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Anlagezertifikate sind riskant, bieten aber auch Chancen.
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Anlagezertifikate sind riskant, bieten aber auch Chancen.

Zertifikate

„Kauf nicht, was du nicht verstehst“

  • VonMechthild Henneke
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Anlagezertifikate gelten als riskant, bieten aber die Chance, mit einem Sicherheitspuffer am Aktienmarkt zu investieren. Im Gegenzug sind auch die Gewinne begrenzt.

Aktien, Fonds oder Indexfonds, sogenannte ETFs, sind als Anlageformen bekannt. Der große Markt der Zertifikate ist dagegen für viele fremdes Terrain. Dabei beträgt das Gesamtvolumen des deutschen Zertifikatemarkts nach Berechnungen des Deutschen Derivate Verbands derzeit 74 Milliarden Euro. Wir erklären, worauf bei Zertifikaten zu achten ist und stellen mehrere Zertifikate vor.

Was sind Zertifikate?

Zertifikate sind Anlageprodukte, die auf die Kursentwicklung von Aktien, Unternehmen, Rohstoffen oder Indizes setzen. Bei vielen von ihnen gibt es eine Ober- und eine Untergrenze, innerhalb derer der Kurs schwanken darf. Je nachdem, ob die angenommene Entwicklung eintritt, ob sie über- oder unterschritten wird, fällt die Rückzahlung an die Zertifikatskund:innen aus: Es gibt entweder einen festgelegten Betrag oder den Wert der Aktie, in die investiert wurde. Geht ein Zertifikate-Anbieter, der sogenannte Emittent, pleite, verlieren Anleger:innen ihr Geld beziehungsweise werden aus der Insolvenzmasse entschädigt.

Für wen eignen sich Zertifikate?

„Zertifikate eignen sich für erfahrene Anleger“, erklärt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Sie bietet auf ihrer Webseite www.bafin.de eine Übersicht über Zertifikate. Die Bafin rät der Kundschaft, „sich mit dieser Anlageform gründlich auseinandersetzen“. Vor allem sollten sie die Risiken verstehen. „Dann lassen sich mit Hilfe dieses Produkts gezielt Anlagestrategien umsetzen, und dies auch schon mit kleineren Beträgen.“

Welche Zertifikate gibt es?

Da sind zum einen die Discount-Zertifikate. „Das ist ein Aktiensubstitut, also ein Produkt für Leute, die schon Aktien haben“, sagt Matthias Hüppe, Zertifikats-Experte bei der HSBC Deutschland. Das Discount-Zertifikat spiegelt eine Aktie wider – aber zu einem reduzierten Preis.

So bietet HSBC zum Beispiel ein Daimler-Discount-Zertifikat zum Preis von 64,37 Euro an, während der Börsenkurs der Aktie bei rund 71 Euro liegt (24.08.2021). Die Laufzeit des Papiers endet im Mai 2022. Das Kursziel, das sogenannte Cap, sind 75 Euro. Steigt die Aktie darüber hinaus, erhält der Anleger trotzdem nur 75 Euro. Entwickelt sich die Aktie nur „seitwärts“, das heißt, verändert sie sich im Wert nicht, oder fällt ihr Kurs, erhält der Anleger pro Zertifikat eine Daimler-Aktie in sein Depot geliefert – bei einem Kurs von 71 EUR wäre das zum Kaufpreis immer noch ein Gewinn von rund zehn Prozent.

Eine andere Art von Zertifikaten sind die Capped Bonus-Zertifikate. Auch hier gibt es eine Obergrenze, zusätzlich darf der Aktienkurs während der Laufzeit eine Untergrenze nicht erreichen. Ein HSBC-Bonus-Zertifikat auf Daimler kostet zum Beispiel etwa 72 Euro bei einem Aktienkurs von rund 71 Euro. Bis zum Laufzeitende des Zertifikats im Juni 2022 darf der Daimler-Kurs nicht unter 52 Euro fallen. Passiert das nicht, dann bekommen Anlegerinnen und Anleger unabhängig vom Aktienkurs 80 Euro pro Zertifikat ausgezahlt. Die absolute Rendite gibt HSBC mit knapp elf Prozent an. Steigt die Aktie über 80 Euro, haben die Anleger:innen das Nachsehen. „Dafür, dass ich auf einen potenziell höheren Gewinn verzichte, bekomme ich einen Puffer“, sagt Hüppe. Der Puffer wird unter anderem durch die Dividenden finanziert, so der Experte. Denn an Dividenden werden die Zertifikatanleger:innen ebenfalls nicht beteiligt.

