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Am besten wäre es natürlich, wenn sich das Geld vermehren würde. Doch wie sollen sich Sparer verhalten?

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Kassensturz zum Weltspartag

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Bis zur Zinswende der EZB wird es noch dauern - was ist jetzt die beste Strategie für Sparer?

Traditionell gilt der 30. Oktober als Weltspartag. Das ist schon seit 91 Jahren so. 1924 hatte das Weltinstitut der Sparkassen auf dem ersten internationalen Sparkassenkongress in Mailand die Einführung des Weltspartages beschlossen, ein Jahr später bereits wurde er in vielen Ländern weltweit begangen. Die Bürger sollten Sparen als Tugend begreifen. Und gleichzeitig war es natürlich auch damals schon eine Werbeaktion der Banken, um insbesondere junge Menschen als Kunden zu gewinnen. Im Gegenzug gab es Luftballons, Spielsachen – und Zinsen. 

Das ist heute anders. Zum einen werden Aktionen anlässlich des Weltspartages seit ein paar Jahren immer seltener. Bei vielen Instituten sucht man vergeblich nach solchen Angeboten zum 30. Oktober. Nur vereinzelte Geldhäuser, wie etwa die Sparkassen, haben den Tag mittlerweile zu einer ganzen Woche ausgeweitet und bewerben sie mit exklusiven Angeboten. Doch viel mehr als die mickrigen durchschnittlichen Zinsen von weit unter einem Prozent für Sparprodukte werden auch die Sparkassen ihren Kunden nicht bieten können. 

Auf sichere Anlagen wie Tagesgeld, Festgeld oder Sparbriefe gibt es kaum Zinsen. Der Grund dafür liegt in der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Nun sollen die umstrittenen Wertpapierkäufe zum Ende des Jahres eingestellt werden. Erst am vergangenen Donnerstag bestätigte die Notenbank ihr Vorhaben, auch wenn die Währungshüter einen formalen Beschluss immer noch schuldig blieben. Einige Experten liebäugeln trotzdem schon mit einer kommenden Zinswende.

„Es wird nicht bei der Ankündigung der EZB, die Anleihekäufe einzustellen, bleiben“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. „Es ist davon auszugehen, dass sie im Zuge dessen auch die Strafzinsen von 0,4 Prozent Schritt für Schritt reduzieren oder ganz aufheben. Wenn die Banken für das Geld, was sie bei der EZB bunkern, keine Strafzinsen mehr bezahlen müssen, dann sind sie natürlich auch wieder bereit, dem Kunden höhere Anlagezinsen zu versprechen.“ Laut der EZB soll das frühestens im Herbst 2019 der Fall sein. „Wir reden dann von ungefähr 0,5 Prozent“, so die Einschätzung von Herbst. 

Umgerechnet macht das für Verbraucher aber immer noch wenig aus. Laut einer aktuellen Erhebung von Stiftung Warentest in der Zeitschrift „Finanztest“ liegt der höchste Zinssatz für ein zwölfmonatiges Festgeld, welches unter die deutsche Einlagensicherung fällt, derzeit bei 0,75 Prozent, aber auch nur, wenn man dieses online abschließt. Das Angebot stammt von der Akbank, einem türkischen Institut, bei dem dennoch die deutsche Einlagensicherung sowie zusätzlich der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken greifen. 

Die Zinsen von ausländischen Instituten gehen bei den empfehlenswerten Produkten der Stiftung Warentest derzeit nicht höher als ein Prozent, die Mehrheit liegt weit unter 0,75 Prozent. 
Beim Tagesgeld sieht es noch schlechter aus. Hier liegen die besten Renditen gerade einmal knapp über einem halben Prozentpunkt. „Wer kurzfristig auf das Geld zugreifen muss, dem bleibt trotzdem nicht viel mehr als die schlecht verzinsten Anlagen“, sagt Dirk Ulbricht, Direktor des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen. Er rät aber davon ab, sein Erspartes länger als ein oder zwei Jahre in Festgeld anzulegen. Dafür nennt er zwei Gründe. Erstens sei die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann wieder eine Zinswende gibt, größer als dass es auf dem derzeitigen Niveau bleibt. Liegt das Geld aber erst einmal in einem mehrjährigen Festgeldvertrag, kann man von den besseren Konditionen nicht profitieren. Zweitens zahlen die Banken für mehrjähriges Festgeld zwar mehr Zinsen als für kurze Anlagezeiträume, der Unterschied ist aber gering. 

Dem schließt sich Herbst von der FMH-Finanzberatung an und nennt ein Beispiel: Bei dem derzeit besten Angebot mit deutscher Einlagensicherung von der Akbank würde ein Sparer, der sein Geld ein Jahr fest anlegt, 0,75 Prozent Zinsen bekommen. Für zwei Jahre 0,85 Prozent und für drei Jahre 1,05 Prozent. „Wenn ich 10.000 Euro für ein Jahr anlege, kriege ich am Ende 75 Euro. Bei zwei Jahren 85 Euro und bei drei Jahren 105 Euro pro Jahr. Der Unterschied von einem zu drei Jahren, die ich nicht auf das Geld zugreifen kann und in denen womöglich die Zinsen gestiegen sind, ist nur einen Mehrbetrag von 30 Euro“, rechnet Herbst vor. „Das lohnt sich nicht.“

„Da ist man wahrscheinlich besser dran, wenn man sich überlegt, wie man günstiger U-Bahn fahren kann“, sagt auch Ulbricht. Vor allem vor dem Hintergrund, dass das Geld auf dem Konto trotz Zinsen real nicht mehr, sondern weniger wird. Die Inflationsrate liegt derzeit in Deutschland bei knapp über zwei Prozent. Die preisbereinigten Zinsen sind also negativ. „Das war in Deutschland aber nie anders, durch die Negativzinsen wird das nur deutlich sichtbarer“, sagt Ulbricht und verweist auf eigene Erhebungen.

Wann die Zinsen so weit steigen, dass sie die Inflationsrate übertreffen, dazu mögen sich derzeit selbst die mutigsten Prognostiker noch nicht äußern. 

„Wer zwei bis drei Monatsgehälter angespart hat und sein Geld zehn, besser zwanzig Jahre anlegen kann, ohne zwischenzeitlich darauf zugreifen zu müssen, dem empfehle ich längerfristig, in ETFs, also börsengehandelte Indexfonds, anzulegen“, sagt Ulbricht. 

ETFs bilden bestehende Aktienindizes wie den Dax oder den Weltindex MSCI World nach. Damit ist die Risikostreuung sehr breit, da sich die einzelnen Aktien auf mehrere Länder und Branchen verteilen. Die Kursentwicklung entspricht dann immer der des Gesamtmarktes. Und wenn die Zinsen steigen und die Aktienkurse infolgedessen sinken? „Es gibt keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt“, ist Ulbricht überzeugt, auch wenn andere Experten in dieser Hinsicht anderer Ansicht sind. 

Fest steht: Anleger an der Börse müssen Risikoaffinität und einen langen Atem mitbringen. Im Gegensatz zum Tages- und Festgeld lohnt sich an der Börse eine Anlage nur über mindestens zehn Jahre.

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