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Kein Glamour am Main

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Von: Nina Luttmer

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Gute Nachrichten für die Beschäftigten der Deutschen Bank und den Finanzplatz Frankfurt: Das harten Jobabbau-Programm ist beendet.
Gute Nachrichten für die Beschäftigten der Deutschen Bank und den Finanzplatz Frankfurt: Das harten Jobabbau-Programm ist beendet. © Meinzahn

Die Deutsche Bank legt nach einem jahrelangen Schlingerkurs ihr bestes Ergebnis seit 2011 vor. Nun muss sie beweisen, dass der Erfolg nachhaltig ist.

An keinem anderen Tag im Jahr wird Finanzjournalist:innen in Frankfurt wohl so bewusst, wie sehr die Corona-Pandemie ihre berufliche Welt verändert hat, wie an dem der Jahrespressekonferenz der Deutschen Bank. Die war für viele Bankenreporter:innen vor Corona immer das Highlight des Jahres. Nirgends sonst kam so viel „Glamour“ auf, wie dort - der Vorstand der größten deutschen Bank stand im Blitzlichtgewitter der Fotografinnen und Fotografen, das Fernsehen war zugegen, der große Raum gefüllt mit so vielen Menschen wie sonst auf wohl keiner Pressekonferenz in Frankfurt.

Doch nun gab es, wie bereits im vergangenen Jahr, am Donnerstag nur eine virtuelle Pressekonferenz via Zoom; da kam keinerlei besonderes Gefühl auf. Jedenfalls nicht mit Blick auf das Ambiente. Sehr wohl aber konnte das Gefühl entstehen, dass etwas Besonderes passierte. Denn die Zahlen für das Geschäftsjahr 2021, die Bankchef Christian Sewing und Finanzvorstand James von Moltke präsentierten, geben Anlass zur Hoffnung, dass das krisen- und skandalgeschüttelte Geldhaus vielleicht wirklich endlich die Trendwende geschafft hat. Die Aktie des Dax-Unternehmens gewann am Donnerstag denn auch kräftig.

Unter dem Strich machte die Deutsche Bank im vergangenen Jahr einen den Aktionär:innen zurechenbaren Gewinn von 1,9 Milliarden Euro. Das ist das beste Ergebnis seit dem Jahr 2011. Damals verdiente die Bank noch 4,1 Milliarden Euro, danach ging es bergab. Von 2015 bis 2019 standen Verluste zu Buche, erst 2020 wieder ein Mini-Gewinn von 113 Millionen Euro. Sewing, der das Institut seit April 2018 führt, sagte, die Bank habe sich in einem Kreislauf nach unten befunden. „Das haben wir gedreht. Aus der Abwärts- ist eine Aufwärtsspirale geworden.“

Jobabbau fällt kleiner aus

Eine richtig gute Nachricht gab es für die Beschäftigten der Bank sowie den Finanzplatz Frankfurt. Denn die Bank hat sich offenbar von ihrem harten Jobabbau-Programm verabschiedet. Das hatte sich im vergangenen Jahr zwar schon angedeutet, am Donnerstag formulierte der Vorstand das aber deutlicher. Im Juli 2019 hatte das Institut angekündigt, bis Ende 2022 weltweit insgesamt 18 000 Vollzeitstellen zu streichen und auf 74 000 Beschäftigte zu schrumpfen. Ende 2021 wies die Bank aber noch mehr als 82 900 Vollzeitstellen aus. Auf Nachfrage erklärte Sewing am Donnerstag zwar, dass die Bank auch weiterhin Stellen abbauen müsse. Man sei aber nicht mehr auf eine feste Zahl fixiert.

Statt dessen sei das wichtigste, dass die Bank ihre beiden 2019 verkündeten Ziele - eine Eigenkapitalrendite von acht Prozent sowie eine Kosten-Ertrags-Relation von 70 Prozent - in diesem Jahr erreiche. Davon ist das Institut jedoch noch entfernt: Im vergangenen Jahr lag die Eigenkapitalrendite bei 3,8 Prozent, die Aufwand-Ertrags-Relation bei 84,6 Prozent - das heißt, die Bank muss 84,6 Cent aufwenden, um einen Euro zu erwirtschaften. Die Bank hält aber an den Zielen fest und Sewing zeigte sich auch angesichts der Geschäftsentwicklung in den ersten Wochen des neuen Jahres zuversichtlich. „Wir haben die Bank in eine hervorragende Ausgangsposition für 2022 gebracht“, sagte er.

Erträge, Ergebnis vor Steuern und Aktionären zurechenbares Ergebnis der Deutschen Bank.
Erträge, Ergebnis vor Steuern und Aktionären zurechenbares Ergebnis der Deutschen Bank. © FR/dpa

Die Aktionär:innen sollen nun, nach zwei Jahren Pause, wieder eine Dividende von 20 Cent je Papier bekommen. Außerdem hat die Bank ein Aktienrückkaufprogramm über 300 Millionen Euro für das erste Halbjahr angekündigt. Dies würde insgesamt eine Kapitalausschüttung an die Anteilseigner:innen von 700 Millionen Euro bedeuten. Dennoch könnten viele Aktionärinnen und Aktionäre dazu auf der Hauptversammlung im Mai kritische Fragen stellen. Bereits 2020 hatte die Bank mehr als zwei Milliarden Euro an Boni und Halteprämien ausgezahlt, vor allem an ihre Investmentbanker:innen. Und für 2021 soll der Betrag nochmal steigen, wie Sewing am Donnerstag sagte - ohne genaue Zahlen zu nennen, die kommen erst im März. Es gebe einen großen Kampf um Talente, begründete er das. Die Anteilseigner:innen könnten dennoch das nachvollziehbare Gefühl haben, im Vergleich zu den Beschäftigten schlecht wegzukommen.

Investmentbank bleibt wichtigstes Standbein

Klar ist inzwischen, dass die Deutsche Bank dauerhaft vor allem eine Investmentbank bleiben wird. Zwar hatte Sewing 2019 angekündigt, dass er das Geschäftsfeld zurückdrängen und die stabileren Segmente aufbauen will. Doch das ist ihm nicht gelungen. Im Jahr 2021 kamen weiterhin 77 Prozent des Vorsteuerergebnisses der Kernbank (ohne die Abbaueinheit CRU) aus der Investmentbank - nämlich 3,7 Milliarden von insgesamt 4,8 Milliarden Euro. Deren Erträge seien aber, das hat Sewing in den vergangenen Monaten immer wieder betont, nachhaltig. Womit er aber nicht die im Kapitalmarktgeschäft üblichen Schwankungen ausschließt, sondern die Botschaft vermitteln will: Das Investmentbanking ist kein Casino mehr.

Vor allem das gut laufende Emissions- und Beratungsgeschäft trieb das Ergebnis im Investmentbanking 2021 an. Aber auch die Unternehmensbank, das Privatkundensegment und die Vermögensverwaltung verbesserten ihre Ergebnisse. Und Sewing erklärte, er sehe in diesen Bereichen - anders als viele Banken-Fachleute - noch „exzellente Wachstumschancen“.

Alle Segmente profitierten im vergangenen Jahr von einer im Vergleich zu 2020 deutlich gesunkenen Risikovorsorge für notleidende Kredite. Dieser Trend ist auch bei anderen Geldinstituten zu sehen; die staatlichen Hilfen für Unternehmen in der Corona-Krise kommen auf diese Weise auch bei den Banken an.

Im März will die Deutsche Bank ihre neue Strategie für die kommenden Jahre vorstellen.

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