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(FILES): This file photo taken on November 20, 2017 shows gold plated souvenir Bitcoin coins arranged for a photograph in London.
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(FILES): This file photo taken on November 20, 2017 shows gold plated souvenir Bitcoin coins arranged for a photograph in London.

Bitcoin-Serie

(Kein) Geld aus dem Nichts

  • VonStephan Kaufmann
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Der Bitcoin beruht allein auf der Bereitschaft der Nutzer, ihn zu akzeptieren. Damit ist er beliebig und austauschbar - als allgemeines Zahlungsmittel taugt die Währung nicht.

Von 700 Euro auf 16.000 Euro in nur einem Jahr, da bekommen selbst hartgesottene Spekulanten glänzende Augen. Experten und Laien verfolgen staunend den Aufstieg der digitalen Währung Bitcoin. Zweifler wenden ein, es handele sich um eine Blase. Denn während Bitcoins um mehr als 2000 Prozent teurer geworden seien, habe sich ihr Nutzen keineswegs vervielfacht. Tatsächlich allerdings ist unklar, ob sie überhaupt einen Nutzen haben außer dem, wenige Menschen reich zu machen.

Bitcoins sind Kinder der Finanzkrise. Auf die Welt kamen sie 2009, als die Zentralbanken massenhaft Liquidität in die Finanzsysteme pumpten, Banken wackelten und um die Stabilität der geltenden Währungen gebangt wurde. In dieser Situation präsentierten die bis heute unbekannten Erfinder des Bitcoin eine Alternative: eine virtuelle Währung, ein „Geld aus dem Nichts“, wie es heißt.

Die Verknappung ist der Clou

Bitcoins sind letztlich ein Code, der auf dem Computer gespeichert werden kann. Es handelt sich um ein Netzwerk, das Zahlungen abwickeln kann – verschlüsselt, direkt von Nutzer zu Nutzer, ohne Abwicklungsinstanzen wie Geschäfts- oder Zentralbanken. Die Menge an Bitcoins, die es maximal geben kann, ist auf 21 Millionen begrenzt. Diese Knappheit ist für viele der Clou. „Ein Grund für die Beliebtheit digitaler Währungen ist die Sorge, dass die Expansion der Geldmenge durch die Zentralbanken Inflation erzeugt, die den Wert des Geldes erodieren lässt“, erklärt Peter Dixon von der Commerzbank.

Ob der jüngste Anstieg des Bitcoin gerechtfertigt ist, darüber streiten die Geister. Klar ist jedoch: Um überhaupt einen Wert zu haben, muss er als Geld taugen, andernfalls ist er pure, derzeit sehr heiße Luft. Angesichts einer aktuellen Marktkapitalisierung sämtlicher Bitcoin von 270 Milliarden Dollar ist es dabei bemerkenswert, dass Bitcoins derzeit nicht nur keine Geldfunktion erfüllen, sondern dies wohl auch nie leisten werden.

Im Prinzip kann man mit Bitcoins zahlen, man kann sie sparen und Dinge damit kaufen. Die aufwendige Technologie macht sie fälschungssicher und garantiert, dass nicht zwei Personen gleichzeitig den gleichen Bitcoin haben können – beim Bargeld ist dies eine Selbstverständlichkeit, bei elektronischen Überweisungen in Euro garantiert dies das Bankensystem, beim Bitcoin leistet dies das Computernetzwerk: die sichere und eindeutige Zuordnung des privaten Eigentums.

Zwar akzeptieren einige hundert Geschäfte und Händler in Deutschland derzeit Zahlungen in Bitcoin. Besonders verbreitet ist er aber nicht. „Der tägliche Bedarf zum Leben lässt sich durch Bitcoins nicht ansatzweise decken“, erklärt Carsten Klude von der Bank M.M. Warburg. Behindert wird seine weitere Verbreitung in jüngster Zeit ausgerechnet durch seine Beliebtheit: „Die Kursausschläge machen eine Nutzung im täglichen Gebrauch unmöglich – eine sichere Kalkulationsgrundlage fehlt“, so die VP Bank. Dadurch führe sich das Zahlungsmittel Bitcoin ad absurdum.

