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Kehrtwende im Führungsstreit

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Von: Daniel Baumann

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Könnte neuer Aufsichtsratschef werden: Josef Ackermann.
Könnte neuer Aufsichtsratschef werden: Josef Ackermann. © AFP

Die Spekulationen, dass der bisherige Bankchef Josef Ackermann im kommenden Jahr den Vorsitz über den Aufsichtsrat übernehmen könnte, haben neue Nahrung erhalten. Clemens Börsig steht jedenfalls kurz vor dem Rücktritt.

Im Streit um die Führung bei der Deutschen Bank scheint eine überraschende Kehrtwende bevorzustehen. Wie am Wochenende aus Kreisen des Aufsichtsrates verlautete, könnte der bisherige Bankchef Josef Ackermann nun doch schon kommendes Jahr Aufsichtsratsvorsitzender werden. Noch vor knapp zwei Wochen hatte das Geldhaus entsprechende Spekulationen zurückgewiesen.

Demnach könnte der bisherige Aufsichtsratschef Clemens Börsig schon zur nächsten Hauptversammlung im Mai 2012 seinen Posten räumen, um für Ackermann Platz zu machen. Mit seinem Rückzug will Börsig offenbar den Weg freimachen für die von ihm favorisierte Doppelspitze aus Investmentbanking-Chef Anshu Jain und dem Chef des Deutschland-Geschäfts, Jürgen Fitschen.

Während Jain gesetzt ist – sein Geschäftsbereich trägt rund 80 Prozent zum Ergebnis der Bank bei, ist Fitschen weiter umstritten. Manche Aufsichtsratsmitglieder wünschen sich einen Generationenwechsel an der Vorstandsspitze der Bank. Fitschen mit seinen 63 Jahren ist ihnen schon zu alt. Er könnte den Posten nur ein bis zwei Jahre ausführen.

Großer Konsens

Mit der Berufung von Ackermann zum Aufsichtsratschef könnte nun ein großer Konsens hergestellt werden. Jain und Fitschen würden die Bank zunächst für ein oder zwei Jahre gemeinsam führen. Danach könnte Jain alleine an die Bankspitze stoßen. Ackermann könnte dem politisch schlecht verdrahteten Inder die Repräsentation der Bank und die Lobbyarbeit abnehmen. Nach Außen würde zudem der Eindruck entstehen, dass der Investmentbanker Jain unter Kontrolle eines starken Vorsitzenden steht.

Damit würde sich eine Mischung der beiden zunächst diskutierten Führungsmodelle durchsetzen. Während manche Aufsichtsratsmitglieder eine Doppelspitze unter Aufsicht von Clemens Börsig favorisierten, kämpften andere für ein Modell mit Ackermann als Aufsichtsratschef und Jain als alleinigem Vorstandsvorsitzendem.

Für die Bank verspricht die Kompromisslösung ein Ende der Führungsdebatte für lange Zeit. Wenn Fitschen wie erwartet nach zwei Jahren ausscheiden würde, müsste sein Posten nicht neu besetzt werden. Der 48-jährige Jain könnte die Bank gemeinsam mit Ackermann in den nächsten Jahren führen.

Ob sich das Modell tatsächlich durchsetzen wird, ist allerdings noch unklar. Das Verhältnis zwischen Ackermann und Fitschen gilt als zerrüttet. Am Wochenende wurden deshalb wieder die Namen von Risikovorstand Hugo Bänziger und Privatkundenchef Rainer Neske lanciert, die anstelle Fitschens berufen werden könnten. Klarheit sollen nun Sitzungen am heutigen Montag und am Dienstag bringen. Am Montag tagen verschiedene Gremien des Aufsichtsrates in Frankfurt. Am Dienstag soll dann das gesamte Kontrollgremium gemeinsam tagen – und womöglich eine Entscheidung treffen. Aufsichtsratschef Börsig steht inzwischen unter erheblichem Druck – auch von Seiten der Großaktionäre –, die Nachfolgefrage endlich zu klären. An dieser Aufgabe ist er bereits im Jahr 2009 gescheitert.

Er stellt sein Amt deshalb offenbar auch nicht freiwillig zur Verfügung. Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat forderten im Gegenzug für ihre Zustimmung zur Doppelspitze, Ackermann zum Aufsichtsratschef zu machen. Sie sehen Ackermann als Beschützer des Privatkundengeschäfts in Deutschland, an dem viele Arbeitsplätze hängen. Wie verlautete, sollen sie Börsig sogar mit einer Kampfabstimmung gedroht haben, wenn er sich nicht von der Aufsichtsratsspitze zurückzieht. Es hätte zum Chaos um die Nachfolgeregelung gepasst.

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