Discount- und Bonuszertifikate können jederzeit gekauft und verkauft werden. Wenn der Kurs fällt und sich der Untergrenze nähert, kann das sinnvoller sein, als die Rückzahlung des Zertifikats abzuwarten. „Das machen Anleger oft falsch. Sie verpassen den Zeitpunkt zu verkaufen, um ihre Verluste zu begrenzen“, sagt Hüppe. Professionelle Anleger setzten sich bereits beim Kauf auch immer eine Grenze, ab der sie ihr Investment verkaufen, um Verluste nicht ausufern zu lassen. Hüppe nennt ein bis drei Prozent des Portfoliowertes als maximalen Verlust je Investment.

Schließlich gibt es noch die Indexzertifikate. Sie funktionieren ähnlich wie Anlagen in ETFs. Das Zertifikat bildet einen Index ab. Indexzertifikate werden häufig auf industrielle Branchen oder Themen gebildet. Ein Branchenspezialist für Themenzertifikate ist zum Beispiel die Hypovereinsbank. Auf dem Portal „onemarkets.de“ gibt es Zertifikate zu „Anti Plastic“, „Anti Virus“, „Bayern“ oder „Biotechnologie“. „Indexzertifikate reagieren schnell auf Themen, die aktuell sind“, sagt Hüppe. Während die Voraussetzungen, um einen ETF auf den Markt zu bringen, hoch sind, können Zertifikate mit deutlich niedrigerem Aufwand und schneller aufgelegt werden. Zeitliche Limitierungen oder eine Ober- oder Untergrenze sind in der Regel nicht vorhanden. Ein Vorteil von Index-Zertifikaten: Geht der Fondsanbieter pleite, sind Anlegerinnen und Anleger geschützt. Das Fondsvermögen gehört bei ETFs und Fonds als Sondervermögen weiter den Anleger:innen.

Was sind Hebelprodukte?

Während Anlagezertifikate dem Vermögensaufbau dienen, werden Hebelprodukte wie Optionsscheine oder Knock-Out-Zertifikate „mehrheitlich zur kurzfristigen Spekulation“ eingesetzt, erklären die Expert:innen der HSBC auf ihrer Webseite. Das Wort Hebel meint, dass die Wertentwicklung einer Aktie mit einem bestimmten Wert multipliziert wird. Setzt man darauf, dass ein Aktienkurs um zehn Prozent steigt und investiert in ein Produkt mit dem Hebel drei, so erzielt man 30 Prozent Gewinn, wenn die Wette gewonnen wird. Die Verlustrisiken sind jedoch ebenfalls potenziert.

Wie können Anlegerinnen und Anleger sich vor Betrug schützen?

„Zuerst sollten sich Anleger gut über die jeweiligen Zertifikate informieren“, sagt Yann Stoffel, Projektleiter Geldanlage bei Stiftung Warentest. Wovon hängt die Preisentwicklung während der Laufzeit ab und wovon bei Fälligkeit? Dazu finden sich im Netz viele Informationen, so Stoffel. Etwa beim Deutschen Derivate Verband oder auf Finanzseiten im Internet, von denen manche auf Zertifikate spezialisiert sind.

Die Stiftung warnt aber: „Wir mussten bei unserer letzten Analyse bekannter Zertifikatetypen feststellen, dass es immer noch überteuerte Zertifikate und Mogelpackungen gibt, die auch erfahrene Anleger nicht so leicht durchschauen“, sagt Stoffel. Deshalb sollte man immer aufmerksam bleiben und auch das Lesen der genauen Ausstattungsmerkmale eines Zertifikates nicht scheuen. „Kauf nichts, was du nicht verstehst“, rät auch HSBC-Zertifikats-Experte Hüppe. Bei der Ordergröße sollten Anleger:innen das Gesamtportfolio sowie die Transaktionskosten im Auge behalten.

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