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Kaufprämie entwickelt sich zum Flop

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Von: Thorsten Knuf

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Der Ausbau der Ladeinfrastruktur muss flächendeckend vorangetrieben werden.
Der Ausbau der Ladeinfrastruktur muss flächendeckend vorangetrieben werden. © dpa

Eine Million Elektrofahrzeuge will Schwarz-Rot bis zum Ende des Jahrzehnts auf die Straßen bringen. Das Ziel scheint kaum erreichbar zu sein. Die Analyse.

Auch in der Politik gilt: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Hehre Absichten hatte die Bundesregierung ja, als sie im vergangenen Frühjahr die Kaufprämie für Elektroautos auf den Weg brachte. Strombetriebenen Fahrzeugen gehört die Zukunft, nach dem Abgasskandal bei VW & Co. sieht das inzwischen auch die Branche so.

Deshalb schritten die Berliner Regierungskoalition und die Anbieter gemeinsam zur Tat: Mit einem „Umweltbonus“ soll in Deutschland die Elektromobilität aus der Nische geholt werden. Käufer reiner Elektrofahrzeuge erhalten von Staat und Hersteller jeweils 2000 Euro, Käufer von Hybrid-Fahrzeugen jeweils 1500 Euro. Das soll den beträchtlichen Preisnachteil von Autos mit alternativen Antrieben gegenüber Wagen mit Benzin- oder Dieselmotor mindern.

Soweit die Theorie. Das Problem ist nur, dass sich die Kaufprämie immer mehr zu einem riesigen Kuddelmuddel entwickelt. Manche sagen auch: zu einem Flop. Eine Million Elektrofahrzeuge will Schwarz-Rot bis zum Ende des Jahrzehnts auf die Straßen bringen. Das Ziel scheint kaum erreichbar zu sein, der Marktanteil der Stromer bei den Neuzulassungen bewegt sich im unteren einstelligen Prozentbereich.

600 Millionen Euro stehen bereit

Daran ändert auch die Kaufprämie nicht viel. Die Zahlen, die das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle als federführende Behörde veröffentlicht, sind Monat für Monat ernüchternd. Bis Ende Oktober wurden insgesamt nur knapp 5800 Anträge gestellt. Insgesamt stehen 600 Millionen Euro bereit, was deutlich macht, dass sich die Nachfrage doch sehr in Grenzen hält.

Die Bundesregierung ficht das nicht an. Das geht aus den Antworten auf eine kleine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor, die der FR vorliegen. Die einschlägige Richtlinie für den Bonus sei erst seit Anfang Juli in Kraft, heißt es da. „Daher ist es für ein aussagekräftiges Zwischenfazit zu früh“, schreibt Wirtschafts-Staatssekretär Matthias Machnig.

Gleichzeitig spricht sich die Bundesregierung Mut zu, dass das Instrument im Laufe der Zeit schon noch wirken werde. Schließlich sei ein Hauptnachteil von Elektrofahrzeugen neben den hohen Anschaffungskosten ja auch das lückenhafte Netz von Ladestationen. „Kaufprämie und Ausbau der Ladeinfrastruktur müssen im Zusammenhang gesehen werden“, schreibt Machnig. Er glaubt: „Mit dem zunehmenden Ausbau wird auch die Kaufprämie mehr Wirkung entfalten.“

Das Wirtschaftsministerium will auch nichts von Meldungen wissen, wonach Hersteller und Händler versuchen, mit Tricks um die Zahlung ihres Bonus-Anteils herumzukommen – etwa indem sie diesen mit anderen Rabatten verrechnen. In der Antwort heißt es: „Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ist den Pressemeldungen nachgegangen, wonach Endkundenpreise für durch den Umweltbonus geförderte Elektrofahrzeuge kaum gesunken seien. Die Pressemeldungen waren dem Anschein nach nicht repräsentativ.“

Die Grünen im Bundestag überzeugt das nicht. Ihr Fraktionsvize Oliver Krischer sagt: „Bundesregierung und Autoindustrie haben die Kaufprämie handwerklich versemmelt, weil sie das Rabattsystem der Händler entweder nicht berücksichtigt haben, oder die Prämie von vornherein einzig als Subvention für die Autohersteller angelegt war.“ Es fehle auch an einem systematischen Ausbau der Ladestationen.

Wenn die Bundesregierung so weitermacht, wird sie das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 nicht erreichen.

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