit den Filialkosten und insbesondere den Personalkosten zu tun. Solange sich Menschen in einem Backoffice eine Akte vornehmen – egal ob digital oder auf Papier – und die Kreditwürdigkeit eines Kunden prüfen müssen, werden die Filialbanken preislich nicht mithalten können. Das Gleiche gilt für die Zeit, die es braucht, um einen Kredit zu bewilligen. Ersetzt man diese Arbeit durch eine Maschine oder künstliche Intelligenz, kann die Kreditentscheidung der Bank sofort erfolgen. Diesen Kostenvorteil kann die Bank dann in den Preis miteinberechnen.

Wie viel lässt sich da aus Verbrauchersicht sparen?
Die Bundesbank führt für das vergangene Jahr einen durchschnittlich vergebenen effektiven Jahreszins von 5,85 Prozent an. Wir haben einen durchschnittlich vergebenen Jahreszins von 3,76 Prozent für Konsumentenkredite. Das sind zwei Prozent Unterschied von Durchschnitt zu Durchschnitt. Das ist enorm viel.

Christian Nau, 50, ist seit 2014 Geschäftsführer des Check-24-Kreditvergleichs. Davor war der Diplom-Informatiker und Insead MBA (Institut Européen d’Administration des Affaires ) bei der italienischen Großbank Unicredit und der Unternehmensberatung Bain & Company tätig. Nau ist verheirateter Familienvater und lebt in München.

Das heißt, Sie geben eine Bestpreisgarantie?
Grundsätzlich zahlt der Kunde bei uns niemals mehr als bei einer Bank. Sollte es doch mal so sein, dass eine Bank auf der eigenen Webseite günstigere Konditionen bietet als wir, würden wir sagen: Lieber Kunde, geh bitte direkt zu deiner Bank. Das ist aber noch nie vorgekommen.

Und wenn der Kredit über Check 24 schon abgeschlossen wurde? Wird dann rückabgewickelt?
Nein, dann erstatten wir ihm die Zinsdifferenz und er erhält eine zusätzliche Prämie. Denn dann hätten wir einen Fehler gemacht – das kann man nie ausschließen. Wir sind mittlerweile seit zwölf Jahren im Geschäft und wollen das auch noch lange machen. Deshalb müssen wir nachhaltig handeln. Das heißt, wir haben kein Interesse daran, den Kunden mal eben kurzfristig zu übervorteilen.

Nun hat Check 24 bei der Bundesfinanzaufsicht Bafin eine Banklizenz beantragt. Verabschieden Sie sich jetzt von der Ebene der Vergleichsportale?
Nein. Check 24 ist und bleibt eine offene Vergleichsplattform. Unser Kerngeschäft bleibt der Vergleich und die Vermittlung von Produkten und Dienstleistungen.

Warum dann dieser Schritt?
Eine Banklizenz würde uns zum Beispiel im Bereich Check-24-Profis helfen. Dort vermitteln wir Dienstleistungen, etwa Nachhilfelehrer, DJs oder Fitnesstrainer, und wickeln den Zahlungsverkehr zwischen Kunden und Anbietern ab. Dafür sind wir bislang auf einen externen Zahlungsdienstleister angewiesen. Denn ohne Banklizenz dürfen wir kein Geld vereinnahmen oder auszahlen. Außerdem möchten wir mit der Vollbanklizenz auf Kundenbedürfnisse schneller reagieren und Produkte anbieten können, die der Markt nicht bereitstellt, wie zum Beispiel Kredite mit Negativzins.

Wie wollen Sie denn da noch als unabhängiges, verbraucherorientiertes Vergleichsportal durchgehen?
Mit unserer neugegründeten Tochterfirma C24-Bank wollen wir eine offene Bankingplattform aufbauen. Diese wird das Kerngeschäft des Vergleichs stärken und unseren Partnern eine weitere Vertriebsoberfläche bieten. Wir wollen mit unseren Partnerbanken nicht in Wettbewerb treten, sondern deren Angebot dort ergänzen, wo Lücken existieren. Damit erhöhen wir den Nutzen für Verbraucher.

Interview: Antje Mathez

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