Gehör dem kanadischen HBC-Konzern: Kaufhof.
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Gehör dem kanadischen HBC-Konzern: Kaufhof.

Handel

Kaufhof in Turbulenzen

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Ein wichtiger Kreditversicherer entzieht der Warenhauskette Kaufhof das Vertrauen.

Kaufhof steckt in größeren Schwierigkeiten als bislang gedacht. Kreditversicherer haben offenbar das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der Warenhauskette verloren. Hintergrund ist, dass der Eigner, der kanadische HBC-Konzern, in tiefrote Zahlen gerutscht ist.

Kreditversicherer sind Unternehmen, die die Warenbestände von Handelsunternehmen absichern. Damit wird gewährleistet, dass Lieferanten in jedem Fall ihr Geld bekommen. Denn die Ware wird in der Regel nicht sofort bei Lieferung, sondern erst Wochen später gezahlt – vielfach, wenn sie schon längst verkauft ist. Ziehen sich Kreditversicherer zurück, kann es beim Nachschub Probleme geben, es drohen leere Regale.

Bei Kaufhof hat nach einem Bericht von „Spiegel Online“ nun der wichtigste hiesige Kreditversicherer Euler Hermes seine Garantien um 80 Prozent zurückgefahren. Lieferanten seien schon in der vergangenen Woche darüber informiert worden. Die Entscheidung basiere auf der Bewertung der aktuellen Geschäftszahlen.

Seit geraumer Zeit häuften sich die negativen Nachrichten über die Muttergesellschaft von Kaufhof, sagt ein Insider. Es gebe zahlreiche Hinweise, dass der Eigentümer seine Anstrengungen in Europa massiv beschränken wolle.

Hudson’s Bay, das älteste Einzelhandelsunternehmen in Nordamerika, hat im ersten Quartal des Jahres seinen Verlust mit umgerechnet 145 Millionen Dollar mehr als verdoppelt. Unter den Aktionären gibt es mächtig Ärger. Anteilseigner fordern vom Management, die äußerst wertvollen Immobilien – etwa an der 5th Avenue in New York – besser zu vermarkten und sich aus dem Warenhausgeschäft weiter zurückzuziehen.

In den USA sind in den vergangenen Monaten zahlreiche Einzelhandelsunternehmen in die Knie gegangen, weil dort der Internethandel mit Amazon an der Spitze noch erheblich schneller als hierzulande wächst.

Doch auch Kaufhof hat zu kämpfen. Die 115 Häuser in Deutschland und Belgien haben im vergangenen Jahr nicht nur Umsatz und Marktanteile verloren, sondern sind ebenfalls in die roten Zahlen gerutscht. Es gab heftigen Zoff im Management. Schließlich musste Kaufhof-Chef Olivier van den Bossche gehen. Er wurde durch Wolfgang Link ersetzt, der zuvor Europa-Chef beim Spielwarenhändler Toys ‚R‘ Us war.

Link verhandelt mit den Gewerkschaften über einen Ausstieg aus dem Tarifvertrag – dabei hatte HBC bei der Übernahme des Unternehmens von der Metro-Gruppe im Oktober 2015 zugesichert, dass man sich bis mindestens 2020 an die Vereinbarungen halten werde, die mit den Arbeitnehmervertretern ausgehandelt wurden. Die Personalkosten sollen nun in zweistelliger Millionenhöhe gedrückt werden.

Die Kanadier hatten seinerzeit auch angekündigt, die Häuser mit einem ambitionierten Investitionsprogramm von einer Milliarde Euro attraktiver zu machen. Tatsächlich kam bislang nur ein Bruchteil des versprochenen Geldes in den Filialen an. Stattdessen wurden der Betreibergesellschaft der Warenhauskette erhebliche Mieterhöhungen für die Kaufhof-Immobilien aufgedrückt. Das gilt unter Branchenkennern als klassische Methode, um Geld aus einem Unternehmen zu ziehen. Es soll offenbar dazu dienen, den Mutterkonzern zu stützen.

HBC konzentriert sich gleichzeitig darauf, frühere Kaufhof-Sporthäuser zu Designer-Outlets unter der Marke „Saks Off 5th“ umzubauen. Die neuen Läden wurden kürzlich eröffnet – unter anderem in der Frankfurter Innenstadt. Das Konzept ist indes unter Experten umstritten.

Die Kanadier wollen auch bei Kaufhof Bekleidungsmarken durchsetzen, die in Großbritannien und Nordamerika angesagt sind. Im Textiliengeschäft sind hierzulande aber längst die beiden Giganten Zara und H&M übermächtig. Insbesondere Zara gelingt es, mit sehr schnell wechselnden Sortimenten und günstigen Preisen die Kundschaft zu binden. Die Kette, die zur spanischen Inditex-Gruppe gehört, kann modisch und preiswert sein, weil Hosen und Shirts in riesigen Mengen gefertigt werden. Die schnelle Reaktionszeit auf Wetter und Trends hat damit zu tun, dass weitgehend in Europa gefertigt wird.Überdies zweifeln Branchenkenner generell an der Zukunft von Warenhäusern.

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