Die Deutschen sind in Kauflaune (Archivbild).
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Die Deutschen sind in Kauflaune (Archivbild).

Einzelhandel

Kaufen macht Spaß

  • Thorsten Knuf
    vonThorsten Knuf
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Die Bundesbürger geben ihr Geld gerade mit vollen Händen aus. Bei vielen Einzelhändlern klingeln die Kassen, ein Ende der Kauflaune ist nicht in Sicht. Weil der Konsum so stark ist, revidieren Ökonomen reihenweise ihre Wachstumsprognosen für Deutschland nach oben.

Die Deutschen leben derzeit auf einer Insel der Seligen. Andernorts in Europa kommt die Wirtschaft nicht vom Fleck, große Teile der Bevölkerung sind arbeitslos und leben gar in Armut. Die jüngsten Ereignisse in Griechenland unterstreichen, dass die Eurokrise noch lange nicht vorbei ist. Hierzulande aber geht es vielen gut. Die Verbraucher empfinden das auch selbst so und geben ihr Geld mit vollen Händen aus. Der private Konsum ist zur zentralen Stütze der Konjunktur geworden – und es deutet einiges darauf hin, dass das noch eine Weile so bleiben wird.

Am 30. Januar veröffentlichte das Statistische Bundesamt neue Daten zur Konjunktur im Einzelhandel. Die Händler spüren danach unmittelbar, dass die Arbeitslosigkeit im Land niedrig ist, die Löhne steigen und die Verbraucher aufgrund niedriger Preise für Sprit und Heizöl mehr Geld in der Tasche haben. So konnte der Einzelhandel im Dezember seine realen Umsätze gegenüber dem Vorjahresmonat um satte vier Prozent steigern.

Zwar gab es im Dezember einen Verkaufstag mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Am grundsätzlichen Befund ändert das aber nichts: Vielerorts klingeln die Kassen. Aufs ganze Jahr 2014 gesehen kletterten die Einzelhandels-Umsätze real um 1,4 Prozent. Bezieht man die Teuerung mit ein, lag das Plus bei 1,7 Prozent.

Der Dezember ist wegen des Weihnachtsgeschäfts außerordentlich wichtig. Die größten Zuwachsraten gab es im Internet- und Versandhandel, dessen Umsätze um fast zehn Prozent in die Höhe schossen. Überdurchschnittlich starke Zuwächse gab es auch im Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf. Schlechter lief es für Geschäfte, die Textilien, Bekleidung und Schuhe anbieten. Hier machte sich vor allem die milde Witterung bemerkbar.

Die guten Zahlen sollten nicht den Blick darauf verstellen, dass der Einzelhandel insgesamt einen tief greifenden Strukturwandel durchlebt. Der boomende Internet-Handel macht vielen stationären Anbietern das Leben schwer. Und zwar nicht nur den mittelständischen Läden in der Fußgängerzone, sondern auch internationalen Ketten aus unterschiedlichen Segmenten des Handels. Der Niedergang des Kaufhaus-Konzerns Karstadt zeigt, dass sich das Einkaufsverhalten der Verbraucher verändert hat. Im Lebensmittel-Einzelhandel leiden die meisten Anbieter unter der Billig-Konkurrenz von Aldi, Lidl & Co.

Geld sitzt locker

Trotzdem: Den Deutschen sitzt das Geld so locker wie schon lange nicht mehr. Das zeigte jüngst auch der Konsumklima-Index des Marktforschungsunternehmens GfK. Die Nürnberger Experten gehen davon aus, dass die Kauflust anhalten wird. Denn die Bundesbürger schätzen die weitere Entwicklung von Wirtschaft und Einkommen positiv ein. Daher sind sie auch zu größeren Anschaffungen bereit. Auch der Handel selbst ist optimistisch: Der Branchenverband HDE rechnet für 2015 mit einem Umsatzplus von 1,5 Prozent.

Weil die Deutschen so viel Spaß am Kaufen haben, revidieren Ökonomen gerade reihenweise ihre Wachstumsprognosen für die gesamte Wirtschaft nach oben. So geht die Bundesregierung nun davon aus, dass die Wirtschaftsleistung 2015 um 1,5 Prozent wachsen wird und nicht wie bisher erwartet nur um 1,3 Prozent. Auch die Commerzbank hob am Freitag ihre Prognose an – um 0,4 Punkte auf ebenfalls 1,5 Prozent.

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