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Die Katze lahmt

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Puma-Firmensitz in Herzogenaurach.
Puma-Firmensitz in Herzogenaurach. © dapd

Der fränkische Sportartikelhersteller Puma muss sparen. Der Konzern schließt 80 unprofitable Läden und baut alleine dadurch Hunderte Stellen ab. Außerdem wird Kollektion um ein Drittel verkleinert.

Von Thomas Magenheim

Der fränkische Sportartikelhersteller Puma muss sparen. Der Konzern schließt 80 unprofitable Läden und baut alleine dadurch Hunderte Stellen ab. Außerdem wird Kollektion um ein Drittel verkleinert.

Der fränkische Sportartikler Puma war einmal das Vorzeigeunternehmen seiner Branche. Jetzt gehen die Herzogenauracher durch ein tiefes Tal. Konzernchef Franz Koch will den Abstieg durch ein radikales Sparprogramm stoppen. „Wir räumen auf“, sagte er zur Präsentation der Radikalkur. Wann es wieder aufwärts geht, kann er aber nicht sagen. Klar ist jetzt, dass die Marke mit der springenden Wildkatze 80 unprofitable Läden schließt und allein dabei Hunderte von Stellen abbaut, die Kollektion um ein Drittel verkleinert und Werbeverträge streicht. Wie viele der heute noch weltweit knapp 11.000 Jobs das am Ende kostet, will Koch nicht sagen.

Man habe über das bekannt gegebene Ausmaß hinaus weitere Maßnahmen in Prüfung, räumte der 33-Jährige ein. Amortisieren soll sich die Radikalkur binnen zwei bis drei Jahren, sagte Koch. Zugleich macht aber der Abbau des aufgeblähten Produktportfolios um ein Drittel bis Ende 2015 es immer schwieriger, das noch von Koch-Vorgänger Jochen Zeitz angekündigte Umsatzziel von vier Milliarden Euro bis dahin zu erreichen. „Es ist ehrgeizig, aber noch machbar“, meinte Koch.

Dieses Jahr steuert Puma als der Welt drittgrößter Sportartikelhersteller nach Nike und Adidas auf rund 3,1 Milliarden Euro Umsatz zu. Die einst stolzen Wachstumsraten sind nach neun Monaten des Jahres zum Erliegen gekommen. In Europa gehen sie sogar zurück. Absatzprobleme hat Puma nicht nur in den südeuropäischen Krisenstaaten, sondern auch in Frankreich oder Großbritannien, wo die Olympischen Spiele dieses Jahr eigentlich für bessere Geschäfte hätten sorgen sollen. Auch im Boommarkt China trüben sich die Geschäftsaussichten ein. Aus prozentual zweistelligen Wachstumsraten ist im dritten Quartal währungsbereinigt sogar ein kleines Minus geworden.

Puma hat Glaubwürdigkeit eingebüßt

Mittlerweile hat die globale Abkühlung der Konjunktur zwar die gesamte Branche erfasst. Puma als einstiger Erfinder des Sportlifestyle-Gedankens leidet aber besonders. Modefirmen drängen immer mehr in dieses lukrative Segment. Zugleich hat Puma durch Modelastigkeit – zwei Drittel der Umsätze liefern Lifestyleprodukte – an Glaubwürdigkeit als Sportartikler verloren. Von den diesjährigen Olympischen Spielen oder der Fußball-EM haben Pumas Hauptwettbewerber Nike und Adidas jedenfalls mehr profitiert.

Zumindest ist sich Koch sicher, ein Verlustjahr 2012 vermeiden zu können, obwohl die Gewinne nach neun Monaten um knapp die Hälfte auf 113 Millionen Euro gesunken sind. Auch 2013 werde für Puma ein Übergangsjahr, warnte Koch schon mal vor. Die Sanierung könne länger dauern als einmal geplant.

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