+
An Weihnachten gehen die Verbraucher lieber ins Geschäft als ins Internet. Der Stimmung wegen

Geschenke-Budget

Im Kaufrausch

  • schließen

Für Weihnachtsgeschenke geben die Deutsche im Schnitt 281 Euro aus.

Jetzt beginnt sie wieder, die Saison des Konsumrauschs, und zwar mit unverminderter Intensität. Vom fernen China bis in die deutschen Provinzstädte. „Wenn nun auch noch das Wetter mitspielt, dürfte es ein frohes Fest für den Einzelhandel geben“, sagt Thomas Harms, Einzelhandelsexperte bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Der durchschnittliche erwachsene Konsument hierzulande zieht mit einem Geschenkebudget von 281 Euro ins Weihnachtsgeschäft, das ist nur ein Euro weniger als im vorigen Jahr, als EY einen neuen Rekordwert ermittelte. Harms und seine Kollegen haben hochgerechnet, dass in den nächsten Wochen 18,4 Milliarden Euro für Geschenke ausgegeben werden. Das geht aus einer Umfrage unter 1000 Verbrauchern hervor.

Harms unterstellt dabei ein Konsumentenverhalten, das gängigen volkswirtschaftlichen Modellen entspricht. Die Konjunkturflaute sei für die meisten Verbraucher noch kaum spürbar. Die Löhne seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Und angesichts niedriger Zinsen lohne sich das Sparen nicht. „Also bleiben die Deutschen vorläufig in Kauflaune“, so der Einzelhandelsexperte.

Wobei es bei den Präferenzen der Bundesbürger bemerkenswerte Verschiebungen gibt. Etwa: von wegen Internetboom. Das durchschnittliche Budget fürs Online-Shopping geht deutlich zurück, um fünf Euro auf 83 Euro. Das hat damit zu tun, dass eine Geschenkekategorie, die in den vergangenen Jahren insbesondere bei jungen Menschen deutlich gewachsen war, sich nun rückläufig entwickelt: Geschenke in Form von Veranstaltungen, Events und Reisen. Eine Erklärung dafür liefert EY nicht. Vielleicht hat es mit dem gewachsenen Klimabewusstsein zu tun.

Stattdessen steht in diesem Jahr der Genuss deutlich stärker im Vordergrund: Die geplanten Ausgaben für Lebensmittel und Süßwaren steigen von elf auf 16 Euro, wenn die Befragten ihre Pläne tatsächlich umsetzen werden. Auch die Kinder können sich freuen, die Budgets für Spielsachen werden von 23 auf 29 Euro deutlich heraufgesetzt. Unschlagbar sind aber nach wie vor Gutscheine und Geld als beliebteste Geschenkekategorie. Das hat nach Einschätzung der EY-Experten auch damit zu tun, dass gerade ältere Menschen immer größere Schwierigkeiten haben, für die Jüngeren passende Präsente fürs Fest zu finden – wie sollen auch Oma und Opa, Onkel und Tante wissen, welches Computerspiel der 14-jährige Enkel oder Neffe noch dringend benötigt? Mehr als jeder Zweite will dem Beschenkten die Wahl des Präsents überlassen. Das dürfte die Einzelhändler erfreuen. Erzeugen Bares und Gutscheine unterm Weihnachtsbaum doch in den Tagen nach dem Fest zusätzliche Publikumsfrequenz. Zudem werden viele Gutscheine gar nicht eingelöst.

Apropos Frequenz: Die wird in den Einkaufsstraßen in den deutschen Städten in diesem Jahr noch zunehmen – vor allem dort, wo es nicht nur Kaufhäuser und Boutiquen, sondern auch einen schmucken Weihnachtsmarkt gibt. Der stationäre Handel macht im Konkurrenzkampf mit dem Internet Boden gut: „Wenn es um das sinnliche Einkaufserlebnis geht, ist der stationäre Handel eindeutig im Vorteil“, betont Harms. Weihnachtsatmosphäre und geschmückte Innenstädte seien eine große Chance, mehr Kunden zum Besuch der Innenstadt oder des Einkaufszentrums zu bewegen.

Szenenwechsel: Eine Art Startschuss für die Shopping-Saison wurde am Montag im fernen China gegeben. Mit dem Singles’ Day, der ursprünglich ein inoffizieller Feiertag für Menschen ohne festen Partner war. Mittlerweile ist der 11.11. der Tag für eine gigantische Konsum- und Schnäppchensause. In diesem Jahr haben die Verbraucher den Online-Handelsriesen Alibaba und JD.com neue Rekordumsätze beschert. Dem zuletzt schwächeren Wirtschaftswachstum in der Volksrepublik zum Trotz gaben die Kunden binnen 24 Stunden allein auf der Plattform von Alibaba umgerechnet knapp 35 Milliarden Euro aus – 26 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Alibaba-Konkurrent JD.com, der eine elftägige Rabattaktion bis Montag um Mitternacht laufen hatte, teilte am Dienstag mit, dass bei ihm Käufe im Wert von umgerechnet rund 26,5 Milliarden Euro getätigt wurden. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 30 Prozent.

Der Onlinehändler ist für viele Chinesen wegen langer Arbeitszeiten der wichtigste Anlaufpunkt zum Einkaufen. Millionen von Konsumenten warten bei Anschaffungen auf den Singles’ Day, weil sie auf preiswerte Angebote hoffen.

Hierzulande sind davon erste Ausläufer zu bemerken: Von Lidl bis Hugo Boss und auch in Media Märkten gab es zahlreiche Sonderangebote zum Singles’ Day. Viel bekannter ist der Black Friday, der aus den USA kommt und in diesem Jahr auf den 29. November fällt. Die Konsumforscher der Nürnberger GfK gehen davon aus, dass die diesjährigen Black-Friday-Kampagnen, die sich mittlerweile über eine Woche erstrecken, Umsätze bringen, die über dem Weihnachtsgeschäft liegen – allerdings vermischt sich beides auch immer mehr. Aufgefallen ist den Marktforschern im vorigen Jahr, dass der Umsatz stärker stieg als das Volumen. Die Erklärung: Der Black Friday wird hierzulande ähnlich wie der Singles’ Day in China immer stärker genutzt, um Hochwertiges zu kaufen. Das war vor allem bei Smartphones und Fernsehgeräten zu erkennen. Angefeuert wird das laut GfK auch dadurch, dass Händler und Hersteller mittlerweile gezielt darauf setzen, Premium-Produkte zu günstigen Preisen zu offerieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare