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Kaufhof-Filiale: Unternehmenschef Stephan Fanderl will „nach Möglichkeit“ keine weiteren Standorte aufgeben.

Warenhaus-Kette

Kaufhof kürzt die Löhne

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Das Management will nach der Fusion mit Karstadt rund 2600 Stellen abbauen und aus dem Flächentarifvertrag aussteigen.

Die Ziele sind ehrgeizig. Kaufhof-Chef Stephan Fanderl will schon im Geschäftsjahr 2019/2020 mit der angeschlagenen Warenhauskette wieder Gewinne einfahren. Die neue Periode beginnt am 1. Oktober. Er hat also gut ein halbes Jahr Zeit, um die Voraussetzungen für Profite zu schaffen.

Am Mittwoch wurden die Beschäftigen in bundesweit 96 Betriebsversammlungen über die Pläne des Managements unterrichtet. Kern des Konzepts ist eine massive Senkung der Personal-Aufwendungen. Dazu soll die Belegschaft mit rund 32 000 Beschäftigten um rechnerisch 2600 Vollzeitstellen verkleinert werden. Außerdem sind Lohnkürzungen und der Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag geplant.

Auch eine Differenzierung des Personals in den Filialen in Verkäuferinnen und sogenannte Verräumer ist zum Zwecke der Kostenverringerung geplant. Verräumer sind Beschäftigte, die lediglich die Regale auffüllen, aber keine Kunden beraten und weniger Geld als ihre Kolleginnen verdienen sollen.

Der endgültige Plan muss noch mit Arbeitnehmervertretern ausgehandelt werden. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat bereits ihre Forderungen formuliert. „Wir erwarten von der Unternehmensleitung den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen in den Filialen und einen Plan, wie das Unternehmen wieder in den profitablen Bereich geführt werden kann“, sagte Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Zysik. Ein nachhaltiges Zukunftskonzept sei nötig, die Aufteilung in Verkäufer/Verräumer hingegen unnötig.

Umbau mit Tempo

Zysik mahnte überdies: Die Sanierung von Karstadt dürfte keine Blaupause für Kaufhof sein. Das ist aber offenbar genau das Verfahren, mit dem Fanderl den Umbau im Hochgeschwindigkeitstempo hinbekommen will. Der Manager ist in Personalunion auch Chef der Karstadt-Kette, die seit Ende November mit Kaufhof unter einem Dach ist und zur Signa-Holding des österreichischen Selfmade-Milliardärs René Benko gehört.

Dieser hatte im Jahr 2014 Karstadt übernommen und Fanderl freie Hand bei der Sanierung gegeben. Seither hat sich die Lage des Unternehmens deutlich gebessert. Vorigen Herbst wurde in Berlin sogar das erste neue Warenhaus seit vielen Jahren eröffnet. Von Branchenkennern gab es viel Applaus für die Karstadt-Sanierung. Einen Großteil der Lasten tragen dabei aber die Beschäftigten, die unter anderem auf Gehaltserhöhungen verzichten. Erst im Jahr 2021 soll wieder das Niveau des Flächentarifvertrags für den Einzelhandel erreicht werden.

Bei Kaufhof sollen neben den bereits vor Monaten beschlossenen Schließungen „nach Möglichkeit“ keine weiteren Filialen dichtgemacht werden, hieß es in Branchenkreisen nach Abschluss der Betriebsversammlungen. Fanderl will also mit insgesamt 243 Waren- und Sporthäusern in Europa weitermachen. Dazu würden dann auch die 40 Doppelstandorte in großen Städten gehören, die bislang als gefährdet galten. Das Management verlangt von der Belegschaft einen Sanierungsbeitrag von insgesamt 70 Millionen Euro. Benko will Medienberichten zufolge zugleich in diesem Jahr 200 Millionen Euro investieren. Die gleiche Summe soll er schon einmal im Herbst zugeschossen haben, um Kaufhof vor der Insolvenz zu retten.

Geld der Beschäftigten

Stefanie Nutzenberger, Mitglied des Bundesvorstandes von Verdi, bringt indes eine neue Variante ins Spiel, wie das Unternehmen zeitweise entlastet werden kann: „Wenn Geld der Beschäftigten für Sanierungsphasen gefordert wird, dann höchstens als Investition und nicht als dauerhafte Spende.“ Die Auszahlung des einbehaltenen Geldes müsste dann – womöglich inklusive Zinsen – für einen bestimmten späteren Zeitpunkt vereinbart werden. Das zeigt: In den nächsten Wochen stehen nun komplizierte Verhandlungen an. „Wir wollen belastbare Zahlen und tragfähige Konzepte sehen“, sagt ein Verdi-Sprecher der Frankfurter Rundschau. Das sei die Grundvoraussetzung, um über ein Zukunftskonzept zu verhandeln. Ein zentraler Punkt dürften dabei die enormen Lasten zahlreicher Standorte durch hohe Mieten sein. Nutzenberger fordert hier Aufklärung vom Management.

Der Hintergrund: Unter der Ägide des Kaufhof-Vorbesitzers HBC wurden die Werte vieler Warenhausimmobilien enorm hoch angesetzt – auch damit Banken, die Kredite gewährten, sie als Sicherheiten akzeptierten. Das zog drastische Mieterhöhungen nach sich, die die Filialen in die roten Zahlen drückten. Nutzenberger: „Wir fragen uns, wie hoch die Mieten heute sind und was die Signa-Holding mit den Mieten macht“, so Nutzenberger.

Der geplante Stellenabbau hängt maßgeblich damit zusammen, dass Benko und Fanderl planen, in den nächsten Monaten die beiden Warenhausketten zu einem Unternehmen mit zwei Marken eng miteinander zu verzahnen. Dazu gehört, dass es nur noch eine zentrale Verwaltung geben soll, die in Essen angesiedelt wird, wo Karstadt schon zu Hause ist. Unter anderem Verwaltung, Logistik und Wareneinkauf sollen zusammengelegt werden und dadurch effizienter werden.

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