Ein weiterer Mangel von Bitcoin: Das Zahlungssystem ist schwerfällig. Um seine Sicherheit zu garantieren, ist viel Rechenzeit nötig – eine Überweisung kann Tage dauern. Große Kreditkartenfirmen schaffen heutzutage 56 000 Transaktionen pro Sekunde – das Bitcoin-System ist für sieben ausgelegt.

Doch neben diesen potenziell behebbaren Problemen haben Bitcoins zwei grundsätzliche Defizite: ihre Nicht-Staatlichkeit und ihre fest begrenzte Menge.

Zum ersten Punkt: Während hinter einem Geld wie dem Euro der Staat steht, steht hinter Bitcoin nichts. Durch die Bestimmung des Euro als gesetzliches Zahlungsmittel setzt die Staatsgewalt auf ihrem Territorium ganz prinzipiell die Gültigkeit – nicht: den Wert – des Euro durch: Für Euro ist alles zu haben, wenn man ihn hat. Das ist sein Anker. Der Bitcoin hingegen beruht allein auf der Bereitschaft der Nutzer, ihn zu akzeptieren. Damit ist er beliebig und austauschbar. „Selbst in Zeiten der Hyperinflation besitzt eine offizielle Währung noch einen minimalen Restwert, da es sich dabei um ein gesetzliches Zahlungsmittel handelt“, erklärt die VP Bank. „Dies fehlt dem Bitcoin: Ein Totalverlust ist möglich.“

Damit schwebt stets die Gefahr über dem Bitcoin, nutzlos zu werden – weil er nicht akzeptiert wird, weil andere Kryptowährungen ihn ersetzen oder weil der Staat ihn verbietet. Schließlich „bedroht die Verbreitung dieser neuartigen Zahlungsmittel das bestehende Geldmonopol der Notenbanken“, so die VP Bank. Neben dem Totalverlust drohen auch riesige Kurssprünge wie derzeit. Denn hinter dem Bitcoin steht kein Staat, der sich für seine Stabilität zuständig sieht. Und für spekulative Bewegungen ist der Bitcoin allein wegen seiner fest begrenzten Menge anfällig.

Diese begrenzte Menge – und das ist der wichtigste Punkt – passt zudem nicht zu einem Wirtschaftssystem wie dem Kapitalismus, das auf permanente Expansion von Geld-Werten angelegt ist. Ein Bitcoin-System kann diese Expansion schlicht nicht finanzieren. „Dagegen muss ein modernes Geldsystem heute die Geldnachfrage bedienen, die durch ein angemessenes Wirtschaftssystem erforderlich ist“, so beschreibt der Ökonom Rudolf Hickel das Ideal. Wäre Bitcoin das Weltwährungssystem, wären laut Hickel Deflation und ökonomischer Niedergang mangels ausreichendem Geldangebot unvermeidbar.

Deutlich wird dies anhand der vergangenen Krise: 2008 und 2009 brach Panik im Finanzsektor aus, die Banken kündigten sich gegenseitig die Kreditlinien und verlangten Zahlung in Geld, das nicht ausreichend vorhanden war. „Damals konnten die Notenbanken gerade aufgrund der Tatsache, dass die Geldmenge nicht konstant ist, zusätzliche Liquidität bereitstellen und dadurch Schlimmeres verhindern“, erklärt die VP Bank. „Die konstante Geldmenge des Bitcoins hätte dies unmöglich gemacht.“

Aus nicht-staatlichen Krypto-Recheneinheiten wird also kein allgemein gültiges Zahlungsmittel werden. Aus dem „Nichts“ kommt kein Geld. Dennoch steigt der Wert des Bitcoin von Tag zu Tag, was seine Eigentümer freut und andere staunend zurücklässt. „Was sind Bitcoins wert? Fragen Sie gar nicht erst“, rät der US-Ökonom Robert Shiller.